Ein Wiedersehen mit alten Bekannten

Sowohl das Grippevirus als auch das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) sind RNA-Viren, die durch eine hohe genetische Variabilität charakterisiert sind.
Durch Punktmutationen verändern sich die Viren und entkommen so dem Immunsystem. Mit ihren Oberflächenproteinen docken sie an die Wirtszellen an, die Übertragung erfolgt durch Schmier- und Tröpfcheninfektion. Laut Priv.-Doz.in Ing.in Dr.in Monika Redlberger-Fritz, MedUni Wien, ist die Schmierinfektion nicht zu unterschätzen, diese kann bis zu 50 % aller Ansteckungen ausmachen, wie sie in ihrem Vortrag beim Österreichischen Impftag berichtete.

Reisevirus vs. stationäres Virus

Beide Viren verursachen während der kalten Jahreszeit epidemische Wellen. „Während Influenza ein Reisevirus ist, das immer mit der kalten Jahreszeit eingeschleppt wird, ist RSV ein stationäres Virus, das im Winter wieder aktiv wird“, so Redlberger-Fritz. Ein gutes Beispiel dafür ist Australien, das sich während der Pandemie komplett abgeriegelt hat. Neben den strikten Reisebeschränkungen gab es hier auch einen strengen Lockdown, während dessen beide Viren gar nicht zirkuliert sind. Nach dem Lockdown waren die Grenzen weiterhin geschlossen; in dieser Zeit gab es einen massiven Anstieg an RSV-Infektionen, nicht aber an Influenza. Influenza-Infektionen wurden erst wieder mit der Öffnung der Grenzen nachgewiesen.

Epidemiologie

Influenza ist jährlich weltweit für rund 650.000 Todesfälle verantwortlich (Österreich: ca. 1.300), während über 100.000 RSV-assoziierte Todesfälle gezählt wurden (Österreich: ca. 1.100 Hospitalisierungen). „Auch RSV ist eine große Belastung für das Gesundheitssystem, hier gibt es jedoch keine gute Datenlage, die Todesfälle und Hospitalisierungen wurden vermutlich jahrelang unterschätzt“, stellt die Virologin fest. Beiden Viren gemein ist, dass vor allem (kleine) Kinder und Senior:innen betroffen sind. RSV ist die häufigste Ursache für eine Hospitalisierung von Säuglingen, bei älteren Kindern ist das Virus nicht problematisch. Hingegen kann bei dieser Gruppe Influenza auch einen schweren Verlauf verursachen. Bei den älteren Erwachsenen sind beide Viren für Hospitalisierungen und Mortalität verantwortlich.

Aktive und passive Immunisierung

Die Angriffspunkte der Impfung sind in beiden Fällen die Oberflächenproteine, bei Influenza Hämagglutinin und Neuraminidase. Da diese dem Antigendrift unterliegen, muss die Impfung jährlich angepasst werden. Hingegen ist der Angriffspunkt bei RSV, das F-Protein, genetisch stabil, wodurch keine jährliche Anpassung nötig ist. Für Influenza gibt es eine Fülle von Impfstoffen. Kinder können mit dem attenuierten intranasalen Lebendimpfstoff geimpft werden. Darüber hinaus gibt es noch verschiedene Totimpfstoffe (Spalt- oder Subunit-, Hochdosis- und adjuvantierte Impfstoffe). Laut Redlberger-Fritz sollten Senior:innen, Immunsupprimierte und Hochrisikopersonen einen der letzten beiden Impfstoffe erhalten.

Für RSV stehen seit dem letzten Jahr für über 60-Jährige 2 Totimpfstoffe, ein adjuvantierter und ein bivalenter, zur Verfügung. Letzterer ist auch für Schwangere zugelassen. Redlberger-Fritz: „Immunsupprimierte und Hochrisikogruppen können damit ab 18 Jahren auch Off-Label geimpft werden.“ Das adjuvantierte Vakzin stimuliert die zelluläre Immunantwort und ist damit besonders für Personen mit Grunderkrankungen geeignet, die auf andere Impfungen nicht so gut ansprechen. Für Influenza gibt es keine passive Immunisierung.

Für RSV stehen Antikörper gegen das F-Protein zur Verfügung. Mit Palivizumab sollten Frühchen und Risikokinder im 1. Lebensjahr alle 4 Wochen immunisiert werden. Ab der nächsten Saison gibt es mit Nirsevimab eine Alternative für alle Säuglinge. Dieser Antikörper muss nur noch einmal verabreicht werden.