Zum 80. Geburtstag von em. o. Univ.-Prof. Dr. Helmut Denk

Steile universitäre Karriere

Univ.-Prof. Dr. Helmut Denk (Abb. 1) wurde 1940 in Scheibbs geboren und maturierte 1958 mit Auszeichnung am Piaristengymnasium in Krems an der Donau. Das Studium der Humanmedizin an der Universität Wien schloss er 1963 mit einer Promotion sub auspiciis praesidentis republicae (Dr. Adolf Schärf) ab. Danach begann er seine ärztliche Ausbildung am Institut für Allgemeine und Experimentelle Pathologie der Universität Wien sowie an der 1. Medizinischen Universitätsklinik Wien. Anschließend verbrachte er einen zweijährigen Forschungsaufenthalt als Postdoctoral Research Fellow bei Hans Popper am Department für Pathologie der Mount Sinai School of Medi­cine in New York, USA. Dieser Forschungsaufenthalt prägte den weiteren akademischen Weg von Helmut Denk ganz entscheidend. Zurück in Wien, war Helmut Denk bis 1977 als Oberarzt am Institut für Pathologie der Universität Wien tätig, wo er das Hans-Popper-Laboratorium für Gastroenterologische Pathologie und Molekularpathologie etablierte, welches danach in Graz und später wieder an der Medizinischen Universität Wien weiterbesteht. Nach der Habilitation für Allgemeine und Experimentelle Pathologie 1973 verbrachte er als Facharzt für Pathologie, Zytodiagnostik und Humangenetik bzw. Visiting Professor und Fulbright Scholar zwei Jahre am Department für Pharmakologie der Yale University in New Haven, USA. Zurück in Wien, habilitierte sich Helmut Denk 1976 für das Fach Pathologische Anatomie. 1983 folgte die Berufung zum ordentlichen Universitätsprofessor für Pathologische Anatomie und Vorstand des Instituts für Pathologie der Karl-Franzens-Universität in Graz. Bis zu seiner Emeritierung 2008 prägte er das Grazer Pathologische Institut und die Medizinische Fakultät (ab 2004 Medizinische Universität Graz) ganz maßgeblich als Arzt, Forscher und Lehrer.

 

 

Wissenschaftliche Pionier­leistungen und Exzellenz

Seine rege wissenschaftliche Tätigkeit fand in bisher mehr als 300 Originalarbeiten und Übersichten ihren Niederschlag. Nach dem Vorbild von Hans Popper hat Helmut Denk in seinen wissenschaftlichen Arbeiten die Methoden der Zellbiologie, Biochemie, Toxikologie und Molekularbiologie in seine morphologischen Analysen miteinbezogen und das Gebiet der Molekularpathologie vorangetrieben, wobei er vor allem Pionierarbeiten in Hinblick auf die Funktion und Pathologie des Intermediär-Filament-Zytoskeletts leistete. Helmut Denk hat sehr früh den Stellenwert des diagnostischen Einsatzes von Antikörpern gegen Proteine des Zytoskeletts (und anderer Antigene) erkannt und so den Weg für die Phänotypisierung in der histopathologischen Diagnostik am Beispiel von Tumorerkrankungen des Gastrointestinaltraktes, der Weichteile und des lymphatischen Systems im Sinne einer auch aus heutiger Sicht modernen Präzisionsmedizin vorangetrieben. Zudem hat er wesentlich zu methodischen Fortschritten in der Immunhistologie und Histochemie wie der Pronasevorbehandlung beigetragen, was den Weg für die Anwendung dieser Methodik an Paraffinschnitten in der Routinediagnostik ebnete. In seinen Arbeiten legte Helmut Denk stets allergrößten Wert auf die Korrelation von (Ultra-)Struktur und Funktion im Sinne eines modernen Krankheitsverständnisses. Ganz im Sinne einer durch Carl von Rokitansky begründeten Tra­dition betonte und förderte er stets die Be­deutung einer engen Partnerschaft mit den klinischen Fächern, was auch seine enge Beziehung zur Inneren Medizin weit über die Anfänge seiner medizinischen Karriere an der 1. Medizinischen Universitätsklinik Wien hinaus erklärt.

