Menstruationsbeschwerden: Verlorene Lebenszeit?

Das prämenstruelle Syndrom (PMS) umfasst einen Symptomenkomplex, der typischerweise zwischen dem Eisprung und dem Menstruationsbeginn quälend wird und mit dem Einsetzen der Blutung wieder vergeht. Gekennzeichnet ist das PMS von psychischen Beschwerden, die von Reizbarkeit bis zu Wut und Aggression und von anhänglicher Weinerlichkeit bis zu depressiver Verstimmung reichen. Konzentrationsstörungen, Antriebslosigkeit oder Hyperaktivität können wie auch Schlafstörungen zusätzliche Belastungen darstellen.
Auf körperlicher Ebene tauchen Unannehmlichkeiten wie Flüssigkeitsansammlung in Geweben, Blähungen, Unterbauchschmerzen, Völlegefühl, Obstipation, Kopfweh, Abgeschlagenheit und Spotting auf.
Hauptsymptom ist die Dysmenorrhö, eine schwierige und schmerzhafte Menstruation. Primäre Dysmenorrhö beginnt quasi mit der Menarche und dauert bis zur Menopause. Der Schmerzauslöser ist in diesem Fall die Menstruation selbst mit der physiologischen Prostaglandinausschüttung. Unter sekundärer Dysmenorrhö versteht man Menstruationsschmerzen, die von Erkrankungen wie Myomen, Uteruspolypen, Endometriose/Adenomyose oder auch nichthormonellen Intrauterinpessaren, die einen Entzündungsreiz sub-endometrial erzeugen, ausgelöst werden.

Anamnese zur Klärung des Krankheitsbildes

Regelbeschwerden haben zwar eine familiäre Häufung, sind aber dennoch nicht als „normal“ und „schicksalshaft“ hinzunehmen, sondern der Ausdruck einer Pathologie, die behandlungswürdig ist.
Erster Schritt ist eine genaue Anamnese zur Klärung, um welches Krankheitsbild es sich handelt:

PMS, primäre Dysmenorrhö oder sekundäre Dysmenorrhö?

Treten die Beschwerden bereits prämenstruell auf und konnte eine Endometriose/Adenomyose ausgeschlossen werden, so muss man im Sinne der US-amerikanischen Comedian Roseanne Barr – „Women complain about PMS, but I think of it as the only time of the month when I can be myself“ – an eine psychosomatische Reaktion denken.

Hilfe durch Phytotherapie, Homöopathie, TCM und Entspannungsmethoden

In der Zeit vor der Menstruation können manche Frauen ihre „Maske“ der tapferen Angepasstheit und des „Funktionierens“ nicht mehr aufrechterhalten, und Gefühle der Überforderung, des Alleingelassenseins, der verzweifelten Wut oder hilflosen Ohnmacht kommen an die Oberfläche. Der Leidensdruck, den diese schwer kontrollierbaren Emotionen erzeugen, ist häufig beträchtlich. Es lohnt sich durch kurzfristiges systemisches Coaching oder längerfristige, mehr in die Tiefe gehende Psychotherapie, diese Gefühlsausbrüche zu dechiffrieren, um sie in eine produktive Lebensveränderung umzulenken. So lösen sich diese psychischen Belastungen sehr gut auf. Viel Linderung verschafft auch die klassische Homöopathie, TCM, Shiatsu und Entspannungsmethoden. Phytotherapeutische Unterstützung geben Teemischungen aus Johanniskraut, Gänsefingerkraut, Schafgarbe und Käsepappel, zu gleichen Teilen gemischt.
Die körperlichen Beschwerden reagieren sehr gut auf Agnus-castus-Präparate (4 mg 1 – 0 – 1 oder Tropfen in Wasser tgl. über 3 Monate). Treten die Beschwerden nach einem längeren Intervall wieder auf, kann die Therapie wiederholt werden, idealerweise in Tropfenform über 6 Monate täglich eingenommen. Mönchspfeffertabletten zu 4 mg sollten 3 Monate lang 2 × 1 und danach weitere 3 Monate 1 × 1 eingenommen werden.
Ein homöopathisches Komplexmittel, zeigt besonders gute Wirkung, wenn die prä- und perimenstruellen Beschwerden von starkem Brustspannen und Brustwarzenempfindlichkeit dominiert sind. Es muss ebenfalls 3 Monate täglich eingenommen werden. Sind die Beschwerden eine Zeitlang verschwunden, wiederholt man die Einnahme, sobald sie wieder aufzutreten beginnen, allerdings nur um die Menstruation herum. Meist reicht dieses Vorgehen als Erhaltungstherapie aus.
Oft lindern die genannten Arzneimittel und Tees die Symptome auch bei primärer Dysmenorrhö. Zusätzlich sollten hochdosierte Magnesiumpräparate bereits einige Tage vor Menstruationsbeginn täglich zur Prophylaxe gegen Uteruskrämpfe eingenommen werden.

Behandlung durch NSAR-Analgetika

Eine bedeutende Säule der Schmerztherapie bilden NSAR-Analgetika – allen voran Paracetamol, Ibuprofen oder Mefenaminsäure. Diese sollten frühzeitig eingenommen werden. Denn ist der Schmerz bereits am Höhepunkt, wirken die Medikamente oft nicht mehr ausreichend. Sind Nausea und Erbrechen Teil der Symptomatik, so dass eine komplette Medikamentenresorption nicht gewährleistet werden kann, so schaffen Suppositorien Abhilfe.

Sekundäre Dysmenorrhö: kombinierte hormonelle Kontrazeptiva

Die sekundäre Dysmenorrhö muss fachärztlich abgeklärt werden. Durch Endometriose/Adenomyose verursachte Schmerzen sprechen oft gut auf hormonelle Interventionen an. Hierfür eigenen sich kombinierte hormonelle Kontrazeptiva, möglichst im Langzyklus eingenommen, und reine Gestagenpillen ebenso wie Hormon-IUD, die in kleinen Größen auch ein hervorragendes Wirkung-Nebenwirkung-Profil bei Mädchen aufweisen. Bei Adoleszenten sollte darauf geachtet werden, nicht vor dem Erreichen des Peak Bone Mass − der vollen Knochenstabilität − Kontrazeptiva zu geben, die körpereigenes Östrogen zu stark unterdrücken, da ansonsten im späteren Leben eine schlechtere Prognose für Osteoporose erzeugt wird.
Polypen und Myome, die Beschwerden machen, müssen einer operativen Sanierung zugeführt werden, was die Menstruationsbeschwerden meist umgehend behebt.

Wissenswertes für die Praxis
  • Der Begriff „prämenstruelles Syndrom“ (PMS) bezeichnet einen Symptomkomplex aus körperlichen und seelischen Beschwerden.
  • Für die medikamentöse Therapie des PMS stehen pflanzliche Präparate und NSAR-Analgetika sowie bei sekundärer Dysmenorrhö kombinierte hormonelle Kontrazeptiva zur Verfügung.
  • Polypen und Myome, die Beschwerden verursachen, müssen einer operativen Sanierung zugeführt werden.
AutorIn: Dr. Micha Bitschnau

FÄ für Gynäkologie und Geburtshilfe, Privatklinik Döbling, Wien
© Stephan Huger | Studio Huger


AEK 11|2021

Herausgeber: Ärztekrone VerlagsgesmbH
Publikationsdatum: 2021-06-04