Im Gespräch mit Ing. Norbert Hofer

Österreich ist ein Innovationsland. Im Gesundheitswesen hinken wir aber ein wenig hinterher. Warum?

Österreich ist im internationalen Vergleich bei Forschung und Innovationen im Spitzenfeld. Aufgrund seiner Struktur mit vielen Klein- und Mittelbetrieben ist es wichtig, sich auf Nischen zu konzentrieren, die wir durch spezielle Förderungen unterstützen. Österreich hat ein zwar teures, aber im internationalen Vergleich hervorragendes Gesundheitswesen.

Es gibt Fördergelder für Projekte im Gesundheitswesen, aber gleichzeitig haben wir keine Benannten Stellen mehr. Wie geht das zusammen?

Unternehmen und Forschungseinrichtungen forschen und entwickeln neue Produkte und Dienstleistungen im Gesundheitsbereich. Bevor neue Produkte auf dem Gesundheitsmarkt eingeführt werden, müssen sie in der Regel die Zulassung oder Akkreditierung durch eine Benannte Stelle erhalten. Fördergelder zur Unterstützung österreichischer Unternehmen bei Innovationsvorhaben sind sinnvoll, um die Konkurrenzfähigkeit der österreichischen Unternehmen zu erhalten und auszubauen.

Die Wirkung einer Projektförderung endet meist beim Markteintritt. Gerade im Gesundheitswesen wäre es aber wichtig, Innovationen von der Idee bis zur Anwendung am Patienten zu Ende zu denken. Gibt es hier Überlegungen, dies auch zu fördern?

Im Forschungsbereich gibt es europaweit einheitliche Regeln, wie hoch Forschungsvorhaben gefördert werden dürfen. Je näher am Markt, desto geringer ist die Förderquote, weil auch das unternehmerische Risiko hier schon geringer ist als am Beginn einer Idee. Wenn ein Medizinprodukt bei den Patienten ankommt, hat es in der Regel mehrere Stufen der Forschung, Entwicklung und Zulassung durchlaufen. Der Weg von der Grundlagenforschung bis zur marktnahen Entwicklung ist in Österreich durch eine Vielzahl von Förderungen sehr gut abgedeckt. Diese Programme werden auf Bundesebene vom Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF), der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft mbH (FFG) und dem Austria Wirtschaftsservice (AWS) abgewickelt und durch eine Reihe zusätzlicher Unterstützungsprogramme sowohl der EU als auch der Bundesländer ergänzt.

 

AUSTROMED STANDPUNKT
Es ist wichtig, dass vonseiten der politischen Entscheidungsträger ein klares „Ja“ zu einer Benannten Stelle in Österreich kommt. Unternehmen, die für eine Zulassung ihrer Produkte ins Ausland fahren müssen, haben einen deutlichen Wettbewerbsnachteil. Nach aktuellen Einschätzungen werden neue innovative Produkte um fünf bis zehn Jahre verspätet oder gar nicht für Patienten verfügbar werden, andere nutzbringende vom Markt verschwinden, da sich der Mehraufwand nicht mehr rechnet. Damit wird zunehmend mit veralteten Produkten behandelt werden müssen, was der Grundintention der neuen Reglung massiv widerspricht.
Interview mit: Ing. Norbert Hofer

Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technologie

Foto: © Parlamentsdirektion/PHOTO SIMONIS


MP 01|2018neu

Herausgeber: AUSTROMED, lnteressensvertretung der Medizinprodukte-Unternehmen
Publikationsdatum: 2018-10-23