Goji-Beeren und Co.: „Superfood“ als Immunstärkung

In den vergangenen Jahren hat das Interesse an immunstärkenden Lebensmitteln und Pflanzenstoffen stark zugenommen. So ist bei Aronia, Goji-Beeren, Acai-Beeren oder Granatapfel aufgrund ihres Reichtums an bestimmten Mikronährstoffen und immunstimulierenden Substanzen bereits von „Superfood“ die Rede. In der Folge wird eine kleine Auswahl vorgestellt.

Die Früchte des Nachtschattengewächses Lycium barbarum L. (in unseren Breiten als Bocksdorn bekannt) werden, abgeleitet von ihrem chinesischen Namen „gouqi“, als „Goji“ bezeichnet. Die Sträucher wachsen bis zu drei Meter hoch, die Früchte sind 1–2 cm lang und ellipsenförmig. Bemerkenswert an den Goji-Beeren ist ihr hoher Vitamin-C-Gehalt. Dieser wird pro 100 g der getrockneten Frucht mit 48,4 mg angegeben. Auch andere Mikronährstoffe kommen in dieser Frucht vor. Die quantitativ größte Gruppe wertgebender Inhaltsstoffe stellen Polysaccharide dar (bezeichnet als Lycium Barbarum Polysaccharides, LBP). Bisher identifizierte Einzelbausteine sind Arabinose, Galaktose, Glukose, Rhamnose, Ribose und Xylose. In-vitro-Untersuchungen haben das hohe antioxidative Potenzial von LBP gezeigt. Konkret wurden Superoxid-Radikalfänger-Eigenschaften sowie eine Inhibition der Lipidperoxidation nachgewiesen. In vivo zeigten sich im Versuch mit Nagetieren erhöhte Serumspiegel der Superoxid­dismutase und eine verringerte DNA-Schädigung in peripheren Lymphozyten. In einer Humanstudie, welche die Wirkung des Beerensaftes untersuchte, kam es zu einer Aktivitätssteigerung der Superoxiddismutase und der Glutathionperoxidase. Malondialdehyd, ein Marker für Lipidperoxidation, sank signifikant. Weiters kommt in Goji-Beeren das Carotinoid Zeaxanthindipalmitat in nennenswerter Menge vor. Untersuchungen dokumentieren die Aufnahme im Gastrointestinaltrakt und den Anstieg des Zeaxanthin-Plasmaspiegels nach dem Verzehr.1

Aronia, Acai und Sanddorn

Aronia melanocarpa ist eine violette Beerenfrucht mit Ursprung im nördlichen Teil des amerikanischen Kontinents. Botanisch gesehen handelt es sich um eine Wildbeere aus der Familie der Rosaceae. Die Beere ist reich an Vitamin C (14 mg/100 g frische Beeren) und an sekundären Pflanzenstoffen. Auch B-Vitamine und Eisen finden sich in kleineren Mengen. Für die positiven Wirkungen auf die Gesundheit sind oligomere Proanthocyanidine (OPC) verantwortlich. Biomarker für Lipidperoxi­dation und oxidativen Stress konnten in Studien gesenkt werden. Auch kardiometabolische Effekte sind dokumentiert (Verhinderung der Thrombozytenaggregation, Effekte bei Hypertonie).2

Ebenfalls als Superfood gilt die in Kapseln, Saft oder Pulver dargebotene Acai-Beere, welche die Frucht der Palme Euterpe oleracea ist. Für die Beere wurden sowohl in vitro als auch in vivo antioxidative Eigenschaften nachgewiesen. Dies dürfte vor ­allem an den enthaltenen Phenolsäuren, Anthocyanen, Proanthocyanen und Flavonoiden liegen.3 Dass Superfood nicht immer von weit her stammen muss, zeigt die Sanddornbeere eindrucksvoll. Der Sanddorn (Hippophae rhamnoides) ist ein Ölweidengewächs mit einem weiträumigen Vorkommen in Asien und Europa. Die Beeren sind eine hervorragende Vitamin-C-Quelle. In 100 g frischen Beeren findet man 450 mg des immunstimulierenden Vitamins.4 Dies ist das rund 4,5-Fache des täglich von Ernährungsfachgesellschaften angegebenen Vitamin-C-Bedarfs eines Erwachsenen. Ebenfalls beachtlich ist der Gehalt von antioxidativen Vitamin E (3,1 mg/100 g) und Beta-Carotin.5 Für die antioxidativen Eigenschaften, die in Untersuchungen gezeigt wurden, ist neben Vitamin C auch die reichlich in den Früchten enthaltene Gruppe der Polyphenole verantwortlich. Sanddornbeeren neutralisieren freie DPPH-Radikale, Superoxidanionen sowie Hydroxylradikale und haben weiters einen inhibitorischen Effekt auf die Lipidperoxidation.6


Literatur:

  1. Goerg KA, Goji-Beeren. Ernährungs Umschau 7/2017
  2. Störing L, Giesen S, Werner G, Aronia – ein „Superfood“? Ernährung im Fokus 7–8/2018
  3. Goerg KA, Acai. Südamerikanisches „Superfood“. Ernährungs Umschau 2/2017
  4. Elmadfa I, Leitzmann C, Ernährung des Menschen, 6. Auflage. Eugen Ulmer Verlag 2019
  5. [Link]
  6. Papuc C, Diaconescu C, Nicorescu V et al., Antioxidant Activity of Polyphenols from Sea Buckthorn Fruits (Hippophae rhamnoides. REV. CHIM. 2008, Volume 59, Issue 4. Auf: [Link]
AutorIn: Mag. Martin Schiller

Apo-K 02|2021

Herausgeber: Ärztekrone VerlagsgesmbH
Publikationsdatum: 2021-02-05