Österreichische Spezialitäten gegen Allergie

Asthma, allergische Rhinitis, Konjunktivitis, Nahrungsmittelallergien mit Magen-Darm-Beschwerden oder die atopische Dermatitis – all diese allergischen Erkrankungen sind nicht ansteckend und zählen dennoch zu den häufigsten chronischen Erkrankungen weltweit: Eine österreichische Studie bezüglich der Zunahme allergischer Erkrankungen im Kindesalter zeigte, dass 23 % der Jugendlichen bereits Allergien gegen die häufigsten Allergene des Alltags entwickelt haben.

Ausgangslage Allergie

Allergische Erkrankungen befinden sich also auf der Überholspur, und ein Grund dafür ist die steigende Urbanisierung. Mit Stichtag 1. Jänner 2014 lebten fast 68 % der österreichischen Bevölkerung in Städten. 88 % aller Deutschen, 89 % der Briten oder Niederländer und sogar 98 % aller Belgier leben in Städten. Mit zunehmender Bevölkerungsdichte steigt die Asthmaprävalenz bei Kindern deutlich an. Kinder, die in der Nähe von verkehrsreichen Straßen aufwachsen, haben häufiger Allergien und leiden öfter unter asthmatischer, spastischer und obstruktiver Bronchitis.
Städtische Umweltfaktoren wie Feinstaub, Crowding und stresserzeugender Lärm sowie eine im Vergleich zu ländlichen Regionen geringere Biodiversität des Mikrobioms sind Risikofaktoren für die Entwicklung einer allergischen Erkrankung.
Rezente Umweltsatellitenaufnahmen zeigen eindrucksvoll: Wie eine grüne Insel ragt unser österreichischer Alpenraum aus dem Feinstaub-Meer.

Berge als Remedium gegen Allergie und Asthma

Gräser, Getreide, Kräuter, Sträucher und Bäume sorgen über die massive Produktion von Pollen für ihren Fortbestand: Ein einziger Roggen-Blütenstand kann z. B. über vier Millionen Pollen bilden. Um eine allergische Rhinitis bzw. allergische Rhinokonjunktivitis auszulösen, bedarf es jedoch nur einiger weniger Pollen. Wind verbreitet Pollen bis zu 500 km weit, weshalb auch Städte keinen Schutz für Betroffene bieten. Im Kontrast dazu wurde die allergieabschwächende Wirkung des Hochgebirges bereits früh erkannt: Schon Prof. Günther Malyoth, Leiter der Forschungsabteilung der Haunerschen Universitäts-Kinderklinik in München und Entwickler der „Alete“-Babynahrung, hat vor fast hundert Jahren angeregt, ein Hochgebirgsambulatorium an der Großglockner-Hochalpenstraße in den Hohen Tauern einzurichten. Neueste Forschungen aus Österreich, der Schweiz und Italien zeigen, dass die Heilwirkung der Alpen nicht bloß auf der durch kürzere Blühsaisonen und geringere Vegetationsdecken erzielbaren Vermeidung von allergieauslösenden Pollen beruht. Auch die erhöhte UV-Lichtexposition, die Lufttrockenheit und die Schadstoffarmut tragen zur antiallergischen Th0-Immunbalancierung bei – auch Bewegung in freier Natur und im 3D-Terrain unserer Berge bringen zusätzlichen kardiorespiratorischen Nutzen. Der niedrigere Sauerstoffpartialdruck in alpinen Lagen erhöht nachhaltig 120 Tage lang den Erythrozyten-Count. Bergwandern regt die Neubildung junger, naiver T-Lymphozyten an und wirkt gegen Immunseneszenz, wie die kontrollierte Studie „Jungbrunnen-BERG“ bei 65- bis 85-jährigen Patienten mit zumindest zwei altersbedingten Vorerkrankungen rezent zeigen konnte.

