Beratungsleitfaden: Husten

Ein Erkältungshusten ist am Beginn meist trocken und im weiteren Verlauf zunehmend produktiv.
„Ist der Husten trocken oder verschleimt?“ – das war immer die erste Frage bei einer Hustenberatung, um ein geeignetes Präparat auszuwählen. Laut der S2k-Leitlinie zur Diagnose und Therapie von Husten bei Erwachsenen der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin ist diese Unterscheidung aus therapeutischer Sicht nicht bedeutsam. Die Produktivität des Hustens ist von den Betroffenen nur schwer einzuschätzen, und die Übergänge zwischen den Kategorien und den Ursachen sind fließend. Viel wichtiger und relevanter für das therapeutische Vorgehen ist laut Leitlinie die Frage nach der Hustendauer, d. h. eine Klassifizierung des Hustens in akut, subakut und chronisch.

Schwerpunkte der Leitlinie sind vor allem aber auch die Physiologie des Hustens und Husten, der durch Affektionen im Bereich der oberen Atemwege (Nasen-Rachen-Raum) oder durch einen gastroösophagealen Reflux ausgelöst wird. ­Besonderes Augenmerk wird auch auf jene Ursachen gelegt, die mittels klassischer Diagnostik oft unentdeckt bleiben (z. B. Pertussis).

Auf den ersten Blick / Wirksames für die Selbstmedikation

Phytopharmaka:

  • Efeu-Extrakt
  • Kombinationen aus Efeu und Thymian, Primel und Thymian
  • Eibisch
  • Isländisches Moos
  • Königskerze
  • Zubereitungen aus Myrtol® und 1,8-Cineol
  • Extrakte aus Pelargonium sidoides
  • Speiköl

Zentrale Antitussiva:

  • Dextromethorphan (ab dem 12. Lebensjahr)
  • Pentoxyverin (ab dem 6. Lebensjahr)

Mukolytika:

  • Ambroxol
  • Acetylcystein
  • Bromhexin

Wichtige Fragen zu Beginn der Beratung

  • Seit wann bestehen die Beschwerden?
  • Haben Sie Begleitsymptome, z. B. Atemnot, Abgeschlagenheit, Fieber?
  • Art des Hustens? Hat sich die Art des Hustens im Verlauf der Erkrankung verändert?
  • Haben Sie andere gesundheitliche Probleme? Nehmen Sie Medikamente (z. B. ACE-Hemmer ⇒ Husten als unerwünschte Arzneimittelwirkung)?
  • Rauchen Sie?
  • Welche Mittel wurden bisher ausprobiert? Mit welchem Erfolg?

Der Hustenreflex ist prinzipiell lebenswichtig, denn er ermöglicht den Bronchien, sich von Fremdkörpern, aber auch von angesammeltem Schleim zu befreien ⇒ entzündliche, chemische oder physikalische Reizungen der Atemwegschleimhaut sowie auch mechanische Veränderungen.

Laut Sk2-Leitlinie ist die Hustendauer für die Therapie entscheidend:

Je nach Dauer unterteilt die aktuelle Leitlinie den Husten in akut, subakut und chronisch, und erst danach, ob er trocken oder produktiv ist.

  • akuter Husten ⇒ Beschwerden bis zu 3 Wochen, also deutlich länger als allgemein angenommen; meist klassischer „Erkältungshusten“ aufgrund einer viralen Infektion der oberen und/oder der unteren Atemwege

Zu beachten! Bei schweren Verläufen bzw. Hinweisen auf andere Ursachen (SARS-CoV-2) ⇒ Ärzt:in kontaktieren.

  • subakuter Husten
    Erkältungshusten dauert 3–8 Wochen ⇒ aufgrund vorangegangener viraler Infekte (z. B. hartnäckige Adenoviren); seltener bakterielle Erkrankungen.

Hinweis: vermehrtes Auftreten von Pertussis durch fehlenden Impfschutz möglich.

  • chronischer Husten > 8 Wochen
    Vor einer symptomatischen Therapie eines chronischen Hustens immer Ursachen abklären ⇒ Ausschluss von Rachen- und Kehlkopfentzündungen, Asthma, chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung (COPD), Tumoren.
  • chronische Bronchitis
    Eine chronische Bronchitis liegt laut WHO dann vor, wenn die beiden charakteristischen Beschwerden wie Husten und Auswurf an den meisten Tagen während mindestens drei Monaten in zwei aufeinander folgenden Jahren bestehen; besonders häufig bei Raucher:innen; oft Vorstufe zur COPD ⇒ Husten, Auswurf und Atemnot über mehrere Jahre stellen die wichtigsten Symptome dar und sollten immer Anlass für einen Arztbesuch sein; je früher die COPD diagnostiziert wird, desto eher kann erfolgreich dem Verlust der Lungenfunktion entgegengewirkt werden.

