Früher erkennen, besser behandeln

Ein erheblicher Anteil der erwachsenen Bevölkerung zeigt COPD-relevante Veränderungen, viele davon unbemerkt. Die LEAD-Studie liefert damit einen deutlichen Weckruf: Besonders bedeutsam ist der Hinweis, dass bereits vor dem 40. Lebensjahr eine messbare COPD-Prävalenz besteht. Gleichzeitig weisen viele Jugendliche eine Lungenfunktion unterhalb des Normalwerts auf. Diese Daten machen klar: COPD beginnt früher, als viele annehmen, und wir müssen Diagnostik und Prävention neu denken.
Ein wesentlicher Punkt ist die Sensibilisierung des Gesundheitssystems. COPD muss als Erkrankung verstanden werden, die nicht erst bei langjährigen Raucher:innen auftritt, sondern deren Verlauf durch frühe Faktoren wie Luftverschmutzung, Nikotinexposition im Elternhaus, häufige Infekte oder Asthma beeinflusst wird.

Die unterschätzte Dunkelziffer bei Frauen

COPD bei Frauen bleibt weiterhin deutlich unterdiagnostiziert. Zu oft werden Symptome wie Atemnot oder chronischer Husten als stressbedingt oder psychosomatisch bewertet. Frauen präsentieren sich häufiger mit unspezifischen Beschwerden, und trotz gleicher Risikofaktoren erfolgt die Diagnostik später. Auch historische Verzerrungen in Studien und Referenzwerten tragen dazu bei, dass Beschwerden zu lange unerkannt bleiben. Die Folgen sind ein späterer Behandlungsbeginn, häufigere Exazerbationen und eine höhere Krankheitslast. Hinzu kommt, dass Frauen biologisch sensitiver auf Schadstoffe und Tabakrauch reagieren. Bereits geringere Expositionen führen zu stärkeren strukturellen Veränderungen der Atemwege. Eine genderspezifische Betrachtung von Diagnostik, Therapie und Prävention ist daher dringend notwendig.

GOLD 2026: Diagnostik breiter, präziser, früher

Neue GOLD-2026-Empfehlungen fordern eine präzisere Diagnostik bis hin zum Einsatz moderner Therapien wie Biologika. Die Spirometrie bleibt der diagnostische Eckstein, reicht jedoch oft nicht aus, um Krankheitsausmaß und Phänotyp korrekt abzubilden. GOLD 2026 betont daher eine multimodale Vorgehensweise. Dazu gehört auch der gezielte Einsatz der Computertomografie. Die CT ermöglicht eine exakte Darstellung von Emphysem, Air-Trapping und Bronchiolenveränderungen und erleichtert auch oft die Differenzialdiagnose. Dieser strukturierte Ansatz führt weg vom rein spirometrischen Denken hin zu einer individualisierten Diagnostik. Ergänzend gewinnen Biomarker, digitale Monitoring-Tools und die regelmäßige Evaluierung von Symptomen an Bedeutung, um Therapieentscheidungen dynamisch anzupassen.

Moderne Therapieoptionen: mehr als Inhalativa

Das aktuelle GOLD-Therapiekonzept rückt personalisierte Behandlungswege in den Vordergrund. Die duale Bronchodilatation bleibt Basis ab GOLD B, während inhalative Steroide nur bei klarer Indikation eingesetzt werden sollen. Dies sind die Exazerbationsrate, vor allem bei moderaten und schweren Exazerbationen, sowie die Eosinophilenzahl. Dieser Biomarker ist in den letzten Jahren immer mehr in den Mittelpunkt der Phänotypisierung von Patient:innen mit COPD gerückt. Bei erhöhten Werten ab 300 kommt die Triple-Therapie ins Spiel. Sollte die COPD weiterhin nicht kontrolliert sein, kommt ein wesentlicher Fortschritt, nämlich die Möglichkeit, Biologika in Betracht zu ziehen, zum Zug. Dies eröffnet neue Chancen für Patient:innen, die mit konventioneller Therapie nicht ausreichend stabilisiert werden können. Ergänzend bleiben immer und unbedingt Rehabilitation, Rauchstopp, Bewegung und Impfungen als unverzichtbare Säulen.

Vorsorge: Lungenfunktion muss Standard werden

Trotz klarer Risikofaktoren wird COPD in Österreich noch immer zu spät erkannt. Eine bundesweite Integration der kleinen Lungenfunktion in die Vorsorgeuntersuchung wäre ein entscheidender Schritt. Diese Maßnahme ist niedrigschwellig, kostengünstig und würde gerade Frauen und Risikogruppen früher identifizieren. Auch sollte bei Patient:innen über 35 Jahre mit Husten, Dyspnoe oder respiratorischen Infekten deutlich früher spirometrisch getestet werden. Hausärzt:innen und Kinderärzt:innen benötigen mehr Bewusstsein für frühe Warnzeichen.

COPD beginnt oft im Kindesalter: Prävention neu definieren

Die Daten der LEAD-Studie verdeutlichen aber auch, dass Lungenfunktionsdefizite im Kindes- und Jugendalter langfristige Folgen haben. Internationale Studien zeigen, dass eine unterentwickelte Lunge das Risiko für COPD im Erwachsenenalter erhöht und sogar mit erhöhter Sterblichkeit verbunden ist. Daher gewinnt eine einfache, aber wirkungsvolle Maßnahme an Bedeutung: Lungenfunktionstests bereits im Rahmen der Schuleinschreibung. Kinder ab 6 Jahren können in wenigen Minuten zuverlässig getestet werden. Damit lassen sich Risikokinder früh identifizieren, Aufklärung starten und langfristige Schäden verhindern.

Praxismemo

  1. Spirometrie möglichst früher Einsatz – bei Kindern, Jugendlichen, in der Vorsorge und bei respiratorischen Symptomen.
  2. Eosinophile bestimmen, um Indikationen für inhalative Kortikosteroide und Biologika gezielt zu steuern.
  3. Prävention aktiv ansprechen und auf die Bedeutung von Rauchstopp, Impfungen, Bewegung und Rehabilitation hinweisen.