Isolation: Stress und Unruhe bremsen Verdauung aus

Ausgangsbeschränkungen und Isolation haben zwar bezüglich der COVID-19-Fallzahlen in Österreich positive Wirkung erzielt, stellen aber die Bevölkerung immer noch vor zahlreiche Herausforderungen. Das Zusammenleben auf engem Raum, die Haushaltsorganisation, Unruhe und Sorgen betreffend die Zukunftsaussichten, gleichzeitig aber auch ausgiebige Arbeitsbelastungen und lange Tage im Homeoffice – das alles sorgt für Stress. Dieser Stress wiederum kann sich auf die Verdauung auswirken, wie Untersuchungen zeigen. Gehirn und Darm sind über eine bidirektionale Achse miteinander verbunden. Die Kommunikationsrouten zwischen Hirn und Mikrobiota werden zunehmend besser erforscht und umfassen nach derzeitigem Stand der Wissenschaft den Nervus vagus, Darmhormone, das Immunsystem, den Tryptophanstoffwechsel und mikrobielle Metaboliten.1 Neben den Auswirkungen einer Dysbalance der Mikrobiota auf Prozesse im Gehirn beeinflusst umgekehrt der Umgebungsstress über das Gehirn enterische Neuronen/das enterische Nervensystem und damit auch die Verdauung.2

Weniger Verdauungsenzyme

Stress beeinträchtigt das menschliche Verdauungssystem auf vielfältige Weise. Untersuchungen haben gezeigt, dass bei Stressexposition die Tendenz zum Binge-Eating verstärkt wird.3 Auch eine herabgesetzte Verdauungsleistung kann die Folge sein: emotionaler und psychologischer Stress senken die Produktion von pankreatischen Verdauungsenzymen.4 Das Essen bleibt also buchstäblich im Magen liegen. Weiters ist die häusliche Isolation auch Risikofaktor für vermehrte Nahrungszufuhr. Dies kann zu Völlegefühl, Blähungen und anderen Verdauungsproblemen führen. Das Bauchgefühl ist durch die zum Teil auch ungewohnte Lebensmittelauswahl insgesamt beeinträchtigt. Die British Nutrition Foundation hat daher bereits einen Leitfaden „[…] for healthy, hassle-free meals while staying at home“ veröffentlicht.5

Ein Mitgrund für das schlechte Bauchgefühl ist auch die mangelnde Bewegung. Diese hat Folgen, wie Ernährungsexperten des französischen Zentrums für die Erforschung von Lebensgewohnheiten (CRÈDOC, Centre de Recherche pour l’Étude et l’Observation des Conditions de Vie) ausgerechnet haben. Sie schätzen, dass viele Menschen im Schnitt pro Tag um 200–400 kcal weniger verbrauchen als in den Zeiten vor der Isolation.6

Zur Optimierung der Verdauungssituation sind Probiotika eine vielversprechende Option, da sie zum einen die Verdauung selbst optimieren, zum anderen aber auch positive Effekte entlang der Darm-Hirn-Achse ausüben.7 Auch pflanzliche Helfer oder Enzyme sind bei Völlegefühl und träger Verdauung eine bewährte Option.

 

Literatur:

1 Foster JA, Rinaman L, Cryan JF, Stress & the gut-brain axis: Regulation by the microbiome. Neurobiol Stress. 2017 Mar 19; 7:124–136

2 Carabotti M, Scirocco A, Maselli MA et al., The gut-brain axis: interactions between enteric microbiota, central and enteric nervous systems. Ann Gastroenterol. 2015 Apr–Jun; 28(2):203–209

3 Razzoli M, Pearson C, Crow S et al., Stress, overeating, and obesity: Insights from human studies and preclinical models. Neurosci Biobehav Rev. 2017 May; 76(Pt A):154–162

4 Clinical Education Nutrition House. Auf: https://www.clinicaleducation.org/news/digestive-enzymes/

5 BNF’s top tips for healthy, hassle free meals while staying at home, 3rd April 2020. Auf: https://www.nutrition.org.uk/press-office/pressreleases/stayinghome.html

6 https://www.lepoint.fr/societe/coronavirus-sur-la-balance-le-compteur-tourne-03-04-2020-2369957_23.php

7 Appleton J, The Gut-Brain Axis: Influence of Microbiota on Mood and Mental Health. Integr Med (Encinitas). 2018 Aug; 17(4):28–32

AutorIn: Mag. Martin Schiller

Apo-K 08|2020

Herausgeber: Ärztekrone VerlagsgesmbH
Publikationsdatum: 2020-04-24