Herausforderung Inflammation

Die Silent Inflammation verläuft chronisch und niedrigschwellig, weshalb sie auch als „low-grade inflammation“ bezeichnet wird. Diese stummen Entzündungsprozesse sind Auslöser und Ursache verschiedener chronischer Gesundheitsstörungen und Zivilisationskrankheiten. Die Wissenschaft vermutet einen Einfluss in der Pathogenese von Hypertonie, Atherosklerose, Diabetes mellitus und Alterungsprozessen. Vor allem im Frühstadium einer Krankheit bleibt dieses inflammatorische Geschehen oft unentdeckt.1

Der Lebensstil ist einer der wesentlichen Faktoren für stille Entzündungen. Übergewicht, Junk Food, gesättigte Fette und raffinierte Kohlenhydrate werden ebenso wie Bewegungsmangel als Auslöser einer „low-grade inflammation“ gesehen.1

Schwelende Inflammation bei Adipositas und Diabetes

Fettzellen produzieren eine Reihe von Hormonen und greifen damit aktiv in den Stoffwechsel ein. Bei übergewichtigen Menschen und Adipösen kommt es dabei zu einer Entzündungsreaktion, die sich als Anstieg des C-reaktiven Proteins zeigt. In detaillierten Laborberichten zeigen sich oftmals auch Erhöhungen der Konzentrationen von Zytokinen (Interleukin-1 und Interleukin-6), des Tumornekrosefaktors und von Leptin, wie die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie vor Kurzem berichtete. Aus endokrinologischer Sicht spricht man von einer Metainflammation. Es kommt dabei auch lokal zu einer Entzündung des Fettgewebes im Bauchraum, wodurch sich das Stoffwechselrisiko unmittelbar erhöht. Langzeitstudien zeigen, dass sich durch dauerhafte Erhöhung des C-reaktiven Proteins das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle erhöht. Das atherosklerotische Geschehen wird begünstigt, selbst wenn die Cholesterinwerte normal sind.2 Bereits in früheren Untersuchungen wurde ein hoher Anteil an viszeralem Fettgewebe mit verstärkten Entzündungszeichen (Erhöhung von IL-2, IL-4, IL-5, IL-10, IL-12, IL-13, Granulozyten-Makrophagen-Kolonie-stimulierender Faktor GM-CSF) in Verbindung gebracht. Auch Zusammenhänge zwischen erhöhten Zytokinkonzentrationen und Depressionen werden diskutiert. Körperliche Aktivität wirkte sich in Untersuchungen positiv auf das entzündliche Geschehen aus. Adipöse Studienteilnehmer, die sich mehr bewegten (die „aktive Gruppe“), wiesen niedrigere Zytokinwerte auf als die Probanden in der inaktiven Gruppe.3

Auch unabhängig von Übergewicht und Adipositas ist entzündliches Geschehen im Körper als Auslöser von Krankheiten und Alltagsleiden erforscht. Neuroinflammation führt zum Abbau der Kognition, „low-grade inflammation“ begünstigt den Alterungsprozess, erhöht das Risiko für Gelenkprobleme, und nicht zuletzt können Darmprobleme und sogar chronische Darmerkrankungen darauf zurückgeführt werden.4–6

Ernährung und Pflanzen gegen Entzündungen

Ein starkes Immunsystem vermag das entzündliche Geschehen bei entsprechendem Lebensstil unter Kontrolle zu bringen. Mit steigendem Alter kommt es jedoch bedingt

durch Immunoseneszenz vermehrt zu einem chronisch entzündlichen Geschehen. Dies betrifft vor allem die Antwort des angeborenen Immunsystems (C-reaktives Protein, IL-6, TNF-α).7 Aus diesem Grund ist es notwendig, möglichst viele Maßnahmen zur Hemmung des entzündlichen Geschehens zu setzen. Eine Metaanalyse hat beispielsweise gezeigt, dass eine pflanzenbetonte Ernährung die Konzentration verschiedener Entzündungsmarker reduziert (CRP, IL-6). In den 29 ausgewählten Publikationen betrug der durchschnittliche Studienzeitraum zwischen fünf und 96 Wochen. Die mediterrane Kost schnitt hinsichtlich antiinflammatorische Effekte am erfolgreichsten ab. Ebenfalls gute Ergebnisse gab es bei der DASH-Diet, der nordischen Kost und bei rein vegetarischer Ernährung.8 Auch Omega-3-Fettsäuren spielen eine wichtige Rolle bei der Kontrolle entzündlicher Prozesse. Weiters sollte die Versorgung mit Mikronährstoffen zur Stärkung des Immunsystems gefördert werden.9

