Traumapatienten sicher versorgt

Die europäische Sektion der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Trauma zu einer der Gesundheitsherausforderungen unseres Jahrhunderts erklärt. Weltweit kostet das Trauma mehr produktive Jahre als jede andere Erkrankung. Nach Schätzungen der WHO kann die Mortalität bei Traumapatienten bis zu 30 % gesenkt werden, wenn eine starke prähospitale Rettungskette und eine hochqualitative medizinische Versorgung umgesetzt werden können. Daher werden mit dem Europäischen Trauma Kurs (ETC) einfache und standardisierte Prozesse zum Management von Traumapatienten vermittelt.

Training wirkt

Das Programm wurde entwickelt, um das Outcome von schwer traumatisierten Patienten durch ein spezielles Traumatraining, das goldenen Standards entspricht, zu verbessern. Der Fokus liegt auf multidisziplinären und multiprofessionellen Teams und der gemeinsamen Entwicklung von Teamfaktoren. In überaus praxisnahen Simulationen werden die Teilnehmer durch 29 Traumaszenarien geleitet, die spezielle Lernziele über das ganze Spektrum der Traumaversorgung umfassen.

Das LKH-Universitätsklinikum Graz arbeitet schon seit geraumer Zeit an einem Projekt, um das Schockraummanagement zu aktualisieren. „Um die Prozesse für eine bestmögliche Patientenversorgung fit zu machen, haben wir derzeit bereits den dritten Traumakurs laufen, in dem Ärzte und Pflege über zweieinhalb Tage geschult werden“, erklärt Mag. DI (FH) Bernd Pichler, Projektmanagement, Stabsstelle QM-RM am LKH-Universitätsklinikum Graz, zu den Erfahrungen des Klinikums mit dem ETC. Im Mittelpunkt steht die Kommunikation im Team, vor allem bei zeitkritischen Abläufen. „Wichtig ist die klare Aufgabenverteilung. Der Traumaleader ist immer für den Patienten zuständig, von der Übergabe vom Notarzt bis zur Weiterverlegung oder -behandlung“, gibt Pichler Einblick.

 

 

5 Sekunden, die Ressourcen sparen helfen

Mithilfe eines 5-Sekunden-Vitalchecks wird der Zustand jedes Patienten bei seinem Eintreffen überprüft. „Damit wird nicht über Gebühr Zeit verloren und dennoch schafft es Handlungsspielraum, um nur jene Maßnahmen einzuleiten, die sinnvoll sind.“ Im Extremfall spart man sich das Anpiepen von Kollegen, wenn der Patient in der Zwischenzeit verstorben ist.

Anders als bisher trifft sich das Schockraumteam schon vor dem Eintreffen der Patienten über ein eigenes Alarmierungssystem – auch das spart wertvolle Ressourcen. „Es handelt sich nur um das Kernteam, das für die Erstdiagnostik erforderlich ist. Wenn zum Beispiel ein CT notwendig wird, kann der Neurochirurg ohnehin erst tätig werden, wenn der Befund vorliegt.“

Seit über einem Jahr sind die Abläufe im Grazer Schockraum bereits nach den standardisierten Prozessen geregelt. Kurse werden weiterhin zur Auffrischung abgehalten, um auch neue Teammitglieder besser zu integrieren. Die Ergebnisse können sich sehen lassen: Die Schockraumzeit hat sich halbiert und wenn ein Zeitraum von 15 Minuten überschritten wird, werden diese „auffälligen“ Ausreißer beim zweiwöchigen Polytrauma-Jour fixe besprochen, um aus Fehlern bestmöglich zu lernen. Der angenehme Nebeneffekt: Die Arbeit im Schockraum ist trotz hohem Zeit- und Verantwortungsdruck für das Gesundheitspersonal durch die absolvierten Trainings beliebt, da nun nach klaren Vorgaben gearbeitet wird. Traumapatienten werden durch standardisierte Prozesse bestens betreut.

Mag. DI (FH) Bernd Pichler

Projektmanagement Stabsstelle QM-RM, LKH-Universitätsklinikum Graz


MP 02|2016

Herausgeber: AUSTROMED, Interessensvertretung der Medizinprodukte-Unternehmen
Publikationsdatum: 2016-04-22