Wie genau misst die Apple Watch den Puls?

Apple bescheinigt seiner neuen Apple Watch Series 12 und Apple Watch Ultra 4 eine besonders hohe Genauigkeit bei der Herzfrequenzmessung. Grundlage ist eine im September 2026 veröffentlichte Vergleichsstudie mit mehr als 1.400 Erwachsenen. Die Ergebnisse sind für die Praxis durchaus interessant – sollten aber mit entsprechender Distanz gelesen werden: Die Studie wurde von Apple finanziert und in wesentlichen Teilen selbst durchgeführt.

Vergleich mit sechs anderen Wearables

Untersucht wurden neben der Apple Watch unter anderem die Garmin Forerunner 970, Google Pixel Watch 4, Huawei Watch 5, Samsung Galaxy Watch 8, WHOOP 5 und Oura Ring 5. Als Referenz diente ein Polar-H10-Brustgurt mit EKG-basierter Herzfrequenzerfassung.

Die Teilnehmenden absolvierten verschiedene Belastungen und Alltagssituationen, darunter Laufen, Radfahren, Intervall- und Krafttraining sowie Gehen, Sitzen und Ruhephasen. Von 1.460 eingeschlossenen Personen konnten bei 1.254 zumindest einzelne Messungen ausgewertet werden.

Apple sieht die eigene Uhr meist vorne

Wie Apple berichtet, lag die Herzfrequenzmessung der Apple Watch in den meisten Vergleichen näher an der Referenzmessung als jene der Konkurrenzprodukte. Das galt sowohl bei sportlicher Belastung als auch im Alltag.

Besonders bei Laufen, Intervalltraining, Krafttraining und Radfahren schnitt die Apple Watch laut Hersteller meist besser ab. Auch in Alltagssituationen zeigte sich ein ähnliches Bild.

Eine kleine Ausnahme gab es in Ruhe: Hier war die Google Pixel Watch 4 bei einzelnen Auswertungen geringfügig genauer. Der Unterschied lag laut Apple allerdings bei weniger als einem halben Herzschlag pro Minute.

Über alle untersuchten Situationen hinweg berichtet Apple von 159 Einzelvergleichen. In 139 davon war die Apple Watch statistisch genauer, in 18 Fällen ließ sich kein eindeutiger Unterschied feststellen. In zwei Vergleichen war ein Konkurrenzgerät genauer.

Aussagekraft mit Einschränkungen

So eindeutig diese Zahlen auf den ersten Blick wirken, so wichtig ist die Einordnung. Die Untersuchung wurde von Apple finanziert und in wesentlichen Teilen auch vom Unternehmen selbst geplant, durchgeführt und ausgewertet. Eine unabhängige Replikation oder eine externe Peer-Review-Publikation ist aus dem Whitepaper nicht ersichtlich.

Auch die technischen Bedingungen waren nicht für alle Geräte vollkommen identisch. Die Daten der unterschiedlichen Wearables mussten teilweise auf verschiedene Weise ausgelesen und verarbeitet werden. Apple beschreibt diese Unterschiede im Whitepaper, dennoch schränkt das die direkte Vergleichbarkeit ein.

Keine Aussage über klinische Diagnostik

Für Ärztinnen und Ärzte besonders relevant: Die Studie untersucht in erster Linie die Genauigkeit der Herzfrequenzmessung, nicht die diagnostische Leistung der Geräte.

Aus den Daten lässt sich daher nicht ableiten, wie zuverlässig die Apple Watch etwa bei Herzrhythmusstörungen oder anderen kardialen Erkrankungen arbeitet. Zudem wurden bestimmte Patientengruppen, etwa Personen mit instabilen Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder bestimmten Medikamenten, ausgeschlossen.

Fazit

Wie Apple berichtet, erreicht die aktuelle Apple Watch unter den getesteten Bedingungen eine hohe Genauigkeit bei der Herzfrequenzmessung und schneidet häufig besser ab als mehrere etablierte Konkurrenzprodukte.

Für den klinischen Alltag sind die Ergebnisse interessant, aber nicht überzubewerten. Es handelt sich in erster Linie um eine herstellerseitige technische Validierung. Ob die gemessenen Unterschiede tatsächlich klinisch relevant sind und sich auch bei kardiologisch erkrankten Patientinnen und Patienten bestätigen, müssen unabhängige Studien zeigen.

Link zur Originalstudie: https://www.apple.com/health/pdf/Heart_Rate_Accuracy_Study_2026.pdf