Verschiedene Pflanzen üben antiinflammatorische Effekte im Körper aus. So hat sich beispielsweise der Weihrauch bei entzündlichen Prozessen in Gelenken bewährt, Echinacea-Extrakte konnten in Studien die Prostaglandinsynthese hemmen und Salbeiblätter ausgeprägte antiinflammatorische Aktivität unter Beweis stellen. Eine sehr interessante Pflanze zur Reduktion entzündungsfördernder Mediatoren ist Curcuma longa, die Gelbwurzel. Das in ihr enthaltene Kurkumin, ein Curcuminoid, konnte in vitro die Prostaglandinsynthese hemmen. Übersichtsarbeiten zeigen für Curcuminoide unter anderem antioxidative Aktivität, Entzündungshemmung und wundheilungsfördernde Eigenschaften. Für Curcumin wird die Hemmung der Expression von Entzündungsmediatoren beschrieben.10 Weiters kommt es zu Verbesserungen des Lipidprofils, und es konnte bei siebentägiger Einnahme eines Extraktes die Lipidperoxidase gesenkt werden.11

Die Zufuhr von Kurkuma als Gewürz reicht für diese Effekte jedoch nicht aus, denn die Absorption des Kurkumins aus dem Magen-Darm-Trakt erfolgt wegen seiner hydrophoben Eigenschaften nur in kleiner Menge. Die gleichzeitige Verabreichung eines Drug-Enhancers wie Piperin kann die Resorptionsrate deutlich erhöhen. Durch moderne Galenik – mit ringförmigen Dextrinen umhülltes Kurkumin – wird die Bioverfügbarkeit ebenfalls wesentlich verbessert.11

Literatur:

1 Friedrichsen HP, Silent Inflammation – stumme Entzündung. EHK 2018; 67(04):192–196. DOI: 10.1055/a-0646-9461

2 Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie, 2. 3. 2020

3 Schmidt FM, Weschenfelder J, Sander C et al., Inflammatory Cytokines in general and Central Obesity and Modulating Effects of Physical Activity, PLoS One 2015; 10(3):e0121971

4 Minihane AM, Vinoy S, Russell WR et al., Low-grade inflammation, diet composition and health: current research evidence and its translation. Br J Nutr. 2015 Oct 14; 114(7):999–1012

5 Schmiedel V, Omega-3 und stille Entzündungen. EHK 2018; 67(04): 198-204. DOI: 10.1055/a-0647-0080

6 Chassaing B, Gewirtz AT, Gut microbiota, low-grade inflammation, and metabolic syndrome.Toxicol Pathol. 2014 Jan;42(1):49-53. DOI: 10.1177/0192623313508481

7 Guarner V, Rubio-Ruiz-ME, Low-Grade Systemic Inflammation Connects Aging, Metabolic Syndrome and Cardiovascular Disease. In: Yashin AI, Jazwinski SM (eds): Aging and Health – A Systems Biology Perspective. Interdiscipl Top Gerontol. Basel, Karger, 2015; 40:99–106

8 Deutsches Institut für Ernährungforschung 2016. Original: Eichelmann F, Schwingshackl L, Fedirko V et al., Effect of plant-based diets on obesity-related inflammatory profiles: a systematic review and meta-analysis of intervention trials. Obes Rev. 2016 Nov; 17(11):1067–1079

9 Elmadfa I, Leitzmann C, Ernährung des Menschen, 6. Auflage. Eugen Ulmer Verlag 2019

10 Blaschek W, Wichtl – Teedrogen und Phytopharmaka, 6. Auflage. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft 2016

11 Chrubasik-Hausmann S, Kurkuma.

AutorIn: Mag. Martin Schiller

Apo-K 09|2020

Herausgeber: Ärztekrone VerlagsgesmbH
Publikationsdatum: 2020-05-08