AUSTROMED Kolumne: Führungskompetenz

Die Veränderungen am internationalen medizintechnischen Markt und die damit einhergehenden Veränderungen der Entscheidungskompetenzen bzw. -prozesse auf Unternehmens- und Kundenseite stellen österreichische Arbeitgeber und deren Angestellte vor neue Herausforderungen. Daraus ergibt sich die Frage, welche Kompetenzen Führungskräfte und Mitarbeiter in Zukunft mitbringen müssen, um am Markt erfolgreich zu sein. Vergleicht man Stellenprofile der letzten Jahre, so hat sich auf den ersten Blick nichts Wesentliches an den Anforderungen geändert. Fachlich sollen Mitarbeiter Kenntnisse des österreichischen Gesundheitswesens mitbringen, über ein gutes Netzwerk verfügen, persönlich umsetzungsstark und eigeninitiativ sein sowie soziale Kompetenz mitbringen. Eine Verschiebung hin zur Sicherung des nationalen Standortes macht sich bemerkbar: Die wichtigsten Kriterien für künftig erfolgreiche Mitarbeiter am medizintechnischen Arbeitsmarkt sind fachlich betriebswirtschaftliches Know-how und Sprachkenntnisse. Zudem kommen die persönlichen Kompetenzen wie Analytik und Kreativität hinzu.
Der österreichische Markt ist stark von Vertriebsgesellschaften geprägt, weniger von Forschung und Entwicklung. Marketing und Service werden zunehmend in der DACH-Region zentralisiert. Organisationen stehen daher weniger Personalressourcen zur Verfügung, internationale Berichtslinien werden verändert und Arbeitsweisen bzw. Prozessabläufe „effizienter“ gestaltet. Zudem ändern sich die Entscheidungsträger auf Kundenseite. Führungskräfte und deren Teams müssen heute in der Lage sein, ein breiteres Aufgabenfeld zu übernehmen.
Die im Stellenprofil oft gewünschten Produktkenntnisse werden zugunsten von kaufmännischen Kompetenzen verdrängt. Ziel ist es, den Kunden ganzheitlich zu betreuen und nicht mehr nur die Produktseite abzudecken. Mitarbeiter müssen fähig sein, betriebsinterne und auch auf Kundenseite bestehende komplexe Strukturen zu erkennen und die richtigen Prioritäten zu setzen.
Die Anforderungen an österreichische Arbeitskräfte werden höher, wie auch die Konkurrenz aus den Nachbarländern. Ein hohes Maß an Flexibilität wird vorausgesetzt und die stetige Weiterbildung ist unverzichtbar. Viele international tätige Unternehmen dezentralisieren den Verkauf und verschlanken Administration, Marketing, Service, Finanz sowie auch das HR im Inland. Diese Bereiche werden überregional, für den europäischen Bereich häufig in Deutschland, zentralisiert – vor allem um Kosten zu reduzieren.
Künftig müssen Mitarbeiter, um ihre Ziele zu erreichen, sowohl auf nationaler Ebene als auch auf internationaler Ebene gut zusammenarbeiten. Im Verkauf sollen die unterschiedlichen Abteilungen als Einheit wahrgenommen werden und so dem Kunden ein möglichst umfassendes und interessantes Angebot machen können. Die nationalen Erfolge liegen in enger Zusammenarbeit mit anderen Ländern, weshalb jedes international tätige Unternehmen den Fokus auf eine länderübergreifende Organisation legt. Es gilt, die überregional gemeinsam entwickelten Strategien bestmöglich in Österreich umzusetzen.
Die Anforderungen an einen Kandidaten sind daher um ein Verständnis für komplexe internationale Prozesse und Strategien sowie die Flexibilität, sich an schnell ändernde Gegebenheiten anzupassen, ergänzt worden. Hinzu kommt weiters eine hohe Gewichtung der sprachlichen Fähigkeiten, vor allem sehr gute Englischkenntnisse und eine umfassende wirtschaftliche Ausbildung.
AutorIn: Kerstin Roubin

Managing Partner Austria & CEE and Global Practice Group Leader Healthcare & Life Sciences


MP 05|2013

Herausgeber: AUSTROMED – Interessensvertretung der Medizinprodukte-Unternehmen
Publikationsdatum: 2013-10-31