Editorial

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

es freut mich sehr, Ihnen mit dieser Sonderbeilage einen Einblick in die Highlights des International Liver Congress (ILC) 2019 und des von der ÖGGH veranstalteten Onko-Wintersymposiums geben zu können!

Der ILC 2019 – die bereits zum 54. Mal stattfindende Jahrestagung der European Association for the Study of the Liver (EASL) – brachte auch heuer wieder Kliniker, Wissenschafter und Hepatologen zusammen, um die neuesten klinischen Innovationen, wissenschaftlichen Durchbrüche sowie Herausforderungen in der Forschung aus über 1.500 akzeptierten Abstracts zu diskutieren.

Besonders erfreulich ist die Vielzahl an präsentierten Arbeiten von jungen WissenschafterInnen. Dr. Bernhard Scheiner und Assoz. Prof. Priv.-Doz. Dr. Thomas Reiberger, Medizinische Universität Wien, geben Ihnen einen Einblick in diese ausgezeichneten Forschungsleistungen. Auch auf dem Gebiet der viralen Hepatitis gilt es von relevanten Updates zu berichten: Trotz der Erfolgsstory in der Therapie der Hepatitis C mit Heilungsraten von 95 % stellt der breite Zugang zu umfassender Diagnostik und auch zur Therapie nach wie vor eine große Herausforderung dar. Trotz effektiver Nukleosid-/Nukleotidanaloga (Entecavir, Tenofovir) zur Suppression der Hepatitis-B-Virusreplikation ist eine echte Heilung der Hepatitis B nach wie vor schwierig zu erreichen. Ein anhaltender Verlust von HBsAg wird dabei als Marker für die funktionelle Heilung angesehen. So könnte beispielsweise bei Hepatitis B mit Lenvervimab (ein monoklonaler Antikörper gegen HBsAg) künftig eine Therapieoption mit der potenziellen Möglichkeit zur funktionellen Heilung zur Verfügung stehen; weitere innovative Therapieansätze sind bereits in der Pipeline (Highlightbericht zu Hepatitis B, C und E von Dr. Marie-Sophie Stättermayer und Prim. Priv.-Doz. Dr. Andreas Maieron, Universitätsklinikum St. Pölten). Ao. Univ.-Prof. Dr. Petra Munda, Medizinische Universität Wien, widmet sich dem Thema der Hepatitis D und berichtet über eine potenzielle Therapieoption (Myrcludex-B + pegIFNα). Priv.-Doz. Dr. Matthias Pinter, Medizinische Universität Wien, berichtet über relevante Updates beim hepatozellulären Karzinom (HCC); u. a. Daten zur Therapiesequenz Sorafenib – Regorafenib, zu COX-Inhibitoren, die möglicherweise das HCC-Risiko reduzieren können, und zur PD-1-gezielten Immuntherapie.

Vom ÖGGH-Onko-Wintersymposium mit dem Motto „Kurative Konzepte in der GI-Onkologie. State of the Art“ berichten OÄ Dr. Angela Djanani und Dr. Andreas Schmiderer, Medizinische Universität Innsbruck, über die neoadjuvante Therapie beim resektablen Pankreaskarzinom. Die Autoren schlussfolgern, dass eine neoadjuvante Therapie zwar einen Nutzen bringen kann, weisen aber darauf hin, dass hierbei noch einige Fragen – wie das optimale Therapieregime und der Stellenwert der Radiochemotherapie – offen sind. In einer Zeit, in der die personalisierte Medizin immer mehr in den Fokus rückt, kann argumentiert werden, dass eine neoadjuvante Behandlung für den individuellen Tumor maßgeschneidert werden sollte. Der chirurgischen Therapie des Pankreaskarzinoms widmet sich Univ.-Prof. Dr. Martin Schindl, Medizinische Universität Wien, wobei das Pankreaskarzinom nach wie vor aufgrund der späten Diagnose und aggressiven Tumorbiologie bis heute als eine schwierig zu behandelnde Krebserkrankung gilt. Fortschritte bei den Behandlungsergebnissen können durch eine interdisziplinäre Zusammenarbeit in Diagnose und Therapie erzielt werden. Als besonderes Highlight gelten – neben den neuen Perspektiven der Immuntherapie – die Fortschritte in der interventionellen Radiologie beim HCC und bei Lebermetastasen mit den neuen Möglichkeiten der stereotaktisch gezielten dreidimensionalen Therapieplanung und Platzierung mehrerer, teilweise überlappender Sondenpositionen. Priv.-Doz. Dr. Daniel Putzer, OA Dr. Peter Schullian und ao. Univ.-Prof. Dr. Reto Bale, Medizinische Universität Innsbruck, berichten über den zunehmenden Einsatz von lokal kurativen, perkutanen Ablationstechniken für die minimalinvasive Behandlung von Lebertumoren. Speziell die stereotaktische Radiofrequenzablation erweitert hierbei den kurativen Ansatz.

Einstweilen fanden auch eine sehr spannende 52. ÖGGH-Jahrestagung und der 30. ÖGGH-Fortbildungskurs unter der Präsidentschaft von Univ.-Prof. Dr. Herbert Tilg (Kongresssekretäre: ao. Univ.-Prof. Dr. Robert Koch und ao. Univ.-Prof. Dr. Heinz Zoller; Fortbildungskurs: Univ.-Prof. Dr. Peter Ferenci und Prim. Univ.-Prof. Dr. Michael Gschwantler) statt. Im Rahmen dieser Jahrestagung ist es jahrzehntelange Tradition, die besten österreichischen Publikationen des Fachbereichs aus dem letzten Jahr vorzustellen, redaktionell in bewährter Weise auch in dieser Ausgabe von Univ.-Prof. Dr. Christian Müller betreut. Aus den vielfältigen und qualitativ hochwertigen Präsentationen der zweieinhalbtägigen Veranstaltung gäbe es viel zu berichten, aber davon ein andermal.

Wir freuen uns, Ihnen nun diese Nachlese präsentieren zu können, und bedanken uns bei allen Autorinnen und Autoren!

AutorIn: Univ.-Prof. Dr. Michael Trauner

Klinische Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie,Universitätsklinik für Innere Medizin III,Medizinische Universität Wien


UIM 05|2019 Themenheft Gastroenterologie

Herausgeber: o. Univ.-Prof. Dr. Günter J. Krejs
Publikationsdatum: 2019-06-24