Kalziummangel: erhebliche metabolische Auswirkungen

Ernährungsfachgesellschaften empfehlen eine tägliche Zufuhr von 1.000 mg Kalzium für Menschen ab 19 Jahren. Dies gilt für beide Geschlechter und auch für Schwangere und Stillende. Für Jugendliche im Alter von 15 bis 19 Jahren gelten 1.200 mg täglich.1 Der letzte heimische Ernährungsbericht 2017 hat gezeigt, dass der Mineralstoff nach wie vor zu den kritischen Mikronährstoffen zählt. Demnach wird die empfohlene Zufuhr im Mittel nur von den 19- bis unter 25-jährigen Männern erreicht. 75 % der Frauen und 58 % der Männer liegen insgesamt unter dem Bedarf.2 Andere Erhebungen zeigen immer wieder, dass besonders die Versorgung von Personen ab 65 Jahren problematisch ist. Dabei spielt vermutlich die mit zunehmendem Alter abnehmende Absorption des Mikronährstoffes aus der Nahrung eine wesentliche Rolle. Liegt die Absorptionsrate beim Säugling noch bei 75 %, so verringert sie sich im Erwachsenenalter auf 20–40 % und sinkt dann immer mehr ab.3

Für eine ungenügende Versorgung oder einen Mangel sind weitere Faktoren von Bedeutung: Die Einnahme von Protonenpumpenhemmern beeinträchtigt die Utilisation und Resorption von Kalzium. Kortikosteroide stören den Kalziumhaushalt und senken den Kalziumspiegel, weshalb bei einer Langzeittherapie eine Supplementierung empfohlen ist. Auch bei Langzeittherapie mit Heparin sollte besonders auf eine gute Versorgung mit Kalzium geachtet werden.4 Über die Nahrung sind Oxalat (Spinat, Rhabarber, hoher Teekonsum), Phytinsäure (Kleiebestandteile von Getreide) sowie eine hohe Zufuhr gesättigter Fettsäuren hemmende Faktoren für die Aufnahme. Laktose verbessert die Absorption.3 Vitamin D unterstützt die Homöostase durch Erhöhung der Aufnahme des Minerals aus dem Intestinum.5

Knochenstoffwechsel beeinträchtigt, Blutdruck steigt

Eine ausgeglichene Kalziumbilanz ist für die Erhaltung der Knochenmasse essenziell, und durch eine adäquate Zufuhr kann der Verlust der Knochenmasse im Lauf des Alterungsprozesses verringert werden. Eine geringe Zufuhr kann unabhängig von anderen Faktoren (wie zum Beispiel der Vitamin-D-Versorgung) das Risiko für Osteomalazie, Osteoporose und Frakturen erhöhen.2 Eine weitere Folge von Unterversorgung und Mangel ist eine erhöhte Metalltoxizität, zum Beispiel durch erhöhte Bleiabsorption im Magen-Darm-Trakt. Die metabolischen Effekte eines Mangels sind abseits des Knochenstoffwechsels vielfältig: Gefäßtonus und Blutdruck steigen, die Parathormonsekretion nimmt zu, die Lipogenese und die Kortisolsynthese nehmen zu, die Lipolyse nimmt ab, und insgesamt kommt es zu einem Anstieg der Fettgewebemasse. Auch Zahnprobleme und Beeinträchtigungen des Nervensystems sind möglich.3, 6


Literatur:

  1. D-A-CH-Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr
  2. Rust P, Hasenegger V, König J, Österreichische Ernährungsbericht 2017. Department für Ernährungswissenschaften der Universität Wien, im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit
  3. Elmadfa I, Leitzmann C, Ernährung des Menschen, 6. Auflage. Eugen Ulmer Verlag 2019
  4. Gröber U, Arzneimittel und Mikronährstoffe, 2. Auflage. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft 2012
  5. Christakos S, Dhawan P, Porta A, Vitamin D and Intestinal Calcium Absorption. Mol Cell Endocrinol. 2011 Dec 5; 347(1–2):25–29
  6. Hahn A, Ströhle A, Wolters M, Ernährung, 3. Auflage. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft 2016
AutorIn: Mag. Martin Schiller

Apo-K 23|2020

Herausgeber: Ärztekrone VerlagsgesmbH
Publikationsdatum: 2020-12-04