AKTION Saubere Hände: Flächendeckende Compliance-Beobachtungen

In den letzten Jahren wurde seitens der Krankenhaushygiene am LKH-Universitätsklinikum Graz viel Zeit investiert, um die Mitarbeiter für das Thema Händehygiene zu sensibilisieren und zu schulen. Im Rahmen der AKTION Saubere Hände (ASH) wurden zahlreiche Schulungen durchgeführt, Informationsmaterialien und Poster verteilt und die Anzahl der Händedesinfektionsmittelspender erhöht. Als indirekte Messmethode wurde der Desinfektionsmittelverbrauch in Relation zu den Belagstagen als Surrogatparameter erhoben. Um einen Eindruck vom tatsächlichen Händedesinfektionsverhalten der Mitarbeiter zu erhalten, wird seit Ende 2013 die direkte Messmethode „Compliance-Beobachtung“ am LKH-Universitätsklinikum Graz flächendeckend durchgeführt. Vor Ort auf den Stationen und im Intensivbereich beobachten die Hygienefachkräfte die Mitarbeiter bei der täglichen Arbeit. Die verschiedenen Tätigkeiten wie zum Beispiel ein Verbandswechsel werden dann nach den fünf Indikationen der Händehygiene analysiert und die Durchführung wird anhand eines Dokumentationsbogens bewertet. Pro Station müssen für eine Auswertung 150 Händedesinfektionsgelegenheiten beobachtet werden, wobei pro Indikation mindestens 20 Beobachtungen dokumentiert werden müssen. Für die Auswertung stellt die ASH über das Nationale Referenzzentrum für Surveillance von nosokomialen Infektionen (NRZ) die Datenbank HAND-KISS zur Verfügung.

Praktische Eingabe

Die Dateneingabe erfolgt über Tablets, wodurch die Auswertung direkt vor Ort stattfinden kann und das Feedback an die Stationsverantwortlichen und Mitarbeiter im Anschluss an die Beobachtung gegeben werden kann. Nach Abschluss der Compliance-Beobachtung wird in Zusammenarbeit mit der Stabsstelle Qualitäts- und Risikomanagement ein ausführlicher Bericht mit den Ergebnissen sowie Handlungsempfehlungen an die jeweilige Organisationeinheit übermittelt.
In der Literatur wird derzeit noch kontrovers diskutiert, ob eine 80, 90 oder 100%ige Compliance benötigt wird und welchen Einfluss diese auf die nosokomiale Infektionsrate tatsächlich hat. Am LKH-Univ. Klinikum Graz wurde im Krankenhaushygieneteam definiert, dass das Ziel ein Schwellenwert von 80 % ist. Liegt die Compliance bei einer oder mehreren Indikation(en) bzw. Berufsgruppen unter 80 %, ist eine interdisziplinäre Schulung der Mitarbeiter erforderlich.
Am LKH-Univ. Klinikum Graz wurden bis dato 11.973 Indikationen beobachtet, bei 10.019 wurde dann auch eine Händedesinfektion durchgeführt, das ist eine Compliance von 84 % im Durchschnitt aller beobachteten Einheiten. Im Vergleich dazu liegt die Compliance bei den veröffentlichten Referenzdaten der ASH im Jahr 2014 bei 72 %.
Das nachfolgende Diagramm zeigt die Unterschiede der Berufsgruppen bei der Compliance der Händehygiene ebenfalls im Vergleich zu den Referenzwerten der ASH.

 

Deutliche Verbesserung

Mittlerweile konnten am LKH-Univ. Klinikum Graz schon viele Bereiche evaluiert werden. Die Compliance-Rate in diesen Bereichen lag bei der ersten Compliance-Beobachtung bei durchschnittlich 78,5 %. Durch Schulungsmaßnahmen und eine darauffolgende Evaluierung in Form einer zweiten Compliance-Beobachtung konnte innerhalb eines halben Jahres die Rate auf 87,5 % gesteigert werden.
Die korrekte Händehygiene ist ein maßgeblicher Schlüssel zur nachhaltigen Reduktion nosokomialer Infektionen. Die entscheidenden Faktoren zur Verbesserung der Compliance in den alltäglichen Abläufen sind das Bewusstsein und die Aufmerksamkeit aller Mitarbeiter. Durch die Beobachtung vor Ort im Alltag und das direkte Feedback konnte eine Verbesserung im Verhalten bei der Händehygiene festgestellt werden.

AutorIn: Mag. Dr. Gerald Sendlhofer

Leiter der Stabstelle QM-RM Stmk. LKH-Universitätsklinikum Graz


Co-Autoren: Brigitte Kober, BA MA, OSr DKKS Renate Zierler, MSc

MP 02|2016

Herausgeber: AUSTROMED, Interessensvertretung der Medizinprodukte-Unternehmen
Publikationsdatum: 2016-04-22