Die Therapie hämorrhoidaler Beschwerden erfolgt symptomorientiert und ist stark an den vorliegenden Schweregrad gekoppelt. Die Einstufung nach dem international gebräuchlichen Goligher-Schema basiert primär auf dem Ausmaß des Prolaps (siehe Tab.). Generell gilt, dass Hämorrhoiden aufgrund ihrer Lage im nichtsensiblen Bereich des Rektums keine Schmerzen verursachen. Treten Schmerzen auf, deutet dies meist auf Komplikationen wie eine Analfissur, eine Thrombose oder eine Inkarzeration hin. Das häufigste Symptom über alle Grade hinweg bleibt die peranale Blutung.
Da die Symptome eines Hämorrhoidalleidens oft uncharakteristisch sind, ist eine sorgfältige Differenzialdiagnostik entscheidend. Bei peranalen Blutungen müssen vor allem kolorektale Karzinome, Adenome, chronisch entzündliche Darmerkrankungen und anorektale Varizen abgegrenzt werden. Schmerzsymptome deuten meist auf andere Befunde hin, etwa Analfissuren, Thrombosen, Abszesse oder Fisteln. Auch ist nicht jeder Prolaps aus dem After ein Hämorrhoidalprolaps. Eine ärztliche Diagnose ist für eine zielgerichtete Therapie daher essenziell.
Zur proktologischen Basisdiagnostik sind laut S3-Leitlinie ausschließlich klinische Untersuchungen erforderlich. In der Apotheke können im Rahmen einer gezielten Anamnese dennoch wichtige Informationen erhoben werden. Relevante Fragen betreffen das Auftreten von hellrotem Blut beim oder nach dem Stuhlgang, das Hervortreten von Schwellungen beim Pressen und ob diese manuell zurückgeschoben werden müssen sowie Begleitsymptome wie Juckreiz, Brennen oder ein Gefühl der unvollständigen Entleerung. Schmerzen deuten auf Komplikationen hin und sollten zur ärztlichen Konsultation führen. Ergänzend sind Stuhlfrequenz und -konsistenz sowie Ernährungs- und Trinkgewohnheiten relevant.
Die Basistherapie ist für alle Grade indiziert und stützt sich auf eine ballaststoffreiche Ernährung, ausreichende Flüssigkeitszufuhr und eine Korrektur des Defäkationsverhaltens. Bei niedriggradigem Hämorrhoidalleiden stehen drei interventionelle Verfahren zur Verfügung. Die Sklerosierung mit Polidocanol ist bei Grad I und II indiziert und fixiert das Gewebe durch paravasale oder submuköse Injektion. Die Gummibandligatur gilt als Therapie der Wahl bei Grad II, kann aber auch bei Grad I und III eingesetzt werden und erzielt bessere Erfolgsraten als die Sklerosierung. Die Infrarotkoagulation eignet sich ebenfalls bei Grad I und II und wird insbesondere zur Behandlung von Blutungen eingesetzt.
Lokale Präparate dienen ausschließlich der symptomatischen Linderung akuter Begleitbeschwerden, stellen jedoch keine kausale Therapie dar und bieten keinen Schutz vor Rezidiven. Lokalanästhetika wie Lidocain lindern Schmerzen und Juckreiz, kortikosteroidhaltige Präparate wie Hydrocortison wirken antiphlogistisch. Beide sind als Salben, Cremes, Suppositorien oder Analtampons verfügbar und sollten auf eine kurzfristige Anwendung beschränkt bleiben. Als phytotherapeutische Alternativen stehen Präparate mit Rosskastaniensamenextrakt, Kamillenblüten oder Süßmandelöl zur Verfügung, die zur Symptomlinderung und schonenden Pflege der Analregion eingesetzt werden können. Oral eingesetzte Flavonoide wie Diosmin und Hesperidin steigern die Kapillarresistenz, reduzieren Ödeme und können laut klinischen Studien Blutungen, Sekretion und Juckreiz signifikant verbessern. Darüber hinaus senken sie das Risiko für Symptomrezidive um etwa 47 %. Bei persistierenden, rezidivierenden oder progredienten Beschwerden trotz Therapie ist eine ärztliche Konsultation indiziert.
Neben Flavonoiden als Phlebotonika empfiehlt die aktuelle Leitlinie vor allem Lebensstilmaßnahmen zur Rezidivprophylaxe. Die Einnahme von Quellstoffen wie Flohsamenschalen gilt als wichtigste Grundlage, da sie die Symptomatik nachweislich verbessert und das Risiko für erneute Blutungsereignisse signifikant reduziert. Wichtig ist dabei der Hinweis auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr, da Quellstoffe sonst ihre Wirkung nicht entfalten können und die Obstipation verstärken. Ergänzend sollten Betroffene starkes Pressen und lange Toilettensitzungen konsequent vermeiden.