Diese große randomisierte prospektive RADICAL-PC2-Studie untersuchte, ob eine gezielte kardiologische Betreuung mit Anpassung des Lebensstils und medikamentöser Therapie das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Männern mit neu diagnostiziertem Prostatakarzinom oder bevorstehendem/kürzlichem Beginn einer Androgendeprivationstherapie senken kann.
Hintergrund hierbei ist, dass Prostatakrebs-Patienten (insbesondere unter Hormonentzugstherapie) ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkte oder Schlaganfälle aufweisen. In der Studie erhielten 2.487 Männer mit Prostatakarzinom (mittleres Alter 68 Jahre, keine bisherige koronare oder Gefäßerkrankung) entweder eine Standardversorgung mit Zuweisung nur bei Bedarf oder eine strukturierte Betreuung durch Kardiolog:innen/Internist:innen mit konsequenter Behandlung vorliegender kardiovaskulärer Risikofaktoren. Etwa 31 % erhielten eine Hormonentzugstherapie, hauptsächlich mit Gonadotropin-Releasing-Hormon-Agonisten.
Insbesondere Patienten mit Diabetes, oder unzureichend eingestelltem Blutdruck > 130/80 mmHg, oder erhöhten Cholesterinwerten zeigten Hinweise auf ein besseres Outcome. Insgesamt wurde vor allem die Lipidkontrolle verbessert. Eine signifikante Reduktion harter kardiovaskulärer Ereignisse wurde über den Follow-up-Zeitraum von 5,8 Jahren jedoch nicht erreicht. Als limitierender Faktor ist dabei das eher niedrige Basisrisiko der untersuchten Kohorte zu berücksichtigen.
Bedeutung für die Praxis: Kardiale Risikopatienten, insbesondere mit Diabetes und unzureichend kontrollierten kardiovaskulären Risikofaktoren, sollten gezielt in ein kardio-onkologisches Betreuungskonzept eingebunden werden.