Weitere mögliche Ursachen:

  • Reizungen der oberen Atemwege durch Entzündungen der Nase und der Nebenhöhlen, z. B. „Postnasal drip“-Syndrom ⇒ Flüssigkeiten laufen aus dem Nasenrachenraum in die Luftröhre und reizen die Hustenrezeptoren in der Luftröhre und den oberen Bronchien ⇒ hartnäckiger Reizhusten; zu beobachten bei Erkältungskrankheiten, Heuschnupfen oder anderen nichtallergischen Erkrankungen der Nase.
  • gastroösophagealer Reflux
  • Schadstoffe und Reizstoffe ⇒ Tabakrauch, Dämpfe, Gase, Feinstaub
  • Medikamente ⇒ ACE-Hemmer, Methotrexat, Fentanyl u. a.

Beratungstipps

  • Körperliche Anstrengungen meiden; bei Fieber ⇒ Bettruhe einhalten.
  • ausreichende Flüssigkeitsaufnahme
  • Erhöhung der Luftfeuchtigkeit in den Räumen und ausreichend lüften ⇒ öfter und immer nur kurz ist besser.
  • Auf das Rauchen verzichten, möglichst auch verrauchte Räume meiden.
  • physikalische Maßnahmen, z. B. Dampf­inhalationen, Hals-, Brust- und Wadenwickel, lokale Wärme
  • Aus hygienischen Gründen ⇒ in die Armbeuge und nicht in die Hand­innenflächen husten.

SELBSTmedikation

Erkältungsbedingter Husten kann in der Selbstmedikation gut therapiert werden. Es ist wichtig, auf die Begleitsymptome des Hustens, seine Dauer, seine Regelmäßigkeiten und mögliche Ursachen zu achten, um eine optimale Therapie zu garantieren. Leitliniengemäß ist der Einsatz von Phytopharmaka ein wichtiger Bestandteil der Hustentherapie:

  • Efeu-Extrakt (Wirksamkeit zuvor in doppelblinden, randomisierten und kontrollierten Studien nachgewiesen)
  • Kombinationen aus Efeu und Thymian, Primel und Thymian
  • Zubereitungen aus Myrtol® und 1,8-Cineol
  • Extrakte aus Pelargonium sidoides

Zentrale Antitussiva

Bei unproduktivem, trockenem Husten zur Unterdrückung bzw. Verminderung des Hustenreizes:

  • Dextromethorphan (ab dem 12. Lebensjahr)
  • Pentoxyverin (ab dem 6. Lebensjahr)

Peripher wirksame Hustentherapeutika

Bei produktivem Husten zur Unterstützung des Abhustens ⇒ Sekretolytika, Mukolytika, Sekretomotorika (Eigenschaften der Wirkstoffe überlappen sich häufig.)

  • Sekretolytika zum „Verflüssigen“ des Schleims ⇒ ätherische Öle in Form von Kapseln (Myrtol®, Cineol, Speiköl), Lösungen, Sirup, Einreibung, Badezusätzen, Tee, Inhalationen, z. B. Pfefferminz, Eukalyptus, Thymian, Myrte, Spitzwegerich u. a.
  • Sekretomotorika zum besseren Abhusten ⇒ Extrakte aus Pflanzen, die Saponine enthalten, z. B. Primelwurzel, Efeu-Extrakt
  • Mukolytika verringern die Viskosität des Bronchialschleims ⇒ synthetische Wirkstoffe, z. B. Ambroxol, Acetylcystein, Bromhexin.
  • Muzilaginosa (Schleimdrogen), z. B. Eibisch, Isländisches Moos, Königskerze ⇒ überziehen die Schleimhaut mit einer Art Schutzfilm (bis etwa zum Larynx) und mildern die hyperaktive mukoziliäre Aktivität.
  • Reizung des Hustenrezeptors reduzieren ⇒ Demulzenzien (reizlindernde Arzneimittel) wirken durch „Einhüllung“ der Hustenrezeptoren im Rachen ⇒ schützen kurzfristig vor einer Reizung. Dazu gehören Säfte, Sirupe, Lösungen, Lutschtabletten, Honig und Hustenbonbons, die Zucker enthalten; die Wirkdauer beschränkt sich auf die Verweildauer des Zuckers am Rezeptor und beträgt etwa 20 Minuten.

Wichtig! Bessert sich der Husten nicht innerhalb von drei Wochen bzw. verschlimmert sich nach Absetzen des Hustenmittels, ist ein Arztbesuch dringend zu empfehlen ⇒ Bronchitis, Lungenentzündung, Reizhusten.

Zu beachten! Die Grenzen zwischen trockenem und produktivem Husten sind meist fließend; laut Leitlinie wird die Kombination einer sekretolytischen und antitussiven Therapie heute nicht mehr so kritisch gesehen ⇒ während des Tages sekretolytisch und nachts antitussiv therapiert, kann sich die Wirkung eventuell sogar verstärken.

