Antibiotikaeinnahme: Das Darm-Mikrobiom in Balance halten

Die Einnahme von Antibiotika ist mit wesentlichen Beeinträchtigungen des intestinalen Mikrobioms verbunden. Die Diversität sinkt, wodurch die Kolonisationsresistenz des Mikrobioms abnimmt. Potenziell pathogene Keime finden bessere Wachstumsbedingungen vor, und es kann zu einer Überwucherung mancher Mikroorganismen kommen, etwa durch Clostridium difficile, Clostridium perfringens, Staphylococcus aureus und Klebsiella oxytoca. Die Folge sind antibiotikaassoziierte Durchfälle (antibiotikassoziierte Diarrhö, AAD). In einer europäischen Studie in 34 Ländern wurden Komorbiditäten und ein höheres Lebensalter als Risikoprofil definiert. Auch Kinder sind häufig betroffen (Tabelle).1
Wenngleich nahezu alle Antibiotika das Auftreten einer Diarrhö als Nebenwirkung begünstigen, gibt es einige Vertreter, die besonders häufig assoziiert sind.
Dazu zählen:2

  • Cephalosporine, besonders jene der dritten Generation
  • Breitbandpenicilline
  • Clindamycin
  • Clarithromycin, vor allem bei hoher Dosierung
  • Fluorchinolone

Die von C. difficile verursachten Krankheitsbilder reichen von der asymptomatischen Infektion über Diarrhö ohne Kolitis, Kolitis mit oder ohne Diarrhö (mit diffusem Erythem und Entzündung) bis hin zu schwersten Manifestationen. In seltenen Fällen kann ein Megakolon auftreten. Für die Entstehung und den Schweregrad einer Infektion spielt nicht die Besiedelung des Kolons mit C. difficile per se die Hauptrolle, sondern vor allem die Toxinbildung (Toxin A und B).1

 

 

Gleichzeitige Einnahme von Probiotika

Aufgrund wissenschaftlicher Daten kann von einem positiven Effekt durch die Einnahme von Probiotika bei einer Antibiotikatherapie ausgegangen werden. In einem Cochrane-Review wurden 39 randomisierte Studien mit einer Gesamtzahl von 9.955 Teilnehmern ausgewertet. Aus 31 Studien (n = 8.672) ging bei Personen, die Antibiotika einnahmen, eine Effektivität von Probiotika im Hinblick auf die Prävention einer Clostridium-difficile-bedingten Diarrhö hervor. Aus den Ergebnissen dieses Reviews lässt sich schließen, dass die gleichzeitige Einnahme von Probiotika während einer Antibiotikatherapie das Risiko für eine Diarrhö im Schnitt um 60 % reduzieren kann. In jenen Studien, in denen Teilnehmer ein hohes Risiko für die Entwicklung einer antibiotikaassoziierten Diarrhö hatten, betrug die Risikoreduktion im Schnitt sogar 70 %. Die Einnahme von Probiotika zu einem Antibiotikum wurde von den Autoren als sicher eingestuft, wobei die Anwendung bei Patienten mit beeinträchtigter Immunkompetenz extra abgeklärt werden müsse.3 Im Jahr 2006 hatte eine Metaanalyse (n = 3.164) ergeben, dass sowohl Kinder als auch Erwachsene von der Einnahme probiotischer Stämme profitierten. Das relative Risiko für AAD verringerte sich demnach um über 50 %. Die Definition für Durchfall wurde mit mehr als drei ungeformten oder wässrigen Stühlen pro Tage für einen Zeitraum von mindestens zwei Tagen angegeben.4
In Studien, die positive Effekte durch Probiotika belegt haben, wird empfohlen, das Probiotikum gleich vom Start der Antibiotikatherapie an einzunehmen, um die Vermehrung von Keimen wie Clostridium difficile zu verhindern und die Ausschüttung von Toxinen zu reduzieren. Eine Durchsicht älterer Arbeiten zeigt, dass Erfolge mit verschiedenen probiotischen Stämmen erzielt wurden. Dazu zählten Laktobazillenstämme, Bifidobakterien oder auch Saccharomcyes boulardii.5
Da die intestinale Mikroflora auch nach Absetzen des Antibiotikums noch beeinträchtigt ist, bewährt sich die Anwendung von Probiotika auch danach noch für einige Tage. Sollten fermentierte Milchprodukte als Unterstützung für das Darm-Mikrobiom zugeführt werden, ist der Hinweis auf die zeitversetzte Einnahme des Antibiotikums (2–3 Stunden Abstand zum Milchprodukt) wichtig.

 

Literatur:

1 Consensus Statement Clostridium-difficile-Infektion (CDI), März 2014. http://www.oeginfekt.at/download/cs-cdi.pdf

2 Ziegler A, Behandlung der Antibiotika-assoziierten Diarrhö. DAZ 40/2008

3 Goldenberg JZ, Yap C, Lytvyn L et al., The use of probiotics to prevent Clostridium difficile diarrhea associated with antibiotic use. Cochrane, 19 December 2017

4 Schulze J, Sonneborn U, Ölschläger T et al., Probiotika. Thieme Verlag 2008

5 Bischoff SC, Probiotika, Präbiotika und Synbiotika. Thieme Verlag 2009

AutorIn: Mag. Martin Schiller

Apo-K 02|2020

Herausgeber: Ärztekrone VerlagsgesmbH
Publikationsdatum: 2020-01-31