Kognitive Gesundheit

Die Wahrscheinlichkeit, ein hohes Alter zu erreichen, ist heute so hoch wie nie zuvor. Im Idealfall möchten wir dies auch bei möglichst guter körperlicher und geistiger Gesundheit. Die beste Prophylaxe ist eine gesunde Lebensweise, die eine ausgewogene Ernährung, viel Bewegung, Verzicht auf Nikotin und sparsamen Alkoholkonsum beinhaltet. Körperliches Training ist für viele Menschen selbstverständlich, für die kognitive Gesundheit ist es jedoch ebenfalls erforderlich, den Geist kontinuierlich zu beanspruchen. Regelmäßiges Gehirntraining (zum Beispiel in Form von Zeitunglesen, Gesellschaftsspielen, Kreuzworträtsel, Sudokus et cetera) ist vor allem ab dem Pensionsalter von Bedeutung, wenn die beruflichen Aufgaben nicht mehr gegeben sind. Auch das Spielen beziehungsweise Erlernen eines Musikinstruments hat sich als positiv erwiesen, Musiker erkranken wesentlich seltener an Demenz als andere Personen.

Diese prophylaktischen Maßnahmen sollte man bereits vor Auftreten erster Symptome einer Demenz beherzigen. Erste Anzeichen wie beispielsweise eine Verschlechterung des Kurzzeitgedächtnisses, Sprachstörungen, vermehrte Müdigkeit, Depression oder Konzentrationsschwierigkeiten sind unbedingt ernst zu nehmen. Auch die Gefäßgesundheit ist von entscheidender Bedeutung. Erkrankungen wie Atherosklerose, Hypercholesterinämie, Hypertonie und Diabetes mellitus sind Risikofaktoren einer vaskulären Demenz.

Ginkgo biloba, Panax ginseng und Curcuma longa

Ethanolische Extrakte von Ginkgo biloba wirken zentral und peripher durchblutungsfördernd, senken die Thrombozytenaggregation und verbessern die Fließeigenschaften des Blutes.

Wirkungsverantwortlich sind vor allem Flavonoide und Ginkgolide, welche hauptsächlich in den Blättern zu finden sind. Ginkgo-Präparate eignen sich nach Rücksprache mit dem Arzt zur unterstützenden Behandlung beziehungsweise Prophylaxe bei Alzheimer-Demenz und vaskulärer Demenz. Die empfohlene Dosis liegt bei 80 bis 160 mg Trockenextrakt/Tag, aufgeteilt auf zwei Einzeldosen. Zu beachten ist eine mögliche Wechselwirkung mit blutverdünnenden Arzneimitteln.

Die Ginsengwurzel ist vor allem als Adaptogen bekannt und wird gerne bei Erschöpfungszuständen und erhöhter Infektanfälligkeit eingesetzt. In richtiger Dosierung (200–400 mg wässriges oder alkoholisches Extrakt) verbessert sie jedoch auch kognitive Funktionen.

Eine weitere Arzneipflanze mit Wirkung auf die Gedächtnisleistung ist die die Gelbwurzel. Spezielle Extrakte aus Curcuma longa scheinen neurodegenerative Prozesse zu bremsen.

Wichtige Nährstoffe

  • Aminosäuren beziehungsweise deren Vorstufen sind essenziell für die Gehirnfunktion. Dazu zählen beispielsweise die Neurotransmitter Glutaminsäure und Asparaginsäure. Arginin ist als Vorstufe von NO wesentlich für die Gefäßgesundheit. Tyrosin und seine Vorstufe Phenylalanin sind für die endogene Synthese der Katecholamine notwendig. Phospholipide wie Lecithin (Phosphatidylcholin) und Phosphatidylserin sind ebenfalls wichtige Bausteine. Die semiessenzielle Aminosäure Cholin dient als Vorstufe des Neurotransmitters Acetylcholin. Da ein Mangel an Acetylcholin in direktem Zusammenhang mit einigen Demenzformen steht, ist die prophylaktische Gabe durchaus sinnvoll.
  • B-Vitamine sind wichtig für diverse Stoffwechselvorgänge im Körper und somit auch für die Synthese der Neurotransmitter. Insbesondere bei starker geistiger Beanspruchung oder Stress besteht ein erhöhter Bedarf. Hervorzuheben sind die Vitamine B6, B12 und Folsäure, welche für den physiologischen Abbau von Homocystein sorgen. Ein erhöhter Homocysteinspiegel wird als möglicher Risikofaktor für Morbus Alzheimer diskutiert.
  • Aus der Gruppe der langkettigen Omega-3-Fettsäuren ist vor allem die Docosahexaensäure (DHE), welche hauptsächlich in Kaltwasserfischen wie Hering, Makrele und Lachs zu finden ist, für die kognitive Funktion von Bedeutung.
AutorIn: Mag. pharm. Kornelia Baumgartner

Apo-K 01|2020

Herausgeber: Ärztekrone VerlagsgesmbH
Publikationsdatum: 2020-01-17