ECR 2011: Innovationen in der Bildgebung

In über 1.500 Vorträgen wurde über die jüngsten Forschungsergebnisse in der Bildgebung, über neue Therapieansätze und Fortschritte in der Technologie berichtet. Schwerpunkte waren die molekulare Bildgebung und ihr Potenzial für die Zukunft, neueste Fortschritte bei der Krebs-Früherkennung, im Speziellen bei Brust- und Darmkrebs, die Erfolg versprechenden Perspektiven der Magnetresonanz-Tomografie und verbesserte Behandlungsmethoden durch interventionelle Radiologie.

Wichtig für Aus- und Weiterbildung

Seinem Ruf als innovativster Kongress in der Medizinbranche wurde der ECR einmal mehr gerecht. „Es gibt keinen anderen Kongress in unserer Branche, der es jedes Mal wieder schafft, seine Teilnehmer durch die unvergleichliche Mischung aus erstklassigen wissenschaftlichen Vorträgen und einer mit viel Liebe zum Detail gestalteten Umgebung zu begeistern. Daher war es mir eine besondere Freude heuer den ECR zu leiten“, erklärte Kongresspräsident Dr. Yves Menu aus Paris. Dr. Maximilian Reiser, Dekan der Ludwig-Maximilians-Universität München und scheidender Präsident der European Society of Radiology, betonte auch den edukativen Aspekt des Kongresses: „Eine Top-Ausbildung der Radiologen und die ständige Weiterentwicklung der radiologischen Methoden und Anwendungen dienen natürlich in erster Linie dem Wohl der Patienten. Zwei Maßnahmen, zu denen der ECR mit seinem einzigartigen Aus- und Weiterbildungsprogramm einen essenziellen Beitrag leistet.“

Radiologische Alternativen in der Diabetesdiagnose

Bei Diabetespatienten tritt die periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK), eine Störung der arteriellen Durchblutung der Extremitäten, deutlich früher auf und verläuft meist auch schwerwiegender als bei Nichtdiabetikern. So ist eine symptomatische PAVK drei- bis viermal so häufig und das Amputationsrisiko teilweise bis zu 30-mal so hoch wie bei einem gesunden Menschen.
„Bei Diabetikern ist die frühe Diagnose einer PAVK besonders wichtig, da sie einerseits den Weg zur kardiovaskulären Risikoabschätzung weist, andererseits um funktionelle Einschränkungen und Verlust einer Extremität zu verhindern“, erklärt Dr. Siegfried Thurnher, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Interventionelle Radiologie (ÖGIR) und Vorstand der radiologischen Abteilung im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Wien. Bei Verdacht auf PAVK kann die Radiologie ein für den Patienten sehr schonendes Diagnoseverfahren anbieten. So kommt die Magnetresonanz-Angiografie (MRA), ein bildgebendes Verfahren, bei dem mittels Magnetwellen eine Darstellung der Blutgefäße möglich ist, ganz ohne den Einsatz eines Katheters aus und kann somit ambulant in radiologischen Instituten durchgeführt werden. „Zahlreiche Studien konnten deutliche Vorteile der minimalinvasiven Angioplastie gegenüber der offenen Chirurgie aufzeigen, sodass die Bypass-Chirurgie nur bei Versagen der radiologischen Verfahren zum Einsatz kommt. Bei der Angioplastie werden winzige Ballonkatheter über die Leistenarterie in lokaler Betäubung eingeführt und so die Gefäßenge oder der Verschlussbereich aufgedehnt“, so Thurnher. Die meisten Amputationen eines „diabetischen Fußes”, der auf eine schwere Durchblutungsstörung zurückzuführen ist, können durch eine kombinierte Therapie mit Antibiotika, chirurgischer Wundbehandlung und radiologisch-gesteuerter Revaskularisation vermieden werden.

Demenzerkrankungen bald vorhersehbar?

Im Jahr 2009 waren in Österreich circa 95.000 Menschen von einer Demenzerkrankung betroffen. Bis 2050 wird mit einem Anstieg der Betroffenen auf rund 290.000 Personen gerechnet. Fieberhaft erforscht werden daher Methoden zur Früherkennung, dazu dienen unter anderem radiologische Verfahren. „Ganz typisch für die Demenz des Alzheimer-Typs ist eine Abnahme der grauen Hirnsubstanz und eine Ablagerung von Beta-Amyloid- und Tau-Proteinen im Gehirn, das kann mittels radiologischen Untersuchungen nachgewiesen werden“, erklärt Dr. Michael Schocke, leitender Oberarzt und stellvertretender Direktor an der Universitätsklinik für Radiologie in Innsbruck. Eine sehr gute Basisuntersuchung zur Abklärung von Demenzerkrankungen ist die Magnetresonanz-Tomografie (MRT). Bei der so genannten „Voxel-basierten Morphometrie (VBM)“ werden dreidimensionale MR-Bilder des Gehirns auf eine einheitliche Größe gebracht und dann auf die Verteilung von grauer und weißer Gehirnsubstanz untersucht. Der Vorteil dieser Methode ist es, dass große Mengen an Aufnahmen nahezu automatisiert miteinander verglichen werden können. Die VBM ist dadurch in der Lage, spezifische Muster zu erkennen, die auf eine bevorstehende Demenzerkrankung hindeuten.
Eine weitere radiologische Untersuchungsmethode ist die so genannte „Diffusionstensor-Bildgebung“, die mittels MRT die Bewegung von Wasserstoffprotonen im Gehirn verfolgt, deren Verhalten aufgrund der komplizierten Architektur der Nervenfasern grundsätzlich eingeschränkt ist. Falls Nervenzellen aber durch neurodegenerative Erkrankungen geschädigt sind, kommt es zu einem charakteristischen Fremdverhalten dieser Protonen. Auch Eisenablagerungen, die mit verschiedenen Formen von Neurodegeneration assoziiert werden, können mit diesem Verfahren nachgewiesen werden. Intensiv geforscht wird zurzeit an den Möglichkeiten der molekularen Bildgebung, mit deren Hilfe es möglich ist, Ablagerungen von β-Alymoid im Gehirn festzustellen und ein Demenzrisiko bereits im Vorfeld zu prognostizieren. Eine kürzlich veröffentlichte Studie zeigt, dass sich mittels PET (Positronen-Emissions-Tomografie) die Ablagerungen im Gehirn aufspüren lassen. „Für eine Vorsorge mittels PET-Scan stehen aber in Österreich noch zu wenige Geräte zur Verfügung“, so der Experte.

MP 02|2011

Herausgeber: AUSTROMED – Interessensvertretung der Medizinprodukte-Unternehmen
Publikationsdatum: 2011-04-22