Gastroenterologie

Endoskopische Vorsorgemedizin

Endoskopische Verfahren sind fest etablierte Bestandteile des fächerübergreifenden gastrointestinalen Managements unterschiedlicher Entitäten, sowohl im prä- als auch im klinischen Alltag. Hierzu zählen neben der Vorsorgekoloskopie mit Polypektomie sowie der Routinegastroskopie mit Biopsieentnahme aus Duodenum, Magen und Speiseröhre die im Kasten aufgelisteten Verfahren.

Prävention des Kolorektalkarzinoms

Während eine Magenspiegelung nur bei entsprechender Symptomatik oder zur Abklärung von Anämie indiziert ist, wird die Darmspiegelung in regelmäßigen Abständen empfohlen. Die Vorsorgeuntersuchung ist somit auch die häufigste Zuweisung zur Koloskopie, die als standardisiertes Verfahren eine sichere und aussagekräftige Untersuchung darstellt.
Ziel der Vorsorgekoloskopie ist es, die Rate an Kolorektalkarzinomen (CRC) zu senken, die bei Männern die dritt- und bei Frauen die zweithäufigste Krebsart darstellen. Das empfohlene Alter für die erste Vorsorgekoloskopie liegt bei 50 Jahren, wobei es Anhaltspunkte dafür gibt, dass eine Vorsorgekoloskopie in früheren Jahren bereits als sinnvoll erachtet werden kann. So weisen Männer ab dem 45. Lebensjahr gleich oft Adenome (Krebsvorstufen) wie Frauen ab dem 55. Lebensjahr auf.
Eine weitere Ausnahme das Alter betreffend sind Angehörige ersten Grades von Darmkrebspatient:innen. Bei dieser Personengruppe sollte das Alter bei der ersten Vorsorgekoloskopie 10 Jahre vor dem Erkrankungsalter des Angehörigen liegen.
Abgeschlossen ist die Vorsorge mit dem 75. Lebensjahr, vorausgesetzt, es findet sich in der Anamnese der Patient:innen zumindest eine unauffällige Koloskopie. Das empfohlene Intervall für die Vorsorgekoloskopie liegt bei 10 Jahren, es kann aber entsprechend der erhobenen Befunde vom Untersucher verkürzt werden.
Die Endoskopie (Magen- und Darmspiegelung) ist eine sehr sichere und aussagekräftige Untersuchung. Das Risiko einer Verletzung während der Untersuchung liegt bei weit unter 1 %. Zeitgleich liegt die Wahrscheinlichkeit, dass eine vorhandene mögliche Krebsvorstufe auch entdeckt wird, bei deutlich über 90 %. Laut einer deutschen Studie finden sich bei etwa 429 von 1.000 untersuchten Männern Polypen und Adenome im Darm.

Stellenwert der Endoskopie in der Diagnostik, Prävention und Therapie

Wie wichtig die Darmkrebsvorsorge ab dem 50. Lebensjahr ist, sei anhand einiger Zahlen nochmals dargelegt. Bei 114 von 1.000 Patient:innen werden Krebsvorstufen (Adenome) entdeckt. Zeitgleich wissen wir, dass die Koloskopie eine sehr zuverlässige (Detektionsrate bei 97 %) und sehr sichere (Komplikationsrate < 0,3 %) Untersuchung ist. Die Wirksamkeit lässt sich durch eine Langzeitstudie aus den USA mit einer Nachbeobachtungszeit von bis zu 23 Jahren belegen. Diese ergab eine Senkung der Sterblichkeit an Darmkrebs um 53 % bei Personen, die eine Darmspiegelung mit Entfernung von Darmpolypen durchführen ließen.

„Durch gezielte Sedierung und Schmerztherapie sind endoskopische Untersuchungen für die Patient:innen völlig problemlos geworden. Tatsächlich verschlafen die meisten Patient:innen ihre Untersuchung.“

Adenom-Karzinom-Sequenz

Der Weg vom Adenom zum Karzinom wird in der Adenom-Karzinom-Sequenz beschrieben. Am Anfang steht eine Inaktivierung des APC-Tumorsuppressorgens, gefolgt von einer Mutation des K-RAS-Protoonkogens. In weiterer Folge kommt es zu weiteren Inaktivierungen (DCC- und p53-Tumorsuppressorgene) und somit zur Bildung eines invasiven Karzinoms.
Polypen (entzündlich oder hyperplastisch) sind im Gegensatz zu Adenomen meist ungefährlich. Mit der Größe des Adenoms nimmt auch die Gefahr zu, dass sich ein CRC aus besagtem Adenom entwickelt. Dies geschieht über einen relativ langen Zeitraum (10 Jahre). So ist das Risiko, dass ein Adenom entartet, bei einer Größe von 1 cm bei etwa 5 % eher gering. Bei einem Adenom mit 4 cm Größe liegt das Entartungsrisiko aber bei bereits 75 %. Ein weiteres Merkmal ist die Form des Adenoms. Villöse Adenome entarten mit einem deutlich höheren Risiko (30 %) als tubuläre (5–10 %) oder deren Mischform (tubulovillös).
Familiäre Häufungen treten in etwa ⅓ der Fälle auf, während familiäre Syndrome etwa 5 % der CRC ausmachen. Bei dieser Patient:innengruppe ist die genetische Beratung obligat.

Praxismemo

  1. Jede plötzliche Veränderung der Stuhlgewohnheiten ab dem 40. Lebensjahr ist verdächtig und sollte abgeklärt werden.
  2. Die Vorsorge-Koloskopie wird für Personen von 50 bis 75 Jahren empfohlen. Danach übersteigt das Komplikationsrisiko den Benefit.
  3. Die Koloskopie – sanfte Endoskopie – wird gut vertragen und hilft effektiv, schweren Erkrankungen vorzubeugen.