© pixabay Die Ärztekammer fordert nun das Dispensierrecht für Ärzt:innen, da Umfragen zeigen, dass die Abgabe von Medikamenten in den Ordinationen erwünscht ist.
Wünschen Sie sich die Möglichkeit, Medikamente zu dispensieren? Diese Frage bejahten mit 61 Prozent fast zwei Drittel von 1021 Wiener Kassen- und Wahlärzt:innen in einer Online-Befragung, die nun präsentiert worden ist. Vor allem junge Ärzt:innen, Allgemeinmediziner:innen und Kassenärzt:innen wünschten sich, Medikamente in der Ordination an Patient:innen abgeben zu können.
Die Befragung, von der Peter Hajek Public Opinion Strategies GmbH im Auftrag der Kammer für Ärzt:innen in Wien (ÄKW) durchgeführt, zeigte auch: Käme das freiwillige Dispensierrecht für Ärzt:innen in Wien, wären etliche von ihnen sogar dazu bereit, das zu tun, „was sich die Politik von uns Ärzt:innen wünscht“, wie die ÄKW-Vizepräsidentin, Obfrau der Kurie niedergelassene Ärzte und Ärztin Naghme Kamaleayn-Schmid bei der Präsentation der Umfrageergebnisse in einem Pressegespräch sagte. „Wir würden wie gewünscht Randzeiten abdecken, die Öffnungszeiten erweitern, und für einige der Wahlärzt:innen wäre die Medikamentenabgabe sogar eine Motivation, ins Kassensystem zu wechseln.“
Für die Patient:innen wäre die direkte Abgabe von großem Vorteil, hieß es ebenfalls bei dem Gespräch. Sie hätten die Medikamente sofort zur Verfügung und müssten nach dem Arztbesuch nicht noch krank in die Apotheke. Die Patient:innenwünschen sich ihrerseits auch, Medikamente gleich von den Ärzt:innen zu bekommen: Zumindest zwei Drittel, wie eine Hajek-Umfrage unter 1000 Wiener Patient:innen aus 2024 ergab. Das mache deutlich, wie wichtig das Dispensierrecht sei, betonten Kamaleayn-Schmid und ÄKW-Präsident Johannes Steinhart bei dem Gespräch und forderten unisono dessen Einführung. Die Befürworter:innen des Dispensierrechts unter den Ärzt:innen und selbst einige Skeptiker:innen unter den Befragten, die durch das Recht vor allem noch mehr Bürokratie befürchten und sich kaum wirtschaftliche Vorteile davon erwarten, wären dazu bereit, die Medikamentenabgabe zunächst in einem Pilotversuch zu testen.
Die Österreichische Apothekerkammer nannte die Forderung der Wiener Ärzteschaft nach dem Dispensierrecht umgehend einen „gefährlichen Irrweg, der Apotheken die Grundlage entzieht“. Wer das tue, fördere nicht die Gesundheitsversorgung, er zerstöre sie langsam, aber sicher. Außerdem würden Ärzt:innen mit Dispensierrecht oft mehr oder teurere Arzneimittel verschreiben, was Auswirkungen auf die individuelle Gesundheit der Menschen habe und eine zusätzliche finanzielle Belastung für das Gesundheitssystem bedeute. (sst/APA)