Checklisten: Sicher arbeiten oder Zeit verschwenden?

In der Luftfahrt sind Checklisten ein bewährtes Instrument, um die Sicherheit zu erhöhen. Sie sollen gewährleisten, dass gerade bei Routineabläufen keine Details vergessen werden und Verantwortlichkeiten bzw. Aufgabenverteilungen klar und eindeutig geregelt sind. Damit werden Abläufe standardisiert reproduzierbar und Fehler, die nicht aufgrund von mangelndem Wissen, sondern weitaus öfter aufgrund von mangelnder Kommunikation und Koordination oder Zeitdruck und Unaufmerksamkeit entstehen, können vermieden werden.
Piloten kennen ihre Arbeitsabläufe sehr genau, dennoch ist es unabdingbar, vor dem Start mithilfe von Checklisten zu prüfen, ob auch wirklich kein Punkt vergessen wurde. Reiner Zeitverlust? Mitnichten, denn die Methode ist kostengünstig, extrem wirkungsvoll und braucht – richtig eingesetzt – kaum mehr als einige Minuten Zeit.
In vielen OPs hat sich das strukturierte Abarbeiten von Checklisten, oder auch „Team Time-out“ genannt, vor und nach der Durchführung eines Eingriffs bereits etabliert. Keine wie auch immer geartete Checkliste kann alle denkbaren Gefahren vorab eliminieren, aber sie schaltet jene Unzulänglichkeiten aus, die durch „einfaches Vergessen“ in stressigen Situationen auftreten können – stimmt die Blutgruppe, ist es der richtige Patient für den richtigen Eingriff, wurden Allergien und Infektionen abgeklärt?

Sicherheitskultur entscheidet

Doch diese Listen tragen nur dann wirklich zu mehr Sicherheit bei, wenn sie auch entsprechend ernst genommen werden. Das heißt: Ein „Hakerl darunter“ reicht nicht, um auch wirklich die Prozesssicherheit zu gewährleisten. Erforderlich ist eine entsprechende Sicherheitskultur, die auch eine interdisziplinäre Abstimmung erforderlich macht. Und hier stößt das Instrument in der Praxis oft auf den größten Widerstand.
Eine praxiserprobte Checkliste stellt die von der Weltgesundheitsorganisation WHO im Rahmen des Projektes „Safe Surgery Saves Lifes“ erarbeitete OP-Checkliste dar. Die Österreichische Version wurde von der Plattform Patientensicherheit ANetPAS entwickelt und kann auf www.patientensicherheit.at kostenfrei geladen werden. Das Ziel der Checkliste ist, die Sicherheit des Patienten im Rahmen von operativen Eingriffen zu erhöhen und alle Beteiligten ­an­zuhalten, aktiv ihre berufsspezifischen Sicherheitsaspekte zu über­denken. Die Checkliste ist sehr allgemein und kurz gehalten und soll an die lokalen Gegebenheiten und Bedürfnisse angepasst bzw. erweitert – aber nicht überladen – werden.

 

PPS_Checklist_05-2010__opt

MP 03|2013

Herausgeber: AUSTROMED – Interessensvertretung der Medizinprodukte-Unternehmen
Publikationsdatum: 2013-06-14