Das Schlusswort: Geiz ist nicht geil

Nach zwei Jahren Verhandlung haben Bund, Länder und die Sozialversicherung Ende 2012 die Gesundheitsreform beschlossen. Die in der präsentierten Einigung verankerten Gesundheitsziele kann die AUSTROMED grundsätzlich nur unterstützen und begrüßen. Aus einem der Ziele – „Qualitativ hochstehende und effiziente Gesundheitsversorgung für alle nachhaltig sicherstellen“ – haben sich für die Mitglieder der AUSTROMED jedoch einige konkrete Forderungen ergeben, die dringend umzusetzen sind. So müssen beispielsweise, um die Versorgung der Bevölkerung mit State-of-the-Art-Medizin zu gewährleisten und um weg von der bestehender „Geiz ist geil“-Mentalität bzw. des reinen Billigstbieterprinzips zu kommen, Qualitätsstandards als verpflichtende Zuschlagskriterien bei Ausschreibungen verankert werden. Diese sind nicht als Mindeststandards zu verstehen, sondern entsprechend dem letzten Stand von Wissenschaft und Technik.

Die AUSTROMED begrüßt auch, dass die Versorgung in Tageskliniken und die ambulante Versorgung forciert werden sollen. Viele diagnostische und therapeutische Verfahren, die heute tagesklinisch oder ambulant erledigt werden – endoskopische Untersuchungen, minimalinvasive Eingriffe –, sind ja erst durch Innovationen bei den Medizinprodukten möglich geworden. Das heißt, schon bisher haben die Medizinprodukte-Unternehmen durch Innovationen ein effizientes Gesundheitssystem unterstützt. Der niedergelassene Bereich muss allerdings die notwendige Infrastruktur dafür aufbauen und bereitstellen. Weiters wird die Bereitschaft zur Kostenübernahme präventiver Maßnahmen gefordert. Diese sollte sich in der Kosten-Nutzen-Bewertung bzw. in der Neudefinition der Honorierungssysteme unbedingt wiederfinden, immer unter Berücksichtigung der individuellen Situation des Patienten.

Laut der Reform ist eine patienten- sowie bedarfsorientierte und zwischen allen Sektoren abgestimmte Versorgung sicherzustellen. Im Hinblick auf die Ausgaben-Obergrenze stellt sich jedoch die Frage, ob medizinische Leistungen auch dann noch erbracht werden können, wenn diese Ausgaben-Obergrenze bereits erreicht wurde. Und angesichts der Kostentreiber im Gesundheitswesen – wie dem medizinischen Fortschritt und der demografischen Entwicklung – steht zu befürchten, dass es sehr wohl zu Leistungskürzungen kommen wird.

Die AUSTROMED unterstützt selbstverständlich sämtliche Bemühungen zur Gesundheitsförderung und Prävention, denn auch in diesem Bereich leistet die Medizinprodukte-Branche einen bedeutenden Beitrag. Die gesamte Diagnostik, insbesondere die bildgebenden Verfahren, liefern ebenso wie die gesamte In-vitro-Diagnostik unverzichtbare Lösungen zur Präventionsarbeit. Aber auch die Bereiche der Desinfektion, der Hygiene und der Dekubitusprophylaxe zählen zu den wichtigen präventiven Maßnahmen beispielsweise bei der Verhinderung von ­nosokomialen Infektionen. Die einschlägigen AUSTROMED-Branchengruppen konzentrieren sich daher auch im präventiven Bereich auf die Sicherung höchster Qualitätsstandards sowie die gemeinsame Erarbeitung von Regulativen und Prozeduren mit den Partnern im Gesundheitswesen.

Ihr

Mag. Friedrich Thomasberger
AUSTROMED Präsident

AutorIn: Mag. Friedrich Thomasberger

AUSTROMED Präsident


MP 01|2013

Herausgeber: AUSTROMED – Interessensvertretung der Medizinprodukte-Unternehmen
Publikationsdatum: 2013-02-14