Das fordert die Ärztekammer für 2026

© Selig

Die Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien hat ihre Schwerpunkte und gesundheitspolitischen Forderungen für 2026 vorgestellt. Das Ziel: die Stärkung des niedergelassenen Bereiches.

„Wir müssen Akzente setzen, damit es nicht andere für uns tun“, sagte Präsident Johannes Steinhart bei der Jahresauftakt-Pressekonferenz der Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien am Dienstag. „Wir haben uns für 2026 viel vorgenommen und werden unsere Expertise weiterhin konstruktiv einbringen, um Lösungen für die zahlreichen Herausforderungen im Wiener Gesundheitssystem voranzutreiben.“ Auf der gesundheitspolitischen To-do-Liste steht – neben der Schließung von Versorgungslücken im Kassenbereich – die Modernisierung und gendergerechte Weiterentwicklung der Vorsorgeuntersuchungen ebenso wie die notwendige Attraktivierung der Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen in den Krankenhäusern und im kassenärztlichen Bereich. „Bei medizinischen und gesundheitspolitischen Entscheidungen muss immer die bestmögliche Versorgung der Bevölkerung im Mittelpunkt stehen anstatt einer ökonomischen, bürokratischen oder politischen Logik“, stellt Steinhart klar. „Machen wir unser solidarisches Gesundheitssystem in allen Bereichen zukunftsfit: durch gezielte Investitionen, Innovation und die konstruktive und leistungsorientierte Zusammenarbeit aller wesentlichen Akteure.“

Die Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen im Spitalsbereich müssten ganz konkret verbessert werden, indem beispielsweise Ausbildungsstellen auch in Teilzeit absolviert werden können oder auch am Wochenende Kinderbetreuung angeboten wird. Im niedergelassenen Bereich sind ebenfalls familienfreundlichere Arbeitsmodelle notwendig, damit Ärztinnen und Ärzte langfristig im Kassensystem bleiben. Wichtig sei zudem die Reduktion von Bürokratie in Krankenhäusern und Kassenpraxen. „Aus vielen Gesprächen weiß ich, dass Kolleginnen und Kollegen etwa ein Drittel ihrer Arbeitszeit für bürokratische Belange aufwenden, wertvolle Zeit also, die besser in die Betreuung unserer Patientinnen und Patienten investiert werden sollte“, berichtet Steinhart. „Deshalb brauchen wir einen Entbürokratisierungsgipfel, bei dem Vertreter der Ärzteschaft, der Sozialversicherungen, von Spitalsorganisationen und der Politik gemeinsam konkrete Maßnahmen zum Bürokratieabbau definieren und anschließend für deren Umsetzung sorgen. Angesichts der Ärzteknappheit in öffentlichen Spitälern und im Kassenbereich kann nicht einfach so weitergemacht werden wie bisher.“

„Die Stärkung des niedergelassenen Bereichs ebenso wie der Ausbau und die gendergerechte Modernisierung der Vorsorgeprogramme müssen 2026 ganz oben auf der gesundheitspolitischen Agenda stehen“, ergänzte Naghme Kamaleyan-Schmied, Vizepräsidentin und Obfrau der Kurie niedergelassene Ärzt:innen. Durch eine wohnortnahe, niederschwellige und präventive Versorgung leiste der niedergelassene Bereich einen essenziellen Beitrag dazu, die Gesundheit der Bevölkerung langfristig zu erhalten und das Gesundheitssystem zu entlasten. „Strukturierte Vorsorgeuntersuchungen spielen dabei eine wesentliche Rolle.“ Eine starke hausärztliche Versorgung senke Hospitalisierungen, ermöglicht frühere Diagnosen und verbessere das Management chronischer Erkrankungen. Aktuell bestehe hier aber nicht nur eine deutliche Schieflage zwischen Versorgungsbedarf und verfügbaren Ressourcen, sondern viele Untersuchungen, die Hospitalisierungen verhindern können, werden nicht von der Gesundheitskasse übernommen. „Wenn wir die Möglichkeit hätten, im Verdachtsfall niederschwellig Influenza-, COVID-, RSV- oder sogenannte CPR-Tests durchzuführen, könnten wir Ärztinnen und Ärzte mit einer rechtzeitigen, gezielten Therapie schwere Verläufe verhindern,“ nennt Kamaleyan-Schmied ein Beispiel. „Darüber hinaus würden weniger Antibiotika- Resistenzen aufgrund fälschlicher, übermäßiger Gabe entstehen.“ (rüm)