Ärztekammer Wien fordert ein „Ende des Kranksparens“

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Die neue Standesvertretung in Wien fürchtet einen steigenden Spardruck und präsentierte ihre Pläne für die kommenden fünf Jahre.

Für die kommende Amtsperiode von fünf Jahren hat sich der neue Präsident der Ärztekammer Wien, Johannes Steinhart, als Ziel gesetzt „eine Zeitwende in der Gesundheitspolitik einzuleiten und diese von den politischen Verantwortlichen einzufordern, um endlich davon wegzukommen, unser Gesundheitssystem an allen Ecken und Enden krankzusparen“. Man müsse investieren und dafür sorgen, das öffentliche Gesundheitssystem sowie die Kassenverträge attraktiver zu machen. Ein Teil davon wäre „die Umsetzung eines einheitlichen Leistungskatalogs für ganz Österreich“.

Der vom Gesundheitsministerium eingebrachte Vorschlag der Zwangsverpflichtung für junge Ärzt:innen, um mehr Kassenstellen zu füllen, „schockiert“ Steinhart. Ärzte und Ärztinnen sollen gerne arbeiten gehen, mit einer Zwangsverpflichtung erreiche man womöglich das Gegenteil. Präsident Steinhart ortet hier ein „Versagen der Politik“, es gäbe „zu wenig Flexibilität und zu viel Einsparungen“.

Die beiden Vizepräsidenten Erik Randall Huber und Stefan Ferenci sehen vor allem bei der Ausbildung Reformbedarf. Der neue Obmann der Spitalsärzte, Ferenci, fordert die Abschaffung der Basisausbildung, um den jungen Kollegen und Kolleginnen den raschen Einstieg in ihr Wunschfach zu ermöglichen und so einem Mangel an Fachärzten und -ärztinnen vorzubeugen. Huber setzt dabei auf eine duale Ausbildung. Der Urologe und Obmann des niedergelassenen Bereichs will eine zweijährige Ausbildung in Ausbildungsordinationen und danach vier Jahre im Spital. Er fordert außerdem, dass Primäversorgungseinheiten auch für Sonderfächer möglich sein müssen.

Der Hauptfokus der ÄK Wien läge nun in der Organisation ebendieser. Laut Präsident Steinhart wolle man sich die Prozesse und Strukturen genauer ansehen. Ziel ist es eine „noch stärkere Leistungskammer“ zu werden. Steinhart wäre auch bereit die Führung der Österreichischen Ärztekammer übernehmen, die am 24. Juni gewählt wird: „Sollte es sein, würde ich es mit großem Respekt und Ehrfurcht annehmen.“ (kagr)