Genexpressionsprofil beim Melanom: Wer könnte auf die Sentinelbiopsie verzichten?

Das 31-Genexpressionsprofil (31-GEP) könnte helfen, das Risiko einer Sentinelmetastasierung und eines späteren Rezidivs beim Melanom genauer einzuschätzen. Brian Martin präsentierte Ergebnisse der prospektiven, multizentrischen CONNECTION-Studie mit 2.799 Patient:innen. Untersucht wurde unter anderem der Verlauf bei Patient:innen mit niedrigem vorhergesagtem Sentinelrisiko, bei denen auf eine Sentinel-Lymphknotenbiopsie verzichtet wurde.

Der eingesetzte Test analysiert mittels quantitativer RT-PCR die Expression von 28 prognostischen Genen und drei Kontrollgenen im Primärtumor. Der integrierte Algorithmus i31-SLNB kombiniert den Genexpressionsscore mit Breslow-Dicke, Ulzeration, Alter und Mitoserate, um die Wahrscheinlichkeit eines positiven Sentinel-Lymphknotens abzuschätzen. Die Entwicklung und Validierung dieses Ansatzes wurden von Whitman et al. publiziert.1

In der CONNECTION-Auswertung betrug die beobachtete Sentinelpositivität bei den biopsierten Patient:innen mit einem vorhergesagten Risiko < 5 % insgesamt 4,4 %. Bei einem vorhergesagten Risiko > 10 % lag sie bei 22,8 %. In der Untergruppe mit T1a–T2a-Melanomen betrugen die entsprechenden Raten 3,9 % und 15,8 %. Besonders relevant waren die Ergebnisse bei 525 Patient:innen, für die eine Sentinelbiopsie grundsätzlich infrage kam, deren vorhergesagtes Risiko jedoch < 5 % lag und bei denen auf den Eingriff verzichtet wurde. Das geschätzte 5-Jahres-rezidivfreie Überleben betrug 99,6 %. Zu diesem Zeitpunkt waren noch 86 Patient:innen in der Risikotabelle erfasst. Auch das Rezidiv- und Fernmetastasierungsrisiko unterschied sich zwischen den molekularen Risikoklassen. Der Genexpressionsscore blieb in der multivariablen Analyse mit dem Rezidivrisiko assoziiert.

Fazit für die Praxis: Die Ergebnisse liefern weitere Daten zur molekularen Risikostratifizierung. Sie belegen jedoch nicht, dass ein testgestützter Verzicht auf die Sentinelbiopsie einer etablierten Stagingatrategie gleichwertig ist. Die Untersuchung war nicht randomisiert und umfasste überwiegend dünne Melanome bei einer medianen Breslow-Dicke von 0,5 mm. Der vor diesen Kongressdaten veröffentlichte Konsens der Society of Surgical Oncology empfiehlt GEP-Tests nicht zur routinemäßigen Auswahl für die Sentinelbiopsie oder zur Festlegung der Nachsorge.2