Kardiologie – die letzten 20 Jahre

Der Focus dieser Ausgabe widmet sich den wichtigsten kardiologischen Entwicklungen der letzten 20 Jahre. Sie werden über Fortschritte in der interventionellen koronaren Revaskularisation und Verhütung der Stent-Thrombose informiert (S. 16); ebenso über die interventionelle und chirurgische Therapie von Aortenklappenerkrankungen und welche Patienten für welche Therapie geeignet sind (S. 19).
Komplizierter wird es, wenn es um die Mitralklappeninsuffizienz geht. Dies liegt an der unterschiedlichen Ätiologie, Pathogenese und dem klinischen Verlauf der Erkrankung, die durch primäre Veränderungen der Klappe, durch ischämische Veränderungen des Klappenapparates oder durch eine globale Funktionsstörung des linken Ventrikels bedingt sein kann. Im Einzelfall kann es oft schwierig sein, den richtigen Zeitpunkt zur Sanierung der Mitralklappenerkrankung zu finden. Chirurgische Verfahren zur Sanierung der Mitralinsuffizienz werden vorgestellt (S. 22). Vor- und Nachteile einer interventionellen Sanierung der Mitralklappeninsuffizienz werden derzeit, basierend auf kontroversiellen Ergebnissen randomisierter Studien, diskutiert (S. 23).
Elektronische Geräte (Devices), die entweder implantiert oder extern getragen werden, wurden in den letzten Jahren entwickelt und perfektioniert (S. 25). Durch den technischen Fortschritt haben sich viele Möglichkeiten des Telemonitorings und der Datenübertragung eröffnet. Hier besteht dringender Handlungsbedarf von juristischer und gesundheitspolitischer Seite, um Regeln für den sicheren Umgang mit Daten und Kompetenzen und Verantwortlichkeiten für die Patientenbetreuung zu entwickeln.
Fortschritte hat es auch bei der kardialen Bildgebung gegeben (S. 28). Faszinierend ist die in den letzten Jahren zunehmende Möglichkeit zur Fusionierung verschiedener bildgebender Untersuchungen, um damit mehr Einsicht in einen Krankheitsprozess zu gewinnen. Wir sollten allerdings nicht vergessen: Je komplexer die Technologien und je undurchsichtiger die Algorithmen für automatische Bildanalysen werden, desto wichtiger wird die Korrelation mit den Beschwerden und dem Befund der körperlichen Untersuchung, denn wir behandeln nicht Befunde, sondern Patienten.
Herzinsuffizienz mit erhaltener Linksventrikelfunktion (HFpEF) ist ein Begriff, den wir erst seit einigen Jahren kennen. Welche Rätsel uns diese Form der Herzinsuffizienz aufgibt, können Sie auf Seite 31 lesen. HFpEF gilt als eine Erkrankung, von der vorwiegend ältere Frauen betroffen sind, ähnlich wie das Tako-Tsubo-Syndrom, das ebenfalls erst in den letzten 20 Jahren in Europa bekannt geworden ist und dessen Pathogenese immer noch unklar ist.
Aber auch bei dem vermeintlich „Klaren“ gibt es unklare Aspekte: Kardiovaskuläre Erkrankungen sind inzwischen unter Frauen und Männern gleich häufig, Frauen sind aber in Studien über koronare Herzkrankheit und Herzinsuffizienz unterrepräsentiert. Frei nach Pete Seeger kann also gefragt werden: „Sag mir, wo die Frauen sind …“

Ich hoffe auf eine Antwort – spätestens in 20 Jahren!

Univ.-Prof. Dr. Claudia Stöllberger

AutorIn: Univ.-Prof. Dr. Claudia Stöllberger

2. Medizinische Abteilung mit Kardiologie und internistischer Intensivmedizin,Krankenanstalt Rudolfstiftung, Wien


UIM 01|2019

Herausgeber: o. Univ.-Prof. Dr. Günter J. Krejs
Publikationsdatum: 2019-02-21