Primärprävention: Auf die richtigen Fette kommt es an

Die Grundlagen für eine Ernährung, mit der man die Chance erhöht, Herzkrankheiten vorzubeugen, sind unumstritten: moderate Portionsgrößen, die Aufnahme gesunder Fette, reichlich frisches oder schonend zubereitetes Obst und Gemüse, Salzreduktion, Vollkornprodukte als regelmäßige Speiseplanbestandteile sowie Proteinquellen mit geringem Fettgehalt. Gerade bei den Fetten zeigt sich, wie sehr es auf die Auswahl der richtigen Lebensmittel ankommt.

Der Anteil von gesättigten Fettsäuren sollte nicht mehr als ein Drittel der durch Fett zugeführten Energie betragen. In der evidenzbasierten Leitlinie Fettzufuhr der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) wird von einer wahrscheinlichen Verminderung des Risikos für eine koronare Herzkrankheit ausgegangen, wenn in der täglichen Ernährung gesättigte Fettsäuren durch mehrfach ungesättigte Fettsäuren ausgetauscht werden.1 Dies spricht für eine reichliche Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren in Form von Meeresfisch, Ölen wie Hanföl und Leinöl, Algenöl sowie Supplementen. Der positive Einfluss der Omega-3-Fettsäuren ist vielfältig: Sie reduzieren die endotheliale Expression von Adhäsionsmolekülen, wirken gegen die endotheliale und verbessern die arterielle Compliance. Weiters werden sie von arteriosklerotischen Plaques aufgenommen und sorgen dort für eine stabilere Plaquekapsel, weniger Entzündungsreaktionen und weniger Makrophagen. Wichtig bei verstärkter Aufnahme von Omega-3-Fetten (und Supplementen): Ihre erhöhte Zufuhr erfordert gleichzeitig die Zufuhr von Stoffen, die einen Schutz vor Peroxidbildung darstellen. Dies kann in Form von Antioxidanzien wie Vitamin C und Vitamin E, aber auch durch Beta-Karotin geschehen.2

Eine günstige Fettsäurezusammensetzung weist auch Rapsöl auf. Es enthält nur 6 % gesättigte Fette und 65 % ungesättigte Fettsäuren. Gerade das richtige Verhältnis von Omega-6- zu Omega-3-Fettsäuren wird als gesundheitlich sehr günstig bewertet. Als wichtiger Bestandteil der mediterranen Kost hat sich Olivenöl einen guten Ruf als herzschützendes Lebensmittel erworben. Tier- und Humanstudien belegen positive Effekte hinsichtlich kardiovaskulärer Erkrankungen, unter anderem durch die Verbesserung inflammatorischer Marker. Es kam zur Reduktion von Risikoparametern wie IL-6 (Interleukin-6), VCAM („vas­cular cell adhesion molecule“) oder ICAM-1 („intercellular adhesion molecule 1“). Dies ging auch mit höheren HDL- und niedrigeren LDL-Cholesterinspiegeln einher. Hinweise auf eine kardioprotektive Wirkung gibt es auch bei Sesamöl, hierzu fehlen aber noch gut kontrollierte Humanstudien. Der Verzehr von Kokosöl sollte wegen des 87-prozentigen Anteils an gesättigten Fetten nur sehr eingeschränkt erfolgen. Hinsichtlich Palmöls gibt es in der Wissenschaft einen Konsens, dass die Zufuhr keine gesundheitlichen Nachteile mit sich bringt – hier stelle sich die ökologische Frage sehr stark. Bei Sojaöl ist die Datenlage widersprüchlich und lässt noch keine Schlüsse hinsichtlich der gesundheitlichen Wirkung zu. Eine gute Empfehlung ist Arganöl. Es beeinflusst den Lipidstoffwechsel günstig und kann daher als Beitrag zur Senkung des Herz-Kreislauf-Risikos angesehen werden.1

Eine Warnung spricht die Deutsche Gesellschaft für Ernährung vor Transfettsäuren (enthalten in vielen Fertigbackwaren, Fertigprodukten und Frittiertem) aus, da diese mit erhöhten Gesamt-LDL- und Triglyceridwerten einhergehen und zu Fettstoffwechselstörungen führen können. Zur Beschränkung der Gesamtfettzufuhr eignet sich laut DGE die Begrenzung der Zufuhr von tierischen Lebensmitteln bzw. die Auswahl von fettarmen Varianten bei tierischen Lebensmitteln mit Ausnahme von Fisch.3

Ein derart gestalteter Speiseplan, gleich­zeitig reich an pflanzlichen Produkten, wirkt sich auch auf den Cholesterinspiegel günstig aus. Menschen mit hohen Cholesterinwerten sollten jedenfalls auf Innereien, Meerestiere, Aal sowie auf Haut von Geflügel und Fisch verzichten. Vorsicht ist bei Dressings, Eiernudeln und Fertiggerichten (können Eier oder Eigelb enthalten) geboten.4


Literatur:

  1. Glei M, Pflanzenöle und -fette. Inhaltsstoffe und gesundheitliche Wirkungen. Ernährungs Umschau 12/2020
  2. Linseisen J, Wolfram G, Fettzufuhr und Prävention der koronaren Herzkrankheit. In: Deutsche Gesellschaft für Ernährung, 2015: Leitlinie Fett. https://www.dge.de/fileadmin/public/doc/ws/ll-fett/v2/09-koronare-Herzkrankheit-DGE-Leitlinie-Fett-2015.pdf
  3. Deutsche Gesellschaft für Ernährung, Jan. 2015: Ausgewählte Fragen und Antworten zur 2. Version der DGE-Leitlinie „Fettzufuhr und Prävention ausgewählter ernährungsmitbedingter Krankheiten.
  4. Deutsche Gesellschaft für Ernährung, 2010: Cholesterinwert im Griff
AutorIn: Mag. Martin Schiller

Apo-K 07|2021

Herausgeber: Ärztekrone VerlagsgesmbH
Publikationsdatum: 2021-04-16