Infektiöse Komplikationen des Katheterismus

Durch die Zunahme des geriatrischen Patientenkollektivs werden auch Langzeit-Katheterträger und damit verbundene infektiöse Komplikationen häufiger. Etwa 10 % aller Spitalsneuaufnahmen haben einen Katheter, 10 bis 15 % aller Aufnahmen in Pflegeheime, 40 % aller nosokomialen Infekte betreffen die Harnwege, 90 % sind katheterassoziiert. Die Mortalität der möglichen Urosepsis beträgt 20 bis 50 %, 30 % der obduzierten Dauerkatheter-Träger hatten eine „stille“ Pyelonephritis. Zudem spielt die Indikation zum Katheterismus zur Bilanzierung nach chirurgischen Eingriffen, urologischen Eingriffen, bei Hautmazerationen oder zur intensivmedizinischen Betreuung eine wichtige Rolle. Die europäischen urologischen Guidelines 2014 ­präsentieren in ihrem zusammenfassenden Update eine evidenzbasierte Leitlinie, die für alle medizinischen Fachrichtungen praktikabel erscheint (www.eau.org).

Verweildauer entscheidet

Katheterassoziierte Infekte stammen zumeist aus der patienten­eigenen Darmflora. Der Verweilkatheter wird innerhalb von Stunden mit einem Biofilm aus körpereigenen Proteinen und durch bakterielle Besiedelung mit bakteriellen Makromolekülen überzogen.
Der wichtigste Risikofaktor für das Entstehen eines Infektes ist die Dauer des Katheterismus. Die Indikation für einen Dauerkatheter ist bei 34 % der Patienten auf der Normalstation und 13 % auf der Intensivstation nicht gerechtfertigt. Bei kurzzeitiger Liegedauer tritt meist nur eine asymptomatische Bakteriurie auf, die meist von einem einzelnen Bakterienstamm verursacht wird. Multiple Keimspektren finden sich in der Regel bei Patienten mit einer Katheterliegedauer von über 30 Tagen.
Das Kathetersystem sollte daher steril, geschlossen und mit einer Ablassvorrichtung versehen sein. Die Verwendung eines Katheterventils erhöht das Infektrisiko. Trotz geschlossener Urinableitung gelangen Bakterien extraluminal durch Aszension entlang eines Biofilms in die Blase. Zudem sollten sich der Harnsack und das Verbindungsstück stets unter Blasenniveau befinden, der Auffangbeutel frei hängend ohne Bodenkontakt.
Katheter aus reinem Silikon weisen eine bessere Bioverträglichkeit auf, haben einen höheren Innendurchmesser und sind insbesondere für längere Liegezeiten gut geeignet. Sie sind jedoch teurer als Latex- oder Polyurethankatheter, die nur für eine Katheterisierungsdauer von weniger als einer Woche geeignet sind. Katheter mit großem Durchmesser sind infolge stärkerer Schleimhautreizung oft undicht. Antibiotisch beschichtete Katheter können das Auftreten von asymptomatischen Bakteriurien in einem Zeitraum von einer Woche reduzieren, jedoch gibt es keine Evidenz der Risikominimierung einer symptomatischen Infektion und sie werden daher nicht generell empfohlen. Ähnliches gilt für silberbeschichtete Katheter, die in geringem Maß das Auftreten einer symptomatischen Infektion verhindern können und daher in Einzelfällen zur Anwendung gelangen.
Sowohl beim Kurzzeit- wie auch beim Langzeit-Katheterismus liegen keine evidenzbasierten Daten bezüglich der Sinnhaftigkeit einer antibiotischen Dauerprophylaxe vor.

Hygienische Maßnahmen

Exakte Händehygiene und die Verwendung von Einmalhandschuhen helfen, bakterielle Übertragungen zwischen Katheterträgern zu vermeiden. In 25 bis 76 % der Fälle werden die Hygieneempfehlungen nicht eingehalten. Die Kathetereinlage sollte stets unter aseptischen Bedingungen sowie atraumatisch unter Verwendung von Gleitgelen und mit dem geringstmöglichen Katheterkaliber stattfinden.
Die dritte präventive Maßnahme ist ein regelmäßiger Katheterwechsel, in jedem Fall bei drohender Blockade, wobei es keine Evidenz bezüglich eines optimalen Intervalls gibt. Bei Patienten mit starker Blockierungstendenz sollte demnach der Katheterwechsel in kürzeren Intervallen erfolgen, die Trinkmenge zur Prophylaxe 1 bis 1,5 l/24 h betragen, eine Harnansäuerung mit L-Methionin einen Harn-pH von 5,8 bis 6,2 erzielen. Am Katheter sollten kein Zug und kein Knick bestehen.

AutorIn: Prim. Univ.-Prof. Dr. Stephan Madersbacher, FEBU

Abteilung für Urologie, Kaiser-Franz-Josef-Spital, Wien


AutorIn: OÄ Dr. Ursula Stoces, FEBU

Abteilung für Urologie, Kaiser-Franz-Josef-Spital, Wien


MP 01|2016

Herausgeber: AUSTROMED, Interessensvertretung der Medizinprodukte-Unternehmen
Publikationsdatum: 2016-02-26