46. Jahrestagung der ÖGGH: Hämorrhoiden „lifting“

Hämorrhoidalleiden sind eines der häufigsten Beschwerdebilder in der westlichen Welt. Sie entwickeln sich meist im Altersbereich von etwa 45 bis 65 Jahren. Rund 70 bis 80 Prozent aller Erwachsenen sind im Laufe ihres Lebens zumindest einmal betroffen, Frauen und Männer etwa gleich häufig. Die Ursachen sind nach wie vor unklar, die Varianz an Interventionsmöglichkeiten ist sehr breit. Hinsichtlich der Entstehung existieren verschiedene Konzepte. Einerseits die vaskuläre Theorie, die von einem verstärkten Blutfluss durch das Corpus cavernosum recti und einem Knicken der Hämorrhoidalgefäße in Verbindung mit einem Sphinkterspasmus ausgeht. Die mechanische Theorie beschreibt eine Insuffizienz des Aufhängeapparates, des sogenannten Parks Ligaments, einem Ausläufer der longitudinalen Muskulatur des Rektums, das den Schwellkörper fixiert. Die Degeneration der Bindegewebsstruktur erlaubt eine Vergrößerung der Gefäßplexus und eine Dislokation der vergrößerten Schwellkörper, die als Vorfall sichtbar werden kann. Als Wegbereiter gelten Obstipation, chronischer Durchfall oder Laxantienmissbrauch, Schwangerschaft, Übergewicht, Alkohol- und Kaffee-Missbrauch, scharfe Gewürze oder sitzende Berufe. Die Beschwerde-Symptomatik ist relativ uncharakteristisch. Die wichtigsten Symptome sind anale Blutungen, Nässen, Juckreiz, Gewebeprolaps, Schmerzen und Stuhlschmieren/Inkontinenz, was ein erhebliches hygienisches Problem darstellen kann. Ohne Therapie ist in der Regel mit einem Fortschreiten der Erkrankung inklusive intensivierter Beschwerden zu rechnen. Diagnostisch wird eine Proktoskopie, differentialdiagnostisch ein Rektoskopie durchgeführt.

Effizienz ultraschallgestützter Verfahren

Univ.-Prof. Dr. Sebastian Roka von der Universitätsklinik für Chirurgie am AKH Wien untersuchte kürzlich in einer bereits veröffentlichten multizentrischen Studie (Eur Surg [2013] 45: 26–30) insbesondere die Effizienz der ultraschallgestützten Verfahren bei fortgeschrittenen Stadien des Hämorrhoidalleidens. Diese Verfahren zeichnen sich dadurch aus, dass die Hämorrhoidalvenenplexus erhalten werden. Es kommt zu einer Reduktion des Blutflusses durch die Ligatur der Hämorrhoidalarterien und damit zur Reduktion der Schwellkörper. Die Schwellkörper werden in ihrer ursprünglichen Position fixiert (Mukopexie). Das sensible Anodem wird durch den Eingriff nicht tangiert, sodass der Eingriff relativ schmerzarm ist.
Im ersten Schritt wird also eine sogenannte Hämorrhoidenarterienligatur (HAL, hemorrhoidal artery ligation) durchgeführt, bei der man die Arterien umsticht. Der zweite Schritt besteht im sogenannten RAR (recto anal repair), was auch als DGM (dopplersonografisch gezielte Mukopexie) bezeichnet wird. Dabei wird durch eine spezielle Nahttechnik das Volumen der Hämorrhoiden reduziert und diese werden an ihrer ursprünglichen Position fixiert. Die Gesamtdauer des Eingriffs liegt etwa bei einer Stunde, es besteht kein Risiko für den Schließmuskel, der Eingriff ist vergleichsweise schmerzarm und offene Wunden werden vermieden.

Hohe Patientenzufriedenheit

Zur Bewertung der Effizienz dieses Eingriffs wurde am AKH-Wien die „HAL/RAR-Studie“ durchgeführt. Es handelte sich um eine prospektive, randomisierte Beobachtungsstudie. Eingeschlossen wurden symptomatische Hämorrhoidalleiden Grad drei und vier mit einer Gesamtzahl von 173 Patienten. Beurteilt wurden technische Fragen, Komplikationsraten, postoperativer Schmerz, Erfolgsraten sowie das Wiederauftreten von Symptomen bzw. eines Prolaps und die Patientenzufriedenheit. Es erfolgte ein Follow-up nach drei und zwölf Monaten. Es traten keine schweren postoperativen Komplikationen auf, lediglich in jeweils 0,6 % der Fälle eine Blutung oder Infektion mit Harnverhalten. Die Patientenzufriedenheit lag bei 88,2 %. Ein Prolapsrezidiv fand sich in 8,6 %, ein Symptomrezidiv in 9 % der Fälle. 22,9 % der Patienten benötigten zusätzliche Maßnahmen bzw. Therapien. Nach zwölf Monaten waren neun von zehn Patienten symptomfrei. „In der Studie konnte gezeigt werden, dass ultraschallgestützte Verfahren eine sichere Technik darstellen. Die Rezidivrate ist akzeptabel und vergleichbar mit anderen Verfahren, die bei diesen Stadien zur Anwendung kommen“, so Roka.

Eine detaillierte filmische Beschreibung des Eingriffs findet sich unter http://www.youtube.com/watch?v=888q9ueLFbo

MP 03|2013

Herausgeber: AUSTROMED – Interessensvertretung der Medizinprodukte-Unternehmen
Publikationsdatum: 2013-06-14