Generika in der Nephrologie

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Prim. Univ.-Prof. Dr. Rudolf Likar
Abteilung für Anästhesiologie, allgemeine Intensivmedizin,
Notfallmedizin, interdisziplinäre Schmerztherapie und Palliativmedizin,
Klinikum Klagenfurt am Wörthersee


Generika sind Medikamente, die die gleiche Wirkung haben sollen wie die Originalprodukte, deren Patentschutz abgelaufen ist. Generika werden nicht bei kranken Patienten in Studien getestet, sondern bei gesunden, und es geht um die Bioverfügbarkeit, die inzwischen 85 % und 120 % des Originalproduktes betragen kann. Das heißt, das Produkt kann um 15 % weniger wirken, oder um 20 % mehr – insgesamt eine Spannbreite von 35 %. Da Generika nur bei gesunden Probanden und nicht bei kranken Patienten getestet werden, gibt es auch keine Langzeitstudien hinsichtlich Wirkung und Nebenwirkung.

Die Generika führen oft zu Verunsicherung bei Patienten, weil sie mit Recht befinden, dass sie entweder weniger oder sogar stärker wirken und dadurch mehr Nebenwirkungen hervorrufen. Weiters kann der sogenannte Noceboeffekt ein Problem darstellen: Wenn das Medikament plötzlich eine andere Farbe hat, ein anderes Aussehen, glaubt der Patient nicht mehr, das gleiche Medikament zu haben und vertraut oft der Wirkung nicht mehr. Der Placeboeffekt kann bis zu 50 % ausmachen. Das heißt, die Gesamtwirkung eines Medikaments besteht aus der Wirkung des Medikaments + dem Placeboeffekt, der bei Generika manchmal gegen Null geht.
Bedenklich ist, dass Generika häufig in Billigländern hergestellt werden und es – wenn Chargen verunreinigt sind – zu Lieferengpässen kommen kann. Da Österreich, was Generika betrifft, ein Niedrigpreisland ist, werden andere Länder bevorzugt beliefert. Das heißt, in Österreich steht das Medikament oft nicht zur Verfügung, und man muss wieder auf ein anderes ausweichen, was zu einer massiven Verunsicherung der Patienten führt.
Fazit: Generikum heißt – billig im Handelspreis, aber unter Umständen teuer im Wirkungsverlust: –50 % Placeboeffekt.“


AutorIn: Univ.-Prof. Dr. Erich Pohanka

em. Vorstand der Klinik für Interne 2, Kepler Universitätsklinikum, Linz


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UIM 08|2020

Herausgeber: o. Univ.-Prof. Dr. Günter J. Krejs
Publikationsdatum: 2020-10-27