Schmerzmittel: Klassiker an der Tara

Schmerzen haben als Folge von Gewebeschädigungen eine wichtige Warn- und Schutzfunktion. Weiters dienen sie der leichteren Diagnose von Erkrankungen. Unbehandelt beeinträchtigen Schmerzen jedoch die Lebensqualität massiv. Besonders chronisch kranke Patienten sollten daher zur Einnahme der verordneten Schmerzmittel ermutigt werden. Jede Schmerztherapie muss individuell auf den Patienten abgestimmt werden; Dauermedikationen sind genau zu erfragen.

Wichtige OTC-Analgetika

Acetylsalicylsäure, Paracetamol und Ibuprofen zählen zu den wichtigsten rezeptfreien oralen Analgetika.

  • Die Acetylsalicylsäure hat neben ihrer schmerzstillenden Wirkung einen guten antiphlogistischen Effekt und wird daher bei entzündlichen Prozessen verwendet. Zu den häufigsten Nebenwirkungen zählen Schädigung der Magenschleimhaut und erhöhte Blutungsneigung (kontraindiziert nach Zahnextraktion!); kontraindiziert ist ASS unter anderem bei Asthma, im letzten Trimenon der Schwangerschaft sowie bei Kindern unter 12 Jahren (Gefahr des Reye-Syndroms).
  • Das Racemat Ibuprofen und sein (S)-Enantiomer Dexibuprofen (Rp) weisen ebenfalls eine entzündungshemmende Wirkung auf. Sie bewähren sich sehr gut in der Selbstmedikation bei Menstruationsbeschwerden, Rücken- und Gelenkschmerzen sowie Kopf- und Zahnschmerzen. In Form des DL-Lysinats verbessert sich seine Löslichkeit, der Wirkstoff gelangt somit schneller in den Blutkreislauf.
  • Ein sehr sicheres Analgetikum und Antipyretikum ist das Anilinderivat Paracetamol. Die antiphlogistische Wirkung ist eher gering. Die Dosis beträgt 10–15 mg pro kg Körpergewicht bis zu viermal täglich, bei Erwachsenen maximal viermal 500 mg. In höheren Dosen kann es bei Erwachsenen zu hepatotoxischen Nebenwirkungen kommen, die durch gleichzeitigen Alkoholkonsum verstärkt werden.

Bei Muskel-, Gelenk- und Nervenschmerzen werden häufig topische Arzneiformen (vor allem Diclofenac, Diethylaminsalicylat, Dimethylsulfoxid, Ibuprofen) bevorzugt. Äußerlich werden Analgetika häufig mit hyperämisierenden Arzneistoffen kombiniert, wodurch eine bessere Penetration und somit verbesserte Wirkung erzielt wird. Auch Rheumapflaster auf Capsaicin-Basis sind eine gute Hilfe.

Vorsicht Wechselwirkung!

Eine wichtige Aufgabe des Apothekers ist die rechtzeitige Erkennung einer übermäßigen, möglicherweise missbräuchlichen Verwendung von Analgetika und die entsprechende Aufklärung über etwaige Neben- und Wechselwirkungen. Vorsicht geboten ist insbesondere bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion, bei bestehendem Asthma, auch mögliche Arzneimittelunverträglichkeiten müssen berücksichtigt werden. Kontraindiziert sind NSAR bei Patienten, welche Cumarine, Heparine, Thrombozytenaggregationshemmer oder DOAK einnehmen. Das ideale Analgetikum für diese Patientengruppe ist Paracetamol, die Dosis von 500–1.500 mg/Tag sollte jedoch auch hier nicht überschritten werden. Bei topischen Arzneiformen ist hingegen kaum mit Nebenwirkungen zu rechnen.

Unterstützung aus dem Pflanzenreich

Phytopharmaka sind häufig eine wichtige Ergänzung zu synthetischen Analgetika. Zu nennen sind pflanzliche Antiphlogistika wie Weidenrinden-, Zitterpappel-, Brennnessel-, Hagebutten- und Goldrutenkrautextrakt. Auch das Harz des indischen Weihrauchs (Boswellia serrata) hat entzündungshemmende Eigenschaften. Der Teufelskralle (Harpagophytum procumbens) werden sowohl antiphlogistische als auch analgetische Effekte zugeschrieben. Produkte mit Beinwell (Symphytum) können bei Muskel- und Gelenkbeschwerden sowie bei Prellungen und Verstauchungen eingesetzt werden. Im Handel befinden sich ausschließlich Beinwell-Extrakte aus speziellen Züchtungen, die frei von potenziell toxischen Pyrrolizidinalkaloiden sind.

AutorIn: Mag. pharm. Kornelia Baumgartner

Apo-K 23|2019

Herausgeber: Ärztekrone VerlagsgesmbH
Publikationsdatum: 2019-12-06