Alpine Wasserfälle gegen Allergie und Asthma

Der Alpenraum bietet mit seinen natürlichen Gegebenheiten für eine Vielzahl von Regionen enormes gesundheitsförderndes, heilklimatisches Potenzial. Gegen Allergie und Asthma gibt es Spezialisten: Alpine Wasserfälle produzieren ein feinverstäubtes lungengängiges Aerosol. Dieses geladene Nano-Aerosol ist rund 200-mal kleiner als die Tröpfchen in Asthmasprays und entsteht innerhalb von Mikrosekunden nach dem Ionisierungsprozess der Primärionen durch Prozesse der Hydratisierung und Ionen-Cluster-Formierung. Die Tröpfchen bilden beim Aufprall Dipole mit negativ geladener Oberfläche (negative Luftionen). Jeder Wasserfall hat dabei eine spezifische physikochemische Signatur und induziert unterschiedliche physiologische Effekte wie z. B. Beschleunigung der mukozilliaren Reinigungsrate der oberen Atemwege oder einer erhöhten Atemzugtiefe. Nur einer von 35 untersuchten Wasserfällen wirkt sich positiv auf Asthma bronchiale (ICD-10 J45.-) und allergische Rhinopathie (ICD-10 J30.-) aus. In einer randomisierten, kontrollierten klinischen Studie mit pädiatrischen Asthmatikern an den Krimmler Wasserfällen konnte gezeigt werden, dass ein täglich einstündiger Aufenthalt über 3 Wochen eine Reduktion von proallergischen Zytokinen wie IL-13 und IL-5 und eine Induktion von antiinflammatorischen IL-10 produzierenden T-Zellen bewirkt. Die Asthmasymptome und der Medikationsscore bleiben über vier Monate signifikant geringer als in der Kontrollgruppe. Zudem wurden nachhaltige Effekte auf die Reduktion ausgeatmeten Stickstoffmonoxids (FeNO) sowie eine Verbesserung der Lungenfunktion festgestellt. Die Krimmler Wasserfälle sind daher seit 2015 als zuweisungsfähiges natürliches Heilvorkommen gegen Allergie und Asthma anerkannt.
In Krimml hat sich eine Gruppe von allergikergerechten Hotelbetrieben formiert, die besonders folgenden Punkt adressieren, der selbst vielen Allergologen nicht bewusst ist: Keine Abnahme von Hausstaubmilbenallergenen in der Höhenlage unserer Berge.

Pollenallergiker versus Milbenallergiker

Anders als Pollenallergiker, die nur bei der Blütezeit der Pflanzen mit ihrer Allergie zu kämpfen haben, leiden Milbenallergiker das ganze Jahr über. Sie reagieren auf ein hierarchisches Pattern von fekalen Hausstaubmilbenallergenen, wobei vor allem die Gruppe-1- und -2-Allergene serodominant sind.
Entgegen einer verbreiteten Meinung, dass über 1.600 m Seehöhe keine Hausstaubmilben mehr existieren, konnten deren Gruppe-1- und -2-Allergene in Beherbergungsbetrieben, Privatwohnungen und Almen im Alpenraum weit über 2.500 m Seehöhe in hohen Konzentrationen nachgewiesen werden: Selbst in Schutzhütten, die halbjährlich durchgefroren sind. In den höheren Lagen ändert sich nur das Prozentverhältnis der Hauptallergene Der f1 : Der p1 – nicht deren Konzentration im Vergleich zu niedrigeren Lagen. Die hohe IgE-Kreuzreaktivität macht dies jedoch für Patienten irrelevant.
Umso wichtiger ist es, allergikergerechte Unterkünfte für diese Patienten verfügbar zu machen, die regelmäßig molekular gemessen in Bezug auf die relevantesten Innenraumallergene sind und wo die Zimmereinrichtung von geschultem Personal gereinigt wird. Der optimierte Innenraum (z. B. Holzbau) und die allergikergerechte Unterkunft sind wichtige Ergänzungen der österreichischen Spezialität gegen Allergie und Asthma.

