Laser I: Nierensteine bei Kindern

Ein relativ unbekanntes, aber gar nicht so seltenes Leiden bei Kindern sind Nierensteine. Sie können sich bereits bei Babys bilden und waren bisher schwierig zu behandeln.

„Buben und Mädchen können gleichermaßen betroffen sein. Steinbildung ist bereits im Alter von sieben bis acht Monaten möglich, das Problem kann aber auch erst in der Pubertät auftreten. Kinderärzte haben es mitunter schwer, die richtige Diagnose zu stellen, weil die Symptome nicht eindeutig sind. Es können unspezifische Schmerzen sein, oft im Nabelbereich. Manchmal sind immer wieder auftretende Harnwegsinfekte oder veränderte Harnwerte auffällig und legen den Verdacht auf Nierensteine nahe“, erklärt Prim. Univ.-Dozent Dr. Josef Oswald, Vorstand der Kinderurologie am Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Linz, das Phänomen der Nierensteine im Kindesalter.

Nierensteine bei Kindern haben nicht nur viele Symptome, sondern auch mehrere mögliche Ursachen. „Einige Kinder haben eine erbliche Stoffwechselerkrankung. Bei ihnen sind meist beide Nieren betroffen. Sie bekommen nach der Operation Medikamente, die sie lebenslang einnehmen müssen. Andere Kinder haben eine problematische Verbindung zwischen den Nieren und dem Harnleiter, wo es immer wieder zu Rückflüssen, dem sogenannten Reflux, kommt. Diese Fehlbildung wird im Zuge der Nierensteinentfernung chirurgisch korrigiert“, so Oswald.

Eine neue schonende Operationsmethode der Kinderurologie am Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Linz wird seit Kurzem sehr erfolgreich angewendet und erspart den kleinen Patienten einen belastenden Eingriff: Die sogenannte „Mini Perc“-Methode arbeitet minimalinvasiv und äußerst schonend für die Patienten. Hochfrequente Laserpulse verwandeln dabei die Nierensteine zu sandähnlichen kleinen Körnchen. Nur stricknadeldünne Zugänge, über die das feine Laserwerkzeug eingeführt wird, sind für diesen Eingriff notwendig. Über ein anderes dünnes Röhrchen werden die „zerpulsten“ Reste des Nierensteins abgesaugt.

„Durch die neue Technik wird der kindliche Organismus viel weniger belastet als bei der herkömmlichen Methode. Statt der früher notwendigen größeren Schnitte kommen wir jetzt mit Zugängen von wenigen Millimetern Durchmesser aus. Es gibt praktisch keinen Blutverlust und das Nierengewebe wird nicht verletzt. Bei der bisherigen extra-korporalen Stoßwellentherapie bleiben kleinere Brocken zurück. Außerdem sind mehrere Narkosen nötig, um eine Steinfreiheit zu erreichen“, beschreibt Oberarzt Dr. Christoph Berger den Unterschied zu bisherigen Methoden. Mit der Mini Perc-Methode ist die Behandlung in 70 bis 80 Prozent der Fälle mit einem einzigen Eingriff und zwei bis drei Tagen Krankenhausaufenthalt erledigt.

Prim. Univ.-Doz. Dr. Josef Oswald
OA Dr. Christoph Berger

Fotos: © BHS Linz/Herbe


MP 01|2017

Herausgeber: AUSTROMED, Interessensvertretung der Medizinprodukte-Unternehmen
Publikationsdatum: 2017-02-17