Konzepte zur Senolyse: die biologische Uhr umdrehen

Kennzeichen des Alterns

Nachempfunden aus: López-Otín C, Blasco MA, Partridge L, The Hallmarks of Aging. Cell. 2013 Jun 6; 153(6):1194–1217

 

Lässt sich die Uhr, die das biologische Alter eines Menschen misst, zurückdrehen? Dieser Frage geht die Wissenschaft seit einigen Jahren verstärkt nach und hat erste vielversprechende Antworten. Dahinter steht das Konzept der Senolyse, womit der Zellalterung entgegengewirkt wird. Univ.-Doz. Dr. Alexander Haslberger, Department für Ernährungswissenschaften der Universität Wien, erklärt: „Ziel ist es, die seneszenten Zellen zu eliminieren. Das betrifft das Gehirn, aber auch andere Organe. Unter der zellulären Seneszenz versteht man den Verlust der Teilungsfähigkeit von Zellen. Die Zellen können sich nur in einer begrenzten Anzahl teilen, weil irgendwann die Telomere zu kurz sind. Infolge dessen kommt es zu einer proinflammatorischen Immunmodulation.

„Aufgrund dieser Erkenntnisse hat man sich auf die Suche nach senolytischen Substanzen begeben. Dabei spielen auch zahlreiche Nahrungsinhaltsstoffe eine wichtige Rolle, wie sich gezeigt hat. Der sekundäre Pflanzenstoff EGCG, Epigallocatechingallat, hat sich in Studien als senolytisch erwiesen. Die Substanz ist reichlich in grünem Tee vorhanden. Häufig genannt wird in der Forschung auch das Quercetin, das ebenso wie EGCG zu den Flavonoidverbindungen zählt. Dieser sekundäre Pflanzenstoff wird über die Nahrung vor allem aus Äpfeln, Brokkoli, Grünkohl und Fisolen aufgenommen. Haslberger stellt jedoch klar, dass für senolytische Effekte eine genügend hohe Konzentration entscheidend ist. Kontinuität der Einnahme sei ebenso wichtig wie Stabilität der Substanzen. Über die herkömmliche Ernährung sind derartige Effekte somit kaum zu erzielen. Bei der Entwicklung von Produkten mit hochkonzentrierten pflanzlichen Extrakten hat es aber zuletzt Fortschritte und erste gute Studienergebnisse gegeben.

Epigenetische Uhr und individuell unterschiedliches Altern (Ageotypes)

Die epigenetische Uhr dient dazu, das biologische Alter eines Menschen zu bestimmen. Dies geschieht anhand des Grades der DNA-Methylierung. „Methylierungen regulieren die Genexpression“, erklärt Haslberger. „Man hat 80–90 Genregionen erforscht, die mit dem biologischen Alter korrelieren. Verlaufen die Methylierungsänderungen schnell, bedeutet dies ein schlechtes biologisches Alter. Man hat in Studien festgestellt, dass durch Fasten eine Verlangsamung stattfindet.“ Durch Precision Nutrition und eine personalisierte Ernährung werde es in Zukunft möglich sein, die epigenetische Uhr des einzelnen Menschen noch besser zu steuern und auf individuelle Charakteristika des Alterns einzugehen.

Interview mit: Univ.-Doz. Dr. Alexander Haslberger

Zur Person

Univ.-Doz. Dr. Alexander Haslberger, Department für Ernährungswissenschaften
der Universität Wien, hat in seinen Forschungsarbeiten Schwerpunkte unter anderem
im Bereich Mikrobiota, Epigenetik, personalisierte Ernährung und Alterung
gesetzt. Auf der von ihm gestalteten Website finden sich
spannende Beiträge zu Healthy Aging, Functional Food und Epigenetic Health.


AutorIn: Mag. Martin Schiller

Apo-K 02|2021

Herausgeber: Ärztekrone VerlagsgesmbH
Publikationsdatum: 2021-02-05