Die wissenschaftlichen Interessen von Helmut Denk umfassen ein breites Spektrum, wobei die Pathologie von Lebererkrankungen einen besonderen Schwerpunkt einnimmt. Gemeinsam mit Schaffner und Popper an der Mount Sinai School of Medicine in New York, USA, entwickelte er bereits Anfang der 1970er-Jahre wichtige Konzepte zur Molekularpathologie der gestörten Gallesekretion (Cholestase).

Helmut Denk befasste sich im Rahmen dieser Cholestase-Forschung vor allem mit den Mechanismen des mikrosomalen Cytochrom-P450-Systems im Sinne des hypoaktiven hypertrophen (glatten) endoplasmatischen Retikulums (ER). Somit wurden erstmals subzelluläre Störungen von Zellorganellen (z. B. verminderte Hydroxylierung von Gallesäuren durch ein hypoaktives ER mit vermehrter Produktion der cholestatischen und hepatotoxischen Lithocholsäure) mit der Pathogenese der Cholestase in Zusammenhang gebracht. Seine Hypothesen wurden später durch die methodischen Fortschritte der Zell- und Molekularbiologie weiter untermauert. Helmut Denk kommt neben seinen großen eigenen wissenschaftlichen Errungenschaften auch das Verdienst zugute, dass er nach seiner Rückkehr aus den USA nach Wien und als Ordinarius für Pathologie in Graz den Geist Hans Poppers in Österreich wiederauferstehen ließ und in eine Generation von WissenschafterInnen implantierte, die Hans Popper gar nicht mehr persönlich gekannt hatten.

Durch intensive Bearbeitung der Pathogenese des zytoplasmatischen Hyalins unter besonderer Berücksichtigung des alkoholischen Leberschadens konnte Helmut Denk erstmals nachweisen, dass die bei alkoholischer Hepatitis charakteristischen zytoplasmatischen Einschlüsse in Hepatozyten (die 1911 von Frank B. Mallory beschriebenen „Mallory-Körper“) sowohl aus Keratin- als auch aus Nicht-Keratin-Komponenten aufgebaut sind. Zudem zeigte er, dass Intermediär-Filamente vom Zytokeratin-Typ in vielen sogenannten einfachen Epithelzellen nachweisbar sind und dort nicht nur strukturelle, sondern auch dynamische, funktionelle Eigenschaften besitzen. Die Etablierung eines experimentellen Maus-Modells durch Helmut Denk erlaubte wesentliche neue Einblicke in die Physiologie und Physiopathologie von Intermediär-Filamenten und zeigte erstmals, dass diese Veränderungen nicht spezifisch durch Alkohol bedingt sind, sondern dass es sich vielmehr um einen generellen Ausdruck von metabolischem Zellstress handelt, wie er auch bei anderen metabolischen und cholestatischen Lebererkrankungen am Beispiel der rasant im Zunehmen begriffenen nichtalkoholischen Steatohepatitis, der cholestatischen Erkrankungen wie der primär biliären Cholangitis oder des Morbus Wilson und bei bestimmten Formen des hepatozellulären Karzinoms angetroffen wird. Aufgrund seiner langjährigen wichtigen Beiträge zur Kenntnis der Zytoskelett-Proteine, insbesondere der Struktur und Funktion der Intermediärfilamente, wurde 2007 vorgeschlagen, den „Mallory-Körper“ neu als „Mallory-Denk-Körper“ zu bezeichnen, was in der internationalen Literatur mittlerweile breit akzeptiert ist (Mallory-Denk Bodies, MDBs). Die MDBs sind ein diagnostisch und prognostisch nicht mehr wegzudenkendes Merkmal der (nicht)alkoholischen Steatohepatitis geworden (Abb. 2).

