Dr.in Marija Klobasa
Interne 1 – Hämatologie mit Stammzelltransplantation, Hämostaseologie und medizinische Onkologie, Ordensklinikum Linz Elisabethinen
In der Serie „NEXT GENERATION“ beantworten junge Onkolog:innen fünf Fragen zu ihrem Berufsleben, die gemeinsam mit der YHOGA erarbeitet wurden. Dr.in Marija Klobasa von der Internen 1 des Ordensklinikums Linz Elisabethinen sieht mit der fortschreitenden Digitalisierung große Veränderungen auf das Gesundheitssystem zukommen.
Welche Maßnahmen oder Ressourcen wären aus Ihrer Sicht notwendig, um jungen Onkolog:innen ideale Ausbildungsbedingungen zu ermöglichen?
Dr.in Marija Klobasa: Es ist nicht einfach, ideale Ausbildungsbedingungen zu schaffen. Wichtig ist, meiner Meinung nach, eine von Beginn an festgelegte klare Struktur. Ein Austausch mit Kolleg:innen – sowohl in Österreich als auch international – ist sehr hilfreich. Ich finde es beispielsweise großartig, wenn es die Gelegenheit gibt, durch Hospitationen in ausländischen Krankenhäusern Erfahrungen im hämatoonkologischen Bereich zu sammeln. Die Förderung wissenschaftlicher Tätigkeit sowie die Unterstützung bei Promotions- und Habilitationsvorhaben sind sinnvoll, ebenso wie das frühe Einbinden von Kolleg:innen ins interdisziplinäre Tumorboard, um einen Einblick in den klinischen Entscheidungsprozess zu bekommen. Supervision und Resilienzförderung sind bei jungen Kolleg:innen von besonderer Bedeutung. Ich bin sehr froh, dass wir bei uns in der Abteilung die Möglichkeit der regelmäßigen Supervision haben, da in der Hämatoonkologie nicht nur klinische Kenntnisse, sondern auch viel Einfühlungsvermögen und Empathie nötig sind und mitunter schwierige Entscheidungen getroffen werden müssen, von denen man sich nicht immer ausreichend abgrenzen kann.
Wie hat sich die onkologische Patientenversorgung im klinischen Alltag durch aktuelle wissenschaftliche Entwicklungen verändert und welche Herausforderungen entstehen dadurch?
Aufgrund der ständigen Weiterentwicklung in Diagnostik und Therapie ist die Onkologie im Laufe der Zeit wesentlich komplexer und die Patientenversorgung interdisziplinärer geworden. Beispielsweise hat der Einsatz von Immun-Checkpoint-Inhibitoren und CAR-T-Zell-Therapien die Behandlung onkologischer Erkrankungen revolutioniert, aber auch zum Auftreten neuer Nebenwirkungen geführt, die ein interdisziplinäres Management erfordern. Auch der Stellenwert molekularbiologischer Methoden hat in den vergangenen Jahren zugenommen. Durch die fortschreitende Digitalisierung werden noch zahlreiche Änderungen im Gesundheitswesen auf uns zukommen, z. B. durch die Etablierung der künstlichen Intelligenz, die v. a. in der personalisierten Medizin von großem Nutzen sein wird. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass der Datenschutz nicht vernachlässigt wird. Aufgrund der steigenden Anzahl verfügbarer Therapien wird es zunehmend schwerer, kurative von palliativen Ansätzen abzugrenzen, was das Risiko einer Übertherapie erhöht.
Wie hat sich das Berufsbild der Onkologin/ des Onkologen in den letzten Jahren verändert und inwiefern unterscheidet es sich heute von früheren Generationen?
Die Patientenversorgung ist wie bereits erwähnt interdisziplinärer und spezialisierter geworden. Durch das Tumorboard ist die Behandlung zu einer Gemeinschaftsleistung verschiedener Berufsgruppen geworden, und der Wert von Teamarbeit hat an Bedeutung zugenommen. Durch die hohe Anzahl an neuen Studien, Medikamentenzulassungen und Leitlinien ist es deutlich zeitintensiver geworden, immer auf dem neuesten Stand zu sein. Ich bin gespannt, welche Innovationen in der Zukunft noch auf uns zukommen werden.
Viele junge Onkolog:innen sind neben ihrer klinischen Arbeit auch wissenschaftlich tätig. Wie gelingt die Balance zwischen Klinik und Forschung?
Die Balance zwischen klinischer Arbeit und wissenschaftlicher Tätigkeit zu finden kann für junge Ärzt:innen sehr herausfordernd sein. Entscheidend für das Gelingen ist Disziplin, Zeitmanagement und das Setzen von Prioritäten, auch die Work-Life-Balance darf nicht außer Acht gelassen werden. Hier ist es von Vorteil, wenn es die Möglichkeit gibt, sich während der Arbeitszeit wissenschaftlich zu engagieren. Besonders wichtig ist es auch, eine:n Mentor:in zu haben, der/die die Person besonders am Anfang bei der wissenschaftlichen Tätigkeit unterstützt.
Wie schätzen Sie die Qualität der onkologischen Versorgung in Österreich im internationalen Vergleich ein? In welchen Bereichen besteht Verbesserungspotenzial?
Die onkologische Versorgung in Österreich ist auf einem sehr hohen Niveau. Wir können uns glücklich schätzen, dass wir die neuesten Therapien einsetzen können, ohne auf den finanziellen Aspekt achten zu müssen. Österreich verfügt über ein gut ausgebautes Gesundheitssystem mit breitem Zugang zu moderner Diagnostik und modernen Therapien, v. a. in städtischen Zentren. Die Versorgungsstrukturen in ruralen Gebieten sollten ausgebaut werden. Auch beim elektronischen Datenaustausch gibt es noch Verbesserungspotenzial – sowohl in den Kliniken als auch im niedergelassenen Bereich.
Vielen Dank für das Gespräch!