Grippe-Vorsichtsmaßnahmen sind die „halbe Miete“, Impfung ist wichtig!

Wie soll Ihrer Meinung nach bei der heurigen Influenza vorgegangen werden?

DDr. Peter Voitl: Die Erfahrungen unserer Mediziner-Kollegen aus Australien, wo die Grippewelle immer ein halbes Jahr vor Europa stattfindet, haben gezeigt, dass durch die Corona-Vorsichtsmaßahmen die Grippewelle dort heuer viel milder ausgefallen ist. Das heißt auch für uns: Setzen wir in Innenräumen einen Mund-Nasen-Schutz auf, halten wir Abstand zu unseren Mitmenschen, achten wir auf eine regelmäßige und gründliche Handhygiene, und vermeiden wir große Menschenansammlungen. Das wäre schon die „halbe Miete“, um die Verbreitung der Influenza einzudämmen. Und: Lassen wir uns gegen Influenza impfen!

Rechnen Sie im Herbst mit einem Influenza-Impfstoff-Engpass?

Nein, Wien hat diesbezüglich bereits im Frühjahr rechtzeitig und ausreichend mit der Beschaffung von 400.000 Impfdosen für die Grippe-Impfung vorgesorgt. Derzeit haben wir in Wien eine Grippe-Durchimpfungsrate von unter zehn Prozent. Werden alle 400.000 Impfdosen heuer verbraucht, würde das eine Verdreifachung bedeuten. Es wäre natürlich zu wünschen, dass tatsächlich so viele Wienerinnen und Wiener dieses Gratis-Service in Anspruch nehmen, ich wäre aber schon mit einer Verdoppelung der Durchimpfungsrate in Wien glücklich.

Was empfehlen Sie Ihren Ärzte-Kollegen für den Herbst?

Informieren Sie Ihre Patientinnen und Patienten über die Wichtigkeit der oben angesprochenen Vorsichtsmaßnahmen und über die große Bedeutung der Grippe-Impfung – vor allem für Ältere, Personen mit Vorerkrankungen oder Schwangere und Kinder. Nehmen Sie an der Grippe-Impfaktion selbst teil, und fordern Sie Ihre Patienten ebenso wie Ihre Angestellten auf, sich gegen die Influenza impfen zu lassen.

Werden Sie sich selbst an der Impfaktion beteiligen, und warum?

Ja, natürlich! Weil es eine wichtige Aktion für die Gesundheit der Wiener, für unsere Familien, für uns selbst und für ein gesundes Wien ist. Denn wer sich impfen lässt, schützt nicht nur sich selbst, sondern auch sein Umfeld und übernimmt damit Verantwortung für sich und die Gesellschaft.

Worauf sollte im Herbst – abgesehen von der erwähnte Grippeimpfung – besonderes Augenmerk gelegt werden?

Die Corona-Schutzmaßnahmen sollten wir alle unbedingt weiterhin einhalten. Zusätzlich sollten aber auch andere wesentliche Impfungen überprüft und gegebenenfalls nachgeholt werden, zum Beispiel gegen Pneumokokken. Auch der Lifestyle spielt hinsichtlich Ernährung, Bewegung et cetera natürlich eine große Rolle.

Wie sollen Ärzte mit möglichen Grippe- beziehungsweise Coronafälle umgehen?

Grundsätzlich sollen Patienten bei Grippe- und Corona-Symptomen immer vor einem Arztbesuch in der Ordination anrufen! Dann dürfen Patienten nur bei Zuweisung eines fixen Termins in die Ordinationen kommen. Das ist ganz wichtig, um die Ansteckungsgefahr von anderen Ordinationsbesuchern so gering wie möglich zu halten. Im Fall eines Corona-Verdachts ist in jedem Fall die Hotline 1450 anzurufen, über die eine Corona-Testung zu Hause organisiert wird. Bei Corona-Verdacht sollen Patienten auf keinen Fall etwa mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu einer Ordination oder in ein Spital fahren. Wir müssen alles gemeinsam daransetzen, die Verbreitung von Corona so gering wie möglich zu halten!

Interview mit: DDr. Peter Voitl

Impfreferent der Ärztekammer für Wien


AutorIn: Martin Rümmele

AEK 20|2020

Herausgeber: Ärztekrone VerlagsgesmbH
Publikationsdatum: 2020-10-16