© New Africa – stock.adobe.com Mit dem ersten ordentlichen Masterstudium erhält die Psychotherapie ab Oktober einen eigenen Platz in universitärer Lehre und Forschung. Damit wird ein zentraler Teil der mit dem Psychotherapiegesetz 2024 neu geregelten Ausbildung Realität.
Die neue Ausbildung umfasst drei aufeinander aufbauende Abschnitte: Nach einem einschlägigen ersten Abschnitt folgt das Masterstudium Psychotherapie mit mindestens 120 ECTS. Daran schließt die mehrjährige postgraduale psychotherapeutische Fachausbildung an. Mit dem Wintersemester 2026/27 stehen österreichweit 500 Studienplätze an öffentlichen Universitäten zur Verfügung.
„Mit dem neuen Masterstudium Psychotherapie holen wir einen Teil der Ausbildung dorthin, wo sie hingehört: an die öffentlichen Universitäten. Das ist ein wichtiger Schritt für mehr Qualität, für mehr Chancengerechtigkeit und für die psychische Gesundheitsversorgung in Österreich. Denn eine hochwertige Ausbildung darf nicht vom Geldbörserl abhängen“, betont Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner (SPÖ).
Für die Universitäten war der Aufbau des neuen Studiums mit umfangreichen Vorbereitungen verbunden. Curricula, Aufnahmeverfahren, Lehrangebote und neue organisatorische Strukturen mussten innerhalb kurzer Zeit entwickelt und umgesetzt werden. Das neue Studium verbindet Grundlagen aus Psychotherapie, Psychologie und Medizin mit spezifisch psychotherapeutischen Konzepten und praxisnaher Ausbildung – von therapeutischen Gesprächstechniken bis zu Praktika in psychiatrischen und psychosomatischen Einrichtungen. „Damit schaffen wir einen neuen universitären Ausbildungsweg, der Wissenschaft und Praxis eng miteinander verbindet“, erklärt Christa Schnabl, Vizerektorin für Studium und Lehre an der Universität Wien.
Für den Österreichischen Bundesverband für Psychotherapie (ÖBVP) bedeutet die Akademisierung keinen Neubeginn, sondern eine Weiterentwicklung. „Was hier gelingt, ist weit mehr als die Reform eines Ausbildungsweges. Wir schaffen gemeinsam die Grundlage dafür, dass Psychotherapie auch für kommende Generationen ein wissenschaftlich fundierter, qualitativ hochwertiger und gleichzeitig praxisnaher Gesundheitsberuf bleibt“, betont ÖBVP-Präsidentin Barbara Haid.
Eine zentrale Rolle sollen künftig die Psychotherapeutischen Fachgesellschaften übernehmen, die den dritten, postgradualen Ausbildungsabschnitt tragen. Für diesen gelte es nun, die Voraussetzungen zu schaffen, betont Haid. Dazu gehören ausreichend Fachausbildungsplätze und Beschäftigungsverhältnisse für Psychotherapeut:innen in Fachausbildung unter Lehrsupervision sowie die notwendigen sozialversicherungs- und krankenanstaltenrechtlichen Rahmenbedingungen. „Wer morgen ausreichend Psychotherapie anbieten will, muss heute in Ausbildung investieren. Ausbildungspolitik ist deshalb immer auch Versorgungspolitik. Der Start des Masterstudiums ist ein Meilenstein – aber kein Schlusspunkt“, betont Haid. (tab)