Wechselseitige Beeinflussung: Sexuelle Funktionsstörungen und Depression

Sowohl Depressionen als auch sexuelle Funktionsstörungen sind weit verbreitete Erkrankungen. Oft treten beide Störungen bei derselben Person auf. Dabei können sowohl Depressionen Auslöser der Sexualfunktionsstörung sein als auch umgekehrt. Beide Geschlechter sind betroffen.

Depressionen gehen häufig mit Antriebsmangel oder Angststörungen einher. Vor allem der Antriebsmangel kann sich auch auf die sexuelle Begierde erstrecken und diese zum Erliegen bringen. Schon allein dieser Libidomangel bewirkt oft eine sexuelle Funktionsbeeinträchtigung. Dies können bei Männern Störungen der Ejakulation und/oder der Erektionsfähigkeit sein, bei Frauen finden sich häufig Erregungs- oder Orgasmusstörungen. Unglücklicherweise verursacht aber gerade eine Vielzahl der Medikamente, die zur Behandlung der Depressionen eingesetzt werden, ihrerseits auch Sexualfunktionsstörungen. Dazu zählen die sehr häufig angewendeten Serotonin-Wiederaufnahmehemmer ebenso wie die älteren Präparate aus der Gruppe der trizyklischen Antidepressiva.

In der letzten Zeit kommen immer häufiger pflanzliche Mittel zur Behandlung der Depression zur Anwendung. Extrakte aus dem Johanniskraut sind hier ebenso zu nennen, wie Lavendelöl. Ersteres ist in manchen Fällen nicht ganz harmlos, und es gibt sowohl Studien, die dessen Anwendung unterstützen als auch zu dessen mangelnder Wirksamkeit. Lavendelöl wirkt vor allem bei den häufig begleitenden Angststörungen ausgleichend und beruhigend, ohne müde zu machen.

Fazit: In jedem Fall findet sich aber eine individuelle Situation, die eine gezielte Behandlung mit oder ohne Medikamente erforderlich macht. Am besten, der Betroffene wendet sich an seinen Arzt.

AutorIn: Dr. Karl Dorfinger

Facharzt für Urologie, Präsident des Berufsverbandes der Österreichischen Urologen, BvU


AEK 19|2020

Herausgeber: Ärztekrone VerlagsgesmbH
Publikationsdatum: 2020-10-02