Gesunde Chancen von Anfang an

Adipositas ist eine komplexe, chronische Erkrankung, die nicht nur mit funktionellen Einschränkungen, erheblichen Gesundheitsrisiken und Folgeerkrankungen einhergeht, sondern auch mit sozialer Stigmatisierung und sogar mit gesundheitlicher Benachteiligung (Weight Bias).2 Der diesjährige Welt-Adipositas-Tag am 4. März 2026 widmete sich nicht nur dem Kampf gegen die soziale Ausgrenzung von Betroffenen, sondern im Speziellen Kindern, denn gerade die Zahl an Adipositaserkrankungen im Kindesalter steigt rapide an: Während im Jahr 1975 gerade einmal 4 % der Kinder im schulpflichtigen Alter an Übergewicht und Adipositas litten, waren es im Jahr 2022 beinahe 20 %.1 Kinder stellen damit eine der wichtigsten Zielgruppen für Prävention dar – auch weil die Erkrankung oft bis ins Erwachsenenalter bestehen bleibt und dadurch das Risiko für schwere chronische Erkrankungen wie beispielsweise Diabetes oder Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems erhöht wird.1 Je früher man also ansetzt, desto besser.

Kindliche Adipositas im Kontext sozialer Ungleichheit

Die Entwicklung bezüglich des vermehrten Übergewichtes bei Kindern ist in Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen am stärksten zu beobachten.1 Dies zeigt, dass gesundheitliche Ungleichheit weiter wächst. Armut, Stigmatisierung, ungleicher Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung, begrenzte Verfügbarkeit gesunder Lebensmittel sowie ein Umfeld, das gesundes Leben nicht unterstützt, stellen Risikofaktoren für Übergewicht dar.1
Systeme müssen diesen Faktoren entgegenwirken, um den prognostizierten weiteren Anstieg von Übergewicht und Adipositas zu bremsen – global wie regional. Auch Österreich ist hier keine Ausnahme.

Konsensuspapier aus Österreich

Im Jahr 2025 publizierte die Österreichische Adipositas Gesellschaft (ÖAG) ein Update ihres Konsensuspapiers zu Übergewicht und Adipositas bei Erwachsenen.2 Darin enthalten ist unter anderem ein Handlungsleitfaden für die Betreuung von Menschen mit Übergewicht und Adipositas in Österreich.2 Dieser beruht auf dem „5A“-Modell (Ask, Assess, Advise, Agree, Assist) – einem evidenzbasierten Rahmen für verhaltenstherapeutische Interventionen.2

Im Fokus des Updates steht der respektvolle, empathische und vorurteilsfreie Umgang mit Betroffenen, denn gerade Patient:innen, die in der Vergangenheit bereits Diskriminierung aufgrund ihrer Erkrankung erfahren haben, stehen einer Auseinandersetzung mit ihrer eigenen Gewichtssituation oft ablehnend gegenüber.2 Dabei ist die Motivation für bzw. die Bereitschaft zu Verhaltensänderungen essenziell für den Therapieerfolg – der auch gleich eines der weiteren wichtigen Themen aus dem Update darstellt.2 Während von außen oft die Gewichtsabnahme als alleiniger Behandlungserfolg gesehen wird, ist diese Thematik aus wissenschaftlich-medizinischer Sicht wesentlich komplexer. Zwar ist die Gewichtsreduktion natürlich ein zentraler Punkt, der Erfolg sollte aber auch an patientenzentrierten Gesundheitsoutcomes gemessen werden – so sollten sich beispielsweise die Lebensqualität der Betroffenen verbessern und Risikofaktoren für gewichtsassoziierte Folgeerkrankungen minimiert werden.2

Wichtig ist außerdem, realistische, nachhaltige Behandlungsziele unter Einbindung der Patient:innen zu setzen.2 Auch sollte der BMI (Body-Mass-Index) nicht allein zur Beurteilung der gewichtsassoziierten Gesundheitsrisiken herangezogen werden. Stattdessen sollte eine individuelle Risikoabschätzung unter Einbezug des BMI gemeinsam mit dem Taillenumfang, dem Vorliegen von Begleiterkrankungen und anderen zusätzlichen Risikofaktoren wie z. B. Alter, Geschlecht, Rauchen etc. erfolgen.2

Gesundheit fördern auf allen Ebenen

Primärversorger:innen haben als erste Ansprechstelle zweifelsohne eine große Verantwortung im Bereich der Entstigmatisierung und der gesundheitlichen Gleichbehandlung. Gerade Akteur:innen im Gesundheitsbereich können auch auf die systemische Ebene einwirken, indem sie sich für stärkere Gesundheitspolitik einsetzen bzw. dafür, den Zugang zu gesunder Ernährung und gesundheitlicher Versorgung für alle in gleicher Weise zu ermöglichen. Doch jede:r Einzelne von uns kann auch auf persönlicher Ebene viel bewegen. Wir alle können in unserem Alltag Bewusstsein für die Erkrankung schaffen, Stigmatisierung aktiv entgegenwirken oder einfach selbst an gesundheitsfördernden Aktivitäten in unserem Umfeld teilnehmen – ganz egal, ob dies im Freundeskreis und der Familie, in der Schule, am Arbeitsplatz oder sogar online passiert.1