 

Wissenswertes für die Praxis
  • Ein Aufenthalt in den Bergen induziert ein antiallergisches immunologisches Milieu.
  • Jeder Wasserfall erzeugt ein lungengängiges Nanoaerosol – das der Krimmler Wasserfälle wirkt spezifisch gegen Allergie und Asthma (ICD-10 J30.- und J45.-).
  • Hausstaubmilbenallergen nimmt über 1.600 m Seehöhe nicht ab. Allergikergerechte Unterkunft auch in dieser Höhe notwendig.

 


KOMMENTAR | Asthma und Allergien – eine innige Beziehung mit Risiko

Dr. Bruno Robibaro
Facharzt für Innere Medizin und Pulmologie, Ordination in der Rudolfinerhaus Privatklinik, Wien

Bei Asthma bronchiale handelt es sich um eine chronisch entzündliche Lungenerkrankung. Die damit einhergehenden Entzündungsvorgänge führen zu einer Verengung der Atemwege.
Schätzungen zufolge sind 5 (Erwachsene) bis 10 % (Kinder, Jugendliche) der Bevölkerung in Österreich betroffen. Damit gehört Asthma zu den häufigsten chronischen Erkrankungen und ist die häufigste chronische Erkrankung im jüngeren Lebensalter. Prinzipiell unterscheidet man allergisches und nichtallergisches Asthma, wobei öfters Mischformen vorkommen. Weiters wird je nach Art der Entzündung eosinophiles und nichteosinophiles Asthma unterschieden, was in der Therapie von Bedeutung ist.
Allergisches Asthma ist die häufigste Form. Die Einatmung von (Aero-)Allergenen führt bei vorliegender Sensibilisierung zur Entzündungsreaktion in den Atemwegen und damit zu Asthma. Die Bandbreite der Allergene reicht von saisonalen Allergenen (Baum- und Gräserpollen) hin zu perennialen Allergenen (Hausstaubmilbe). Als Wirkungsmechanismus führen sie über eine immunologische Th2-Aktivierung zur allergisch entzündlichen Reaktion (Asthma und/oder Rhinokonjunktivitis) in den Zielorganen.
In der Diagnosefindung ist die Anamnese richtungsweisend. Bei der Untersuchung können auskultatorisch obstruktive Atemnebengeräusche hörbar sein. Mit der Lungenfunktion lässt sich die Atemflussstörung diagnostizieren sowie deren Schweregrad ermitteln. Weiters kann der Effekt bronchodilatierender Medikamente, die sogenannte Reversibilitätsprüfung mithilfe sogenannter Lyse der Obstruktion durch Inhalation von Betamimetika, gemessen werden. Die akut reversible bronchiale Obstruktion ist ein Merkmal von Asthma.
Ist Asthma diagnostiziert, folgt die Suche nach der Ursache, weil davon das weitere Vorgehen abhängt. Eine Allergieabklärung ist unabdingbar. Hiermit können krankheitsauslösende Allergene identifiziert werden. Konsequenz davon sind Strategien der Allergenvermeidung/Expositionsprophylaxe (zum Beispiel bei Milben, Schimmelpilzen oder Tierhaaren) oder eine allergenspezifische Immuntherapie/Hyposensibilisierung als ursächliche Behandlung im engeren Sinne, im Gegensatz zur rein symptomatischen bronchodilatierenden Therapie einschließlich entzündungshemmender (inhalativer) Kortikosteroide.

AutorIn: Univ.-Doz. Dr. Arnulf Hartl

Leiter des Universitätsinstituts für Ökomedizin
der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität, Salzburg
Wissenschaftlicher Leiter der gesundheitstouristischen Initiative
„Hohe Tauern Health – Urlaub für Allergiker und Asthmatiker“


AEK 06|2021

Herausgeber: Ärztekrone VerlagsgesmbH
Publikationsdatum: 2021-03-26