© orzalaga - pixabay Für die einen braucht es umfassende Verbesserungen der Rahmenbedingungen um Kassenstellen wieder attraktiver zu machen, die anderen sehen die Ärztekammer in der Pflicht.
„In Österreich gibt es derzeit rund 8.000 Kassenärzte. Diese Zahl ist in den vergangenen zehn Jahren stabil geblieben beziehungsweise sogar leicht rückläufig und das, obwohl die Bevölkerung im selben Zeitraum um knapp zehn Prozent gewachsen ist. Das führt dazu, dass die Versorgungsdichte mit Kassenärzten sinkt und die Belastung für jeden einzelnen Arzt stetig steigt. Gleichzeitig verliert die Kassenstelle zunehmend an Attraktivität, und es wird immer schwieriger, Nachfolger für freie Stellen zu finden“, erklärte FPÖ-Gesundheitssprecher Gerhard Kaniak in der Debatte über einen freiheitlichen Antrag zur Stärkung des niedergelassenen Bereichs.
Aktuell seien bundesweit mehr als 300 Kassenstellen unbesetzt. „Um zumindest wieder das Versorgungsniveau von vor zehn Jahren zu erreichen, bräuchte es zusätzlich 700 bis 800 Kassenärzte – in Summe braucht es also über 1.000 zusätzliche Kassenärzte. Diese stehen unter den derzeitigen Rahmenbedingungen jedoch nicht zur Verfügung“, so Kaniak. Die Verantwortung für diese Entwicklung liege bei der schwarz-rot-pinken Regierung sowie auch im Bereich der Selbstverwaltung insbesondere bei den Sozialversicherungen, allen voran der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK). Ein zentraler Kritikpunkt sei die bestehende Altersgrenze für Kassenärzt:innen. Der freiheitliche Antrag ziele daher darauf ab, diese Altersgrenze abzuschaffen.
SPÖ-Bundesgeschäftsführer Klaus Seltenheim reagiert indes mit scharfer Kritik an der Ärztekammer: „Wo die Ärztekammer einen ‚Dauerangriff auf Wahlärzte‘ sieht, erleben wir in Wahrheit einen Dauerangriff auf die öffentliche Gesundheitsversorgung und auf die Patient:innen, die immer länger auf Arzt- und OP-Termine warten müssen.“ Seltenheim betont, dass auch Wahlärzt:innen gefordert seien, einen „fairen Beitrag zur Solidargemeinschaft“ zu leisten. Es sei daher Ziel der Bundesregierung, Wahlärzt:innen verstärkt in die öffentliche Gesundheitsversorgung einzubinden. „Es kann nicht sein, dass Familien Geld für die private Behandlung eines Kindes zusammenkratzen müssen, weil sie keinen zeitnahen Termin beim Kassenarzt bekommen“, so Seltenheim. (red)