Windelausschläge sanft behandeln

 

Charakteristische Symptome einer Windeldermatitis stellen Hautrötung, Bläschen, Schuppung, wunde Stellen sowie Juckreiz dar, wobei eine weitere Ausdehnung des Ausschlages bis auf den Unterbauch und die Oberschenkel möglich ist. Als Hauptursache gilt eine Kombination aus Feuchtigkeit sowie Wärmestauung im abgedichteten Windelbereich, wodurch es zur Mazeration des Stratum corneum kommt. Das aus dem Harnstoff des Urins entstehende Abbauprodukt Ammoniak greift den Säureschutzmantel der Haut an, der durch Verdauungsenzyme wie Proteasen und Lipasen im Stuhl bereits Irritationen zeigt. Es kommt zu einer gegenseitigen Wirkungsverstärkung, da Ammoniak den pH-Wert im Kot erhöht, was wiederum zur Aktivierung von Enzymen führt. Die Windel sollte deshalb immer so bald wie möglich nach der Stuhlentleerung des Babys entfernt werden. Durchfall, Allergien, Abwehrschwäche oder Mukoviszidose erhöhen – abgesehen von der zu geringen Frequenz des Windelwechselns – des Weiteren das Risiko, an einer Windeldermatitis zu erkranken.

Sanfte Reinigung, Eincremen

Zur Behandlung der Dermatitis ammoniacalis wird bei jedem Windelwechsel die Reinigung des betroffenen Areals mit klarem, lauwarmem Wasser empfohlen, wobei allzu heftiges Reiben zu vermeiden ist. Alkoholische oder andere entfettende Waschzusätze dürfen nicht zur Anwendung kommen. Nach dem gleichzeitig sanften und gründlichen Abtrocknen des Windelbereiches, ist es sinnvoll, den Nachwuchs eine Weile ohne Windeln strampeln oder krabbeln zu lassen, um den irritierten Hautstellen möglichst viel Luft zukommen zu lassen.
Bevor erneut eine frische Windel angelegt wird, kommen verschiedene Heil- und Pflegesalben zum Einsatz, die im Optimalfall über eine weiche Konsistenz verfügen, um ein schmerzfreies Auftragen und späteres Entfernen gewährleisten zu können.

Als Klassiker unter den Salbenwirkstoffen gilt Zinkoxid, das mit seiner leicht desinfizierenden, austrocknenden und wasserabweisenden Wirkung die Mazeration der obersten Epidermisschicht verhindert. Dermatika mit Auszügen aus der Ringelblume eignen sich aufgrund ihrer guten Verträglichkeit ebenso ideal zur Pflege des wunden Bereiches. Die enthaltenen Flavonoide und das ätherische Öl zeigten gegenüber verschiedenen grampositiven Bakterien, Pilzen und Viren antimikrobielle Effekte. Gleichzeitig verfügen die Triterpenalkohole von Calendula officinalis über entzündungshemmende Eigenschaften. Wie bei der ebenfalls antiphlogistisch wirksamen Kamille gilt dabei eine Allergie gegen Korbblütler als Kontraindikation. Zusätze wie Dexpanthenol, Lebertran und Carbamidum helfen, den Juckreiz zu stillen, und unterstützen die Bildung neuer Hautzellen. Lösungen mit adstringierenden Gerbstoffen aus Schwarztee oder Eichenrindenextrakt können vorsichtig aufgetupft oder in Form von Sitzbädern angewendet werden. Stillenden Müttern wird empfohlen, im irritierten Bereich Muttermilch aufzutragen, die Hautreizungen zu lindern vermag.

Antimykotisch wirksame Dermatika sollten erst bei konkretem Verdacht auf pilzinfizierte Windeldermatitis (Windelsoor) und nach ärztlicher Verordnung eingesetzt werden, um einer Übertherapie entgegen zu steuern. Puder ist zur Behandlung von Windeldermatitis obsolet, da es im feuchten Milieu verklumpen und die Haut aufscheuern kann. Sehr fettige Salben wie beispielsweise Vaseline gelten aufgrund ihrer stark abdichtenden Wirkung ebenfalls als ungeeignet.

Der Verzehr von Zitrusfrüchten, Obstsäften, scharf gewürzten und zuckerhältigen Speisen ist von stillenden Müttern zu vermeiden, da diese Nahrungsmittel den kindlichen Stuhl für die Haut aggressiver machen.

 

Arztverweis

Ein Kinderarzt sollte zu Rate gezogen werden bei:

  • wiederholtem, hartnäckigem Auftreten
  • ausbleibender Besserung nach wenigen Tagen
  • Verdacht auf Windelsoor
  • Verdacht auf bakterielle Superinfektionen
  • stark entzündeten und blutenden Stellen
AutorIn: Mag. pharm. Doris Auinger

Apo-K 23|2020

Herausgeber: Ärztekrone VerlagsgesmbH
Publikationsdatum: 2020-12-04