Präzisionsmedizin: Interdisziplinäre Zusammenschau

Auf dem MedUni Wien-Campus /AKH Wien entsteht derzeit das Zentrum für Präzisionsmedizin, das eine zukunftsorientierte Forschung in personalisierter Medizin ermöglichen soll. Maßgeschneiderte Prävention und Therapie mittels innovativer, molekularer, diagnostischer und therapeutischer Verfahren ist eine Zukunftsvision, die in vielen Disziplinen bereits begonnen hat. Wir richten daher den Fokus dieser Ausgabe von UNIVERSUM INNERE MEDIZIN auf einige jener Fachbereiche, in denen Präzisionsmedizin bereits in Forschung und Klinik angekommen ist.

In der Endokrinologie stellt Typ-1-Diabetes, bei dem durch Biomarker, „Designer-Insuline“ und neue Technologien deutliche Verbesserungen in Therapie und Lebensqualität erzielt wurden, nur ein Beispiel für Präzisionsmedizin im klinischen Alltag dar. Zu den weiteren Einsatzgebieten zählen auch Schilddrüsenerkrankungen, Adipositas, aber auch seltene Stoffwechselerkrankungen. In der Rheumatologie spielt die Präzisionsmedizin derzeit vor allem bei der Identifizierung von Patienten mit schlechter Prognose eine Rolle. Die Heraus- und Anforderung in der Zukunft liegt nun darin, die prognostische mit der therapeutischen Präzision zu verknüpfen, um damit feststellen zu können, welche intensive Therapie bei den zuvor identifizierten Patienten mit schlechter Prognose begonnen werden soll.

Bereits 2013 wurde am Comprehensive Cancer Center der MedUni Wien eine Plattform für Präzisionsmedizin etabliert, um umfassende molekulare Profile von Tumorpatienten nach Ausschöpfen der Standardtherapien zu erstellen. Eine auf Grundlage dieser Plattform durchgeführte Studie konnte bereitszeigen, dass präzisionsmedizinische Behandlungsstrategien auch bei diesen Patienten wirksam sein können. Aus anderen Studien geht auch hervor, dass sich molekulare Aberrationen nicht an Organgrenzen halten, wobei mittlerweile erste Wirkstoffe (TRK-Inhibitoren) tumor­agnostische und organunabhängige Zulassungen erhielten.

Vor uns liegen also spannende Zeiten!
Mit dem Zentrum für Präzisionsmedizin an der MedUni Wien sollen nun die baulichen Voraussetzungen für die Umsetzung eines europaweit führenden Programms zur personalisierten Medizin geschaffen werden, um so national und auch international dazu beizutragen, die potenziellen Therapie- und Diagnoseoptionen für die Patienten zu optimieren.

AutorIn: Univ.-Prof. Dr. Günther Steger

Universitätsklinik für Innere Medizin I, Wien


UIM 10|2020

Herausgeber: o. Univ.-Prof. Dr. Günter J. Krejs
Publikationsdatum: 2020-12-21