AmberMed – medizinische Versorgung ohne eCard

Das Projekt „AmberMed“ des Diakonie-Flüchtlingsdienstes und des Roten Kreuzes zeigte dabei eine wegweisende Nutzung telemedizinischer Konsultationen von unversicherten PatientInnen auf. Wichtigste Änderung in der Projektroutine mit Beginn der Pandemie wurde, wie auch in den hausärztlichen Ordinationen, die Implementierung einer Infekt-Ordination, die sich um die Behandlung diverser und unspezifischer Infekte, angefangen von Grippe und Angina bis hin zu Lungenentzündung und COVID-19-Verdachtsfällen, kümmerte. Ebenso wurde die Termin-Ordination und im Herbst 2020 ein eigener COVID-19-Testcontainer etabliert und das telemedizinische Angebot erweitert. Die Erweiterung des digitalen Angebotes führte laut Carina Spak, Einrichtungsleiterin von AmberMed, zu einer verbesserten Erreichbarkeit benachteiligter Personen1 und soll auch nach der Pandemie weiter in das Service von AmberMed integriert bleiben. Die Verleihung des Awards steht in diesem Zusammenhang auch für einen „proof of concept“: telemedizinische Lösungen sind nicht nur wenigen auserwählten, technik-affinen PatientInnen zugänglich, sondern können auch für jene verwendet werden, die keinen niederschwelligen Zugang zum Gesundheitssystem haben.

Betreuung auch per Videocall

Neben den ehrenamtlich tätigen AllgemeinmedizinerInnen sorgen auch Fachärztinnen und Fachärzte sowie PhysiotherapeutInnen für eine engmaschige Betreuung vulnerabler Gruppen der Gesellschaft. Sowohl via Telefon als auch via Videokonsultation konnte und kann rasch und unbürokratisch Hilfe geleistet werden.

Betreuung von Frauengesundheitsgruppen und jugendlichen AsylwerberInnen

AmberMed betreut zusätzlich auch Nebenprojekte wie Frauengesundheitsgruppen in Fragen der Schwangerschaft, Geburt, Stillzeit und Ernährung. Dieses Angebot wird durch einen Hebammendienst abgerundet, der in die Ordinationen der teilnehmenden Gynäkologinnen und Gynäkologen kommt.

Zudem leistet Jugend&Amber einen wichtigen Beitrag bei der engmaschigen Versorgung jugendlicher AsylwerberInnen. Themen wie psychische Gesundheit, konfliktlose Kommunikation oder Identitätsfindung stehen im Mittelpunkt der Betreuung. Für dieses Engagement wurde AmberMed bereits 2011 mit dem Bank Austria-Förderpreis „Best Start 2011“ ausgezeichnet sowie 2017 mit dem MigAward. Der Austrian Health Leadership Award setzt somit eine langjährige Entwicklung fort.

Dass ein derartiges Projekt so lange überleben kann, ist vor allem der Freiwilligkeit der teilnehmenden Ärztinnen und Ärzte zu verdanken. Denn auch wenn das Projekt mehrfach preisgekrönt wurde und Heilbehelfe wie Gehhilfen, orthopädische Einlagen oder Brillen gratis zur Verfügung gestellt werden, ist die finanzielle Sicherung auf die Unterstützung aus öffentlicher Hand angewiesen. Diese deckt etwa 50 % der Kosten. Die verbleibenden 50 % der Gelder müssen durch Spenden von Firmen, Privatpersonen oder Sponsoren aufgebracht werden.
Auch wenn das österreichische Sozialsystem sehr gut aufgestellt ist, kann es immer wieder vorkommen, dass einzelne Personen im Bedarfsfall nicht aufgefangen werden. Die Betroffenen kommen aus den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Bereichen. Von jungen Studierenden, Menschen nach einer Scheidung bis hin zu MigrantInnen profitieren viele vom AmberMed-Angebot, sie können ohne das „Behandlungseintrittsticket“ eCard versorgt werden.

Versorgung von 3.500 unversicherten Personen

Die Tatsache, dass sich die Zahl der Hilfesuchenden von 370 Personen im Jahr 2004 auf 3.500 im Jahr 2016 vervielfacht hat, gibt Ausblick auf die Zukunft und die Wichtigkeit solcher Projekte, insbesondere da hier noch nicht die kommenden Jahre in Betracht gezogen werden können, die nach der jetzigen Krise noch mehr Menschen stranden lassen werden. In diesem Zusammenhang fokussiert das Projekt auch auf die Nachhaltigkeit seiner Tätigkeit. Es hilft bei der Wiedererlangung einer verlorenen Krankenversicherung oder unterstützt durch Sozialberatung bei der Planung weiterer Schritte, um wieder in ein geregeltes Leben treten zu können.

Ehrenamtliche MitarbeiterInnen dringend gesucht
AllgemeinmedizinerInnen, Gynäkologinnen und Gynäkologen, Augenärztinnen und Augenärzte, DolmetscherInnen in den Sprachen Rumänisch, Bulgarisch, Russisch, Bosnisch/Serbisch/Kroatisch und Chinesisch.
Tel.: 01 589 00 850,
E-Mail

Quelle:
AutorIn: Florian O. Stummer, MPH, MBA, MCHL

Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Kompetenzzentrum für Allgemein- und Familienmedizin der Karl Landsteiner Privatuniversität


AEK 05|2021

Herausgeber: Ärztekrone VerlagsgesmbH
Publikationsdatum: 2021-03-09