Weitere Optionen:

  • Husten- und Bronchialtees ⇒ lauwarm, nicht zu heiß trinken!
  • Externa mit ätherischen Ölen; Vorsicht bei Kindern ⇒ auf das Alter achten!
  • Erkältungsbad mit ätherischen Ölen
  • Lutschpastillen mit Hyaluronsäure ⇒ durch die „Wasserbindungsfähigkeit“ von Hyaluronsäure werden die Schleimhäute in Hals und Rachen befeuchtet ⇒ Hustenreiz wird gemildert.
  • „Kräuterzuckerln“ (z. B. Salbei) zur Linderung des Hustenreizes lutschen.
  • Immunstimulanzien ⇒ Echinacea, Zink, Vitamin D

Grenzen der Selbstmedikation bzw. Arztbesuch empfehlen

    • Heiserkeit
    • Fieber > 38,5 °C
    • sehr starke Raucher:innen
    • Gebrechlichkeit, akute Herzinsuffizienz, Im­mundefizit/-suppression, HIV-Infektion
    • Pfeif- oder Rasselgeräusche beim Atmen
    • Atemnot, Bluthusten
    • Thoraxschmerz, Schmerzen beim Husten oder Atmen
    • Verdacht auf Pneumonie oder Tuberkulose
    • Kinder unter 2 Jahren

Epilog

Im Beratungsgespräch ist es wichtig, die Kund:innen auf den Unterschied zwischen „hustenstillender“ und „hustenreizlindernder“ Wirkung hinzuweisen.

Antitussiva werden häufig auch als „Hustenblocker“ bezeichnet. Die Patient:innen haben dann Angst, dass das notwendige Abhusten von zähem Schleim verhindert wird. Antitussiva blockieren den Hustenreiz nicht vollständig, weil das notwendige Abhusten bei bestimmungsgemäßer Dosierung möglich bleibt. Generell ist der trockene Reizhusten für den Körper schädlich, da er keine Reinigungsfunktion hat. Ein geeignetes Antitussivum kann den Reizhusten dämpfen, ohne ein ebenfalls nötiges Abhusten zu verhindern.

Hustenstillend ist nicht gleich hustenreizlindernd

Wichtig ist auch, den/die Kund:in im Beratungsgespräch auf den Unterschied zwischen „hustenstillender“ und „hustenreizlindernder“ Wirkung hinzuweisen. Einige Wirkstoffe (z. B. Isländisches Moos, Thymian etc.) lindern den Hustenreiz, d. h., die Hustenfrequenz wird vermindert, während die antitussiven Wirkstoffe den Hustenreiz zum Großteil unterdrücken. Auch ist zu beachten, dass bei Phytotherapeutika eine klare Abtrennung zwischen Hustenstillern und Schleimlösern oft nicht möglich ist. Das liegt an der Vielzahl von Inhaltsstoffen, die pflanzliche Drogen enthalten und die das Wirkspektrum ausmachen.

Zeitversetzte Einnahme von Expektoranzien und Hustenstillern

Die Grenzen zwischen trockenem und produktivem Husten sind meist fließend, und so kann tagsüber bei produktivem Husten ein Expektorans und abends vor dem Schlafengehen ein Hustenstiller gegeben werden, denn auch ein produktiver Husten kann die Nachtruhe und den Schlaf empfindlich stören. Das notwendige Abhusten bleibt somit trotz Antitussivum erhalten.Die aktuelle S2k-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin zur Diagnostik und Therapie von erwachsenen Patienten mit Husten empfiehlt erstmals auch die zeitversetzte Gabe von Expektoranzien und Antitussiva, vor allem wenn die Nachtruhe gestört ist.

Aufklärung ist wichtig

Es muss dem/der Kund:in jedoch sehr klar kommuniziert werden, dass die Einnahme wirklich zeitversetzt erfolgen muss, denn eine gleichzeitige Einnahme von Antitussivum und Expektorans kann aufgrund des eingeschränkten Hustenreflexes zu einem gefährlichen Sekretstau führen.

Süß ergibt Sinn

Interessant ist, dass der Hustenreiz durch sogenannte Demulzenzien gelindert werden kann. Die für „süß“ zuständigen Geschmacksknospen der Zunge und Mundschleimhaut reizen parasympathisch sensible Nerven, wodurch die Bronchialsekretion angeregt wird. Weiters wird durch eine direkte „Einhüllung“ die Reizung der Hustenrezeptoren vermindert. Ein Grund, warum Hustentees immer gesüßt werden sollten. Dieser Effekt zeigt sich auch bei Honig2 und allen Zubereitungen mit Zucker (Hustenbonbons, Sirupe etc.). Die Wirkdauer beschränkt sich auf die Verweildauer des Zuckers am Rezeptor und beträgt etwa 20 Minuten. Auch das Lutschen von normalen zuckerhältigen „Hustenzuckerln“ (Spitzwegerich, Salbei, Isländisches Moos u. a.) hilft somit, den Hustenreiz zu mildern.

Beratungstipp

Der Einsatz von Phytopharmaka ist laut Leitlinien ein wichtiger Bestandteil der Hustentherapie.