Hitze ist Stresstest für das Gesundheitssystem  

© Tanzer

Wir erleben gerade Temperaturrekorde und wiederholte Hitzewarnungen. Und wir tun überrascht, wenn Notaufnahmen voller werden und Gesundheitseinrichtungen an ihre Grenzen stoßen.

Für viele Menschen bedeutet die aktuelle Hitze keine Unannehmlichkeit, sondern ein ernstes Gesundheitsrisiko. Und gerade dort, wo diese Menschen geschützt werden sollten – in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen –, zeigt sich, wie schlecht wir auf die neue Realität vorbereitet sind. Die aktuelle Hitzewelle macht sichtbar, was Expert:innen seit Jahren warnen: Unser Gesundheitswesen ist auf die Folgen des Klimawandels nicht ausreichend eingestellt. Viele Pflegeheime verfügen über keine ausreichenden Kühlmöglichkeiten. Krankenhausgebäude stammen aus einer Zeit, in der mehrere Tage mit über 35 Grad und tropische Nächte als Ausnahme galten. Heute werden sie zur Regel.

Besonders alarmierend ist, dass Hitze auf ein System trifft, das ohnehin am Limit arbeitet. Personalmangel, hohe Arbeitsbelastung und fehlende personelle Reserven sind längst Alltag. Steigen während einer Hitzewelle Rettungseinsätze, Hospitalisierungen und Pflegebedarf gleichzeitig an, geraten nicht nur die Beschäftigten an ihre Grenzen – auch die Versorgung wird verletzlich.

Dabei ist die Herausforderung längst bekannt. Jährlich sterben in Österreich hunderte Menschen an den Folgen extremer Hitze. Besonders betroffen sind ältere Menschen, chronisch Kranke und pflegebedürftige Personen – genau jene Menschen, die sich in unserer Obhut befinden. Trotzdem fehlt vielerorts eine konsequente Strategie zur Hitzeanpassung. Noch immer wird über Klimaanlagen diskutiert, anstatt sie als Teil einer kritischen Gesundheitsinfrastruktur zu verstehen. Noch immer fehlen verbindliche Hitzepläne, klare Zuständigkeiten und ausreichend geschultes Personal.

Resilienz bedeutet nicht, dass Gesundheitskräfte auch diese Krise irgendwie bewältigen werden. Resilienz bedeutet, Systeme so zu gestalten, dass sie auch unter Belastung funktionieren. Davon sind wir derzeit weit entfernt. Viel zu oft verlassen wir uns darauf, dass Beschäftigte zusätzliche Dienste übernehmen, Angehörige einspringen oder improvisierte Lösungen gefunden werden. Das mag einmal funktionieren – ein zukunftsfähiges System ist es nicht. (rüm)