Versorgung von Patienten mit Refluxbeschwerden

Eine verspätete Diagnose und Behandlung kann eine chronische GERD (gastroösophageale Refluxkrankheit) und das Risiko für ernsthafte gesundheitliche Komplikationen erhöhen. Sowohl bei der hausärztlichen als auch bei der fachärztlichen Versorgung von GERD-Symptomen gilt: Spätestens beim Auftreten von Alarmzeichen sollte gehandelt werden. Zu diesen Alarmzeichen zählen Hinweise auf eine gastrointestinale Blutung, Anämie, Dysphagie, Gewichtsverlust, rezidivierendes Erbrechen und erstmaliges Auftreten von Reflux oder dyspeptischen Symptomen bei über 45-Jährigen. Auch bei persistierenden beziehungsweise therapierefraktären Refluxbeschwerden oder bei atypischen Symptomen sollte eine Überweisung zur Differenzialdiagnostik und Beratung angedacht werden. Entscheidend ist hierbei immer der Leidensdruck und die Lebensqualität der Patienten. Die folgende Auflistung soll bei der Entscheidungsfindung helfen, welche Maßnahmen bei noch nicht abgeklärten Refluxbeschwerden hilfreich sind und wann eine Überweisung erfolgen sollte:

Milder Reflux: Hierunter fallen klassische Refluxsymptome wie Sodbrennen, Aufstoßen und Regurgitationen, die weniger als dreimal pro Woche auftreten.
Konservative Maßnahmen:

  • Gewichtsreduktion sofern erhöhter BMI
  • Refluxdiät
  • Vermeiden von Nahrungsaufnahme 3–4 Stunden vor dem Schlafengehen

Medikamentöse Maßnahmen:

  • Einnahme von Alginat/Antazidum nach Bedarf
  • eventueller diagnostischer Therapieversuch mit Protonenpumpenhemmer (PPI) in Standarddosis über 2 Wochen

Fachärztliche Abklärung:

  • bei Alarmzeichen (Tab.)
  • bei Nichtansprechen auf die Maßnahmen nach 2 Wochen PPI

Schwerer Reflux: Hierunter fallen klassische Refluxsymptome (siehe oben), die fast jeden Tag auftreten.
Konservative Maßnahmen:

  • Gewichtsreduktion dringlich nahelegen, sofern BMI erhöht
  • Refluxdiät
  • Vermeiden von Nahrungsaufnahme 3–4 Stunden vor dem Schlafengehen
  • Anheben des Kopfendes des Bettes

Medikamentöse Maßnahmen:

  • Therapie mit PPI über vier bis acht Wochen, danach Step-down
  • Langzeitbehandlung bei rezidivierenden Beschwerden oder bekannter Ösophagitis > II°
  • ergänzend intermittierende Einnahme von Alginat/Antazidum zur Behandlung von gelegentlichen Symptomen, die trotz Säuresuppression auftreten
  • ergänzend regelmäßige, prophylaktische Einnahme von Alginat/Antazidum nach den Mahlzeiten und vor dem Schlafengehen bei Auftreten von Volumenregurgitationen und oftmalig auftretenden Symptomen, die trotz Säuresuppression auftreten
  • regelmäßige Symptomkontrolle mit Anpassung der Medikation
  • endoskopische Nachkontrolle zur Bestätigung der Heilung einer höhergradigen Ösophagitis

Fachärztliche Abklärung:

  • falls bisher noch keine Endoskopie erhalten (Indexendoskopie, auch mit Frage nach Barrett-Ösophagus)
  • bei Alarmzeichen (Tab.)
  • bei Nichtansprechen auf die Maßnahmen nach 2 Wochen hochdosierten PPI
  • falls eine Langzeitbehandlung mit PPI geplant ist

Symptomatische Hiatushernie: bei Patienten mit schweren Refluxproblemen, rezidivierender Volumenregurgitation, Beschwerden in der Nacht und mit Essschwierigkeiten.
Medikamentöse Maßnahmen:

  • diagnostischer Therapieversuch mit hochdosierten PPI über zwei Wochen
  • je nach Bedarf ergänzend intermittierend oder regelmäßig Einnahme von Alginat/Antazida
  • Fachärztliche Abklärung:
  • falls bisher noch keine Endoskopie erhalten (Indexendoskopie, auch mit Frage nach Barrett-Ösophagus)
  • bei Alarmzeichen (Tab.)
  • bei großer, symptomatischer Hiatushernie (> 5 cm) wird auch eine OP in Erwägung gezogen

Laryngopharyngealer Reflux: Zumeist Refluxbeschwerden in Kombination mit extraösophagealen Symptomen wie Husten, Heiserkeit, Globus und andere pharyngeale Beschwerden. Extraösophageale Symptome können auch ohne typische Refluxbeschwerden auftreten.
Konservative Maßnahmen: Wie bei Refluxbeschwerden, sobald Refluxgenese durch PPI-Test oder diagnostische Maßnahmen gesichert ist.

Medikamentöse Maßnahmen:

  • diagnostischer Therapieversuch mit PPI in doppelter Standarddosis über vier bis acht Wochen
  • Einnahme von Alginat/Antazidum nach Bedarf oder regelmäßig nach den Mahlzeiten (Alginate unterdrücken den proximalen Reflux und bilden eine Schutzschicht über der pharyngealen Schleimhaut.)

Fachärztliche Abklärung:

  • bei persistierenden Refluxbeschwerden und unzureichender Symptomkontrolle
  • bei Verdacht auf laryngopharyngealen Reflux ohne klassische Reflux-symptome

Hypersensitiver Ösophagus (HÖ) und funktionelle Refluxbeschwerden (FR): Refluxbeschwerden (klassisch oder atypisch), Endoskopie unauffällig, Funktionsdiagnostik HÖ: normwertige Anzahl von Refluxereignissen, hohe Symptom-Reflux-Korrelation, Funktionsdiagnostik FR: unauffällig

Medikamentöse Maßnahmen:

  • diagnostischer Therapieversuch mit PPI über zwei Wochen
  • alternativ bei fehlenden Alarmsymptomen mit Alginat/Antazida

Fachärztliche Abklärung:

  • bei unklarer Diagnoselage
  • bei persistierenden, therapierefraktären Beschwerden
  • medikamentöse Therapie bei FR sehr oft nicht erfolgreich, daher auch psychosomatische Abklärung erwägen

AutorIn: Prof. Dr. Martin Storr

Internistenzentrum Gauting – MVZ Gauting-Starnberg, Deutschland
© Andreas Steeger


AEK 20|2020

Herausgeber: Ärztekrone VerlagsgesmbH
Publikationsdatum: 2020-10-16