 

 

Akademischer Lehrer, Mentor und Netzwerker

Interdisziplinarität und die Vernetzung mit Grundlagenforschern und klinischen Forschern waren Helmut Denk stets ein großes Anliegen. Er hat nicht nur das Fachgebiet der Pathologie mit der Besetzung von 6 Lehrstühlen und Professuren, sondern auch das der Inneren Medizin und Chirurgie ganz wesentlich geprägt; er war auch ein wichtiger wissenschaftlicher Mentor und Förderer von zwei internistischen Lehrstuhlinhabern für Gastroenterologie und Hepatologie in Österreich. Seine Auffassung einer wissenschaftlich geprägten klinischen Pathologie hat er nicht nur seinen Mitarbeitern und wissenschaftlichen Kooperationspartnern, sondern auch Generationen von Studierenden im Rahmen von mitreißenden Vorlesungen und klinisch-pathologischen Konferenzen vermittelt. Darüber hinaus ist Helmut Denk Autor und Herausgeber zahlreicher Fach- und Lehrbücher der gesamten Pathologie, wobei das von ihm mitherausgegebene Lehrbuch der Pathologie zu Recht als eines der Standardwerke im deutschsprachigen Raum gilt.

Viele Jahrzehnte fungierte er zudem als Mitglied im Editorial Board, Mitherausgeber und Gutachter in einer Vielzahl von wissenschaftlichen Zeitschriften. Unter den zahlreichen Fachgesellschaften, deren Aufzählung den Rahmen sprengen würde, verdient seine Mitgliedschaft in der legendären, von Hans Popper und Sheila Sherlock begründeten International Liver Morphology Group („Gnomes“) besondere Erwähnung, deren Vorsitz Helmut Denk auch innehatte. Er fungierte darüber hinaus u. a. als Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Pathologie (1980–1982 und 1997–1999) und der Österreichischen Gesellschaft für angewandte Zytologie (1986–1988), als Vizepräsident des Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) und als Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pathologie (1993–1994). Von 2000 bis 2005 war Helmut Denk auch ordentliches Mitglied des Obersten Sanitätsrates und bis 2008 Vorsitzender des Kuratoriums des Instituts für biomedizinische Altersforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.

Für seine wissenschaftlichen Verdienste erhielt Helmut Denk bereits zahlreiche Auszeichnungen wie den Lucie-Bolte-Preis der German Association for the Study of the Liver (GASL), den Kardinal-Innitzer-Würdigungspreis und den Großen Josef-Krainer-Preis. Im Jahre 1999 wurde Helmut Denk mit dem Österreichischen Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst, dem höchsten Wissenschaftsorden der Republik Österreich, ausgezeichnet. Die Österreichische Akademie der Wissenschaften wählte ihn 1989 zum korrespondierenden und 1991 zum wirklichen Mitglied der mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse. Von 2009 bis 2013 fungierte Helmut Denk als Präsidentder Akademie. Er ist zudem Fellow des Royal College of Pathologists in London und Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, der Helmut Denk auch als Senator diente. Weiters ist er Ehrenmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Pathologie und der österreichischen Abteilung der Internationalen Akademie für Pathologie (IAP) sowie – als Ausdruck seiner tiefen Verbundenheit mit der Inneren Medizin – der Österreichischen Gesellschaft für Gastroenterologie und Hepatologie (Abb. 3).

 

 

Herzliche Gratulation zum 80. Geburtstag, ad multos annos!

AutorIn: Univ.-Prof. Dr. Michael Trauner

Klinische Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie, Universitätsklinik für Innere Medizin III, Medizinische Universität Wien


AutorIn: O. Univ.-Prof. Dr. Günter J. Krejs

Klinische Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie, Universitätsklinik für Innere Medizin, Medizinische Universität Graz


AutorIn: Prof. em. Dr. Philipp U. Heitz

Departement Pathologie der Universität Zürich.Philipp U. Heitz war Vorsteher des Instituts für Pathologie der Universität Basel von 1982 bis 1987 und Vorsteher des Departements Pathologie der Universität Zürichvon 1987 bis 2004.


UIM 03|2020

Herausgeber: o. Univ.-Prof. Dr. Günter J. Krejs
Publikationsdatum: 2020-04-22