© new africa – stock.adobe.com Die Arbeitsgemeinschaft Institutionelle Versorgung für psychische Gesundheit fordert den Ausbau der kostenlosen Psychotherapie als Kassenleistung. Auch Ausbildungsleistungen sollen finanziert werden.
Trotz der Erweiterung des Angebots in den vergangenen Jahren gebe es weiterhin „unzumutbare Wartelisten“ für Klient:innen, kritisierten Vertreter:innen der Arbeitsgemeinschaft Institutionelle Versorgung bei einer Pressekonferenz in Wien. Die teilnehmenden Organisationen bieten Psychotherapie in Institutionen an und sind Vertragspartner der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK).
Ziel müsse es sein, deutlich mehr kostenlose Psychotherapie als Sachleistung in Institutionen anzubieten. „Vulnerable Gruppen sind auf diese kostenlose Sachleistung angewiesen“, betonte Christoph Gleirscher, Geschäftsführer des Hilfswerk Niederösterreich. Auch klinisch-psychologische Behandlung solle im institutionellen Bereich Kassenleistung werden. „Für den Ausbau des Angebotes sind eine kostendeckende Finanzierung durch die ÖGK, sowie eine eigene Behandlung in der Gesundheitsplanung für die nächsten Jahre und Jahrzehnte nötig“, hieß es. „Viele Klient:innen können sich die Psychotherapie bei niedergelassenen freien Therapeut:innen einfach nicht leisten, da der Großteil der Kosten nicht refundiert wird und die Wartezeit auf die Refundierung durch die ÖGK nicht berechenbar ist.“
Eine weitere Forderung betrifft die Nachwuchsförderung. Institutionelle Einrichtungen übernehmen laut der ARGE einen großen Teil der Ausbildung, die damit verbundenen Aufwendungen würden jedoch nicht abgegolten. Gefordert wird unter anderem, Leistungen von Psychotherapeut:innen in Lehrsupervision mit der ÖGK abrechnen zu können.
Laut Daten von 2021 haben 23,8 Prozent der österreichischen Bevölkerung eine krankheitswertige psychische Störung, erläuterte Henriette Löffler-Stastka von der MedUni Wien. Von diesen kommen 14 Prozent im medizinischen System an, sieben Prozent sind motiviert, eine Psychotherapie in Anspruch zu nehmen, so die Psychotherapieforscherin. „Von diesen sieben Prozent kommen aber nur drei Prozent tatsächlich in einer krankenkassenfinanzierten Psychotherapie an.“ Von den Fachärzt:innen und Psychotherapeut:innen sei jedoch eine „sehr große Kapazität“ vorhanden. Es brauche die Aktivierung und bessere Verteilung bestehender Kapazitäten.
Zudem gebe es nach Bundesländern Unterschiede in der Höhe der Sachleistung und ein Stadt-Land-Gefälle bei der Suche von Betroffenen nach Psychotherapeuten. Diese seien am Land schwieriger zu finden, berichtete Hedwig Wölfl von der Kinderschutzorganisation Die Möwe Österreich. Manuela Fritz-Hauser von der Organisation Frauen für Frauen verwies zudem auf fehlende „Systembrücken“ zwischen Psychotherapie und weiteren Unterstützungsangeboten. Neben der Behandlung müssten auch die Lebensrealitäten der Betroffenen stärker berücksichtigt werden. (tab)