Eine komplexe Herausforderung

Physiologisch betrachtet handelt es sich bei Husten um einen essenziellen Schutzreflex, der dazu dient, die Atemwege von Fremdkörpern, Staub, potenziell gefährlichen Substanzen sowie entzündlichem Sekret zu befreien. Starker Hustenreiz kann zu unangenehmen Komplikationen führen, darunter ungewollter Harnverlust oder sogar Rippenfrakturen. Dieser Artikel gibt einen Einblick in die wichtigen Aspekte des Managements von akutem und chronischem Husten.

Akuter Husten

Als akut wird ein Husten bezeichnet, der weniger als 3 Wochen besteht. Die häufigsten Ursachen sind meist schnell identifizierbar: akute virale respiratorische Infektionen, Allergien oder inhalative Intoxikationen. Auch Fremdkörperaspirationen sowie Exazerbationen von COPD und Asthma gehen meist mit Husten einher. Zudem kann Husten ein Leitsymptom bei einer Pneumonie (mit oder ohne Pleuritis) sowie beim Pneumothorax sein.
Meist reichen eine sorgfältige Anamnese, eine körperliche Untersuchung sowie die Abklärung der Begleitsymptomatik aus, um die Ursache festzustellen. Therapeutisch steht die Behandlung der Grundursache im Vordergrund. Bei akuten viralen Infektionen, bei denen ein spontanes Abklingen meist nach wenigen Tagen zu erwarten ist, kann der Husten selbst je nach Symptomlast und bei bestehendem Patientenwunsch behandelt werden. Hierfür können synthetische und pflanzliche Antitussiva sowie Sekretomotorika eingesetzt werden, wie z. B. Dextromethorphan in einer Tagesdosis bis 120mg und Mischspezialdestillate oder Extrakte aus Thymian und Efeu. Selbst unter ärztlicher Aufsicht sollte die Dauer einer solchen symptomatischen Therapie 3 Wochen nicht überschreiten.

Es ist essenziell, Patient:innen darüber aufzuklären, dass eine routinemäßige Gabe von Antibiotika bei Husten oft nicht zielführend ist – selbst wenn diese eine solche Therapie „verlangen“. Eine gezielte Infektabklärung mittels PCR- oder Antigendiagnostik kann helfen, das Antibiotika-Dilemma zu lösen: Bei Nachweis von z. B. Mycoplasma pneumoniae oder Bordetella pertussis ist eine Antibiose durchaus begründet. Der positive Nachweis eines viralen Infekts führt zwar meist zu keiner spezifischen Therapie, dient aber als valide Erklärung der Symptomatik für die Patient:innen.

Subakuter Husten

Ähnliche Regeln gelten für den subakuten Husten (Dauer 3 bis 8 Wochen). Dieser lässt sich häufig durch eine infektgetriggerte bronchiale Hyperreagibilität erklären. In solchen Fällen kann eine vorübergehende Therapie mit inhalativen Kortikosteroiden für 10–14 Tage verordnet werden. Patient:innen sollten informiert werden, dass eine protrahierte Symptomatik nach Infekten keine Seltenheit ist: Etwa die Hälfte der Betroffenen berichtet nach einer SARS-CoV-2-Infektion noch nach 3 Wochen über Husten; bei fast einem Drittel kommt es sogar zu einer Chronifizierung.

Chronischer Husten

Als chronisch gilt Husten, der länger als 8 Wochen andauert. Mit einer weltweiten Prävalenz von ca. 10 % stellt er im klinischen Alltag oft eine Herausforderung dar, da Diagnostik und Therapie oft ressourcen- und zeitaufwendig sein können. In der Abklärung des chronischen Hustens ist eine detaillierte Anamnese essenziell. Neben Vorerkrankungen und Medikation müssen soziale und berufliche Aspekte beleuchtet werden. Das Patientengespräch sollte „narrativiert“ werden, indem gezielt nach Zusammenhängen gefragt wird: Bezug zum Arbeitsplatz oder Wohnortwechsel, Symptome bei anderen Haushaltsmitgliedern sowie zeitliches oder situatives Auftreten (z.B. beim Einschlafen, nach dem Aufstehen, nach Belastung, im Urlaub usw.).

Zu den häufigsten Auslösern zählen Asthma, GERD (Reflux) und UACS (Upper Airway Cough Syndrome). Die initiale Abklärung sollte diese 3 Bereiche immer abdecken; eine alleinige pneumologische Expertise reicht oft nicht aus. Auch radiologische, kardiologische, neurologische und schlafmedizinische Untersuchungen müssen bei Bedarf in Betracht gezogen werden. Oft führt sogar die Koexistenz mehrerer der oben genannten Faktoren zur Entstehung eines chronischen Hustens.

Die Entfernung des Auslösers bzw. die Behandlung der Grunderkrankung führt oft zu einer deutlichen Besserung. Bei manchen Patient:innen entwickelt sich jedoch durch eine Husten-Hypersensitivität eine schwer therapierbare Form: der refraktäre chronische Husten (RCC) oder der unerklärte chronische Husten (UCC). Diese werden aufgrund ihrer Komplexität und ihres besonderen Pathomechanismus als eigenständige Krankheitsbilder betrachtet. Beim RCC kann die Hustentherapie einen eigenständigen Pfad neben der Behandlung der Grunderkrankung einnehmen. Hier kommen neuromodulative Therapien, wie z. B. GABA-Derivate, oder – im palliativen Setting – Morphin-Präparate zum Einsatz. Auch der relativ rezent zugelassene P2X3-Rezeptor-Antagonist Gefapixant findet zunehmend Anwendung. Unterstützend sollten Logopädie, Physiotherapie und Psychotherapie angeboten werden.

Eine umfassende Aufklärung hilft den Patient:innen, den Zustand zu verstehen, Ängste abzubauen und die Lebensqualität zu steigern.