Mikrobiom beeinflusst Körpergewicht

In den vergangenen 10 bis 15 Jahren hat die Wissenschaft zunehmend mehr Daten gesammelt, die zeigen, dass das Darmmikrobiom eine Rolle in der Entstehung von Übergewicht spielt. In einem Review aus dem Jahr 2018 wurden elf Studien analysiert, in denen die Mikrobiota von Individuen mit unterschiedlichem Body-Mass-Index (BMI) verglichen wurde. Mittels Next Generation Sequencing fand man Unterschiede der Darmbakterienzusammensetzung zwischen übergewichtigen und normalgewichtigen Menschen.* „Man hat schon immer beobachtet, dass es Menschen gibt, die mehr essen können, ohne übergewichtig zu sein, und solche, die sehr schnell an Gewicht zunehmen. Experimente zeigen, dass die Mikrobiota darauf großen Einfluss hat“, erklärt Em. Univ.-Prof. Dr. Günter Krejs von der Klinischen Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie der Medizinischen Universität Graz. Forschungsarbeiten zeigen, dass das Verhältnis Firmicutes zu Bacteroidetes bei übergewichtigen Personen höher ist als bei Normalgewicht. „Wir wissen aus Studien mit Ratten, dass die Firmicutes durchaus als Dickmacher bezeichnet werden können“, sagt Krejs. „Daher besteht auch Hoffnung, dass man mit einer Modifikation des Darmmikrobioms im Kampf gegen Übergewicht, aber auch beim metabolischen Syndrom Erfolge erzielen kann.“ Das sei allerdings nicht so einfach. „Die Mikrobiota ist einprogrammiert. Sie entsteht in den ersten beiden Lebensjahren und bleibt danach sehr konstant. Das sieht man auch bei Krankheiten, nach denen sich allmählich die alte Bakterienzusammensetzung wieder einstellt, oder ganz besonders bei der Koloskopie. Der Darm ist geleert, das Mikrobiom erholt sich jedoch wieder. Das liegt an Keimen, die an der Schleimhaut fest ansitzen und sich wieder vermehren.“

Lebensstilintervention und Probiotika

Welche Maßnahmen schlägt der Experte also vor, um die Mikrobiota dauerhaft positiv zu beeinflussen und das Körpergewicht dadurch zu senken? „Eine Kombination aus reduzierter Aufnahme von Kalorien, Sport und faserstoffreicher Kost. Die Bakterien des Dickdarms machen aus Ballaststoffen kurzkettige Fettsäuren, die der Ernährung der Kolonschleimhaut dienen. Außerdem zeigen Studien, in denen das Mikrobiom von Afrikanern und Italienern verglichen wurde, dass die unterschiedlich hohe Ballaststoffaufnahme zu Unterschieden in der Darmbakterienzusammensetzung führt.“ Zucker sollte laut Krejs in der Ernährung stark reduziert werden. „Er wird zwar im Dünndarm absorbiert, gelangt aber über den Blutweg in den Dickdarm und beeinflusst dort das Mikrobiom negativ.“ Krejs setzt auch Hoffnungen in Probiotika. „Durch probiotische Bakterienstämme können Änderungen im Mikrobiom herbeigeführt werden, und es besteht große Hoffnung, dass diese Bakterien in Kombination mit den genannten Lebensstilmaßnahmen bei der Optimierung des Körpergewichtes mitwirken. Künftig brauchen wir dazu noch kontrollierte Doppelblindstudie, um harte Beweise dafür zu erhalten.“

 

Literatur:

* Castaner O, Goday A, Park YM et al., The Gut Microbiome Profile in Obesity: A Systematic Review. Int J Endocrinol. 2018; 2018:4095789

AutorIn: Em. Univ.-Prof. Dr. Günter Krejs

Klinische Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie der Medizinischen Universität Graz


Apo-K 12|2020

Herausgeber: Ärztekrone VerlagsgesmbH
Publikationsdatum: